Wenn Ihr Haus eine Klinkerfassade und ungewöhnlich tiefe Fensterlaibungen hat, steht die Chance gut, dass Sie auf dem energetisch günstigsten Sanierungsfall überhaupt sitzen: einem zweischaligen Mauerwerk mit leerem Hohlraum. Eine Kerndämmung kostet dort 25 bis 35 Euro pro Quadratmeter, verändert die Fassade optisch überhaupt nicht und ist nach zwei Tagen fertig. Vorausgesetzt, sechs Dinge stimmen. Wir zeigen Ihnen, wie der Aufbau normgerecht aussieht, wie Sie Ihre Wand erkennen, was vor einer Kerndämmung geprüft werden muss – und in welchen Fällen Sie besser die Finger davon lassen.
- Zweischaliges Mauerwerk besteht aus einer tragenden Innenschale von mindestens 11,5 cm, einem Zwischenraum und einer Verblendschale von mindestens 9 cm.
- Die Norm kennt vier Varianten – mit Luftschicht, mit Luftschicht und Dämmung, mit Kerndämmung und mit Putzschicht. Welche Sie haben, entscheidet über die Sanierungsoptionen.
- Eine nachträgliche Kerndämmung kostet 25 bis 35 € pro Quadratmeter und senkt den U-Wert typischerweise von 1,2–1,8 auf 0,30–0,50 W/(m²·K).
- Die Amortisation liegt bei einem Einfamilienhaus realistisch bei fünf bis neun Jahren – schneller als bei jeder anderen Fassadenmaßnahme.
- Vor der Ausführung muss der Hohlraum endoskopisch geprüft werden: Breite, Feuchte, Mörtelbrücken und Zustand der Drahtanker.
- Für die Förderung gilt eine Sonderregel: Reicht der Hohlraum für den U-Wert 0,20 nicht aus, genügt die vollständige Füllung mit dem bestmöglichen Dämmstoff.
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Was zweischaliges Mauerwerk ist
Zweischaliges Mauerwerk – oft auch Verblendmauerwerk genannt – trennt zwei Aufgaben, die eine massive Wand gleichzeitig erfüllen muss. Innen steht die Tragschale, die Decken und Dach aufnimmt. Außen steht die Verblendschale, die das Wetter abhält. Zwischen beiden liegt ein Zwischenraum, der je nach Bauweise Luft, Dämmung oder beides enthält.
Der bauphysikalische Trick liegt in dieser Trennung. Schlagregen dringt zwangsläufig in jede Klinkerfassade ein, kann aber im Zwischenraum ablaufen und verdunsten, ohne die Tragschale zu erreichen. Deshalb ist diese Bauweise in Norddeutschland traditionell verbreitet – dort, wo der Wind den Regen waagerecht gegen die Wand drückt. Was eine Fassade grundsätzlich leisten muss, haben wir im Beitrag Was ist eine Fassade? zusammengefasst.
Die vier Varianten nach Norm
Hier wird es wichtig, weil die meisten Ratgeber nur zwei Varianten kennen und Sie damit im entscheidenden Punkt nicht weiterkommen. Die Regelwerke unterscheiden vier Konstruktionsarten, und jede hat eigene Sanierungsmöglichkeiten.
| Variante | Zwischenraum | Nachträglich dämmbar? |
|---|---|---|
| Mit Luftschicht | Nur Luft, mindestens 4 cm, belüftet | ✓ Ideal für Kerndämmung |
| Mit Luftschicht und Wärmedämmung | Dämmplatte plus 4 cm Restluftschicht | ~ Restraum füllbar, Gewinn kleiner |
| Mit Kerndämmung | Vollständig mit Dämmstoff gefüllt | ✗ Bereits ausgeführt |
| Mit Putzschicht | Putz auf der Innenschale, dünner Spalt | ✗ Zu schmal, andere Lösung nötig |
Der für die Sanierung interessanteste und in Deutschland häufigste Fall im zweischaligen Mauerwerk ist die erste Variante: zwei Schalen, dazwischen nichts als Luft. In Gebäuden von etwa 1950 bis 1980 ist das die Regelbauweise – und genau hier liegt ein Einsparpotenzial, das mit minimalem Eingriff erschließbar ist.
Normmaße für zweischaliges Mauerwerk
Die konstruktiven Vorgaben für zweischaliges Mauerwerk stammen aus der DIN 1053-1, die heute durch DIN EN 1996 mit nationalem Anhang ersetzt ist, in der Praxis aber weiter als Referenz dient. Sie definiert die Grenzen, innerhalb derer eine zweischalige Wand funktioniert.
| Bauteil | Maß | Warum |
|---|---|---|
| Innenschale (tragend) | mindestens 11,5 cm | Lastabtrag von Decke und Dach |
| Außenschale | mindestens 9 cm, üblich 11,5 cm | Standsicherheit und Wetterschutz |
| Schalenabstand gesamt | höchstens 15 cm | Grenze der Drahtanker-Tragfähigkeit |
| Luftschicht | mindestens 4 cm | Ablauf und Verdunstung von Feuchte |
| Dämmung bei 4 cm Luftschicht | höchstens 11 cm | Rest vom 15-cm-Maximum |
| Dämmung bei Kerndämmung | höchstens 15 cm | Voller Schalenabstand nutzbar |
| Drahtanker | mindestens 5 Stück pro m² | Verbindung der Schalen, Windlasten |
| Lüftungsöffnungen | ca. 150 cm² je 20 m² Wandfläche | Belüftung und Wasserableitung |
Mit bauaufsichtlich zugelassenen Sonderankern sind Schalenabstände bis etwa 20 cm möglich, im Bestand finden Sie das aber praktisch nie. Wichtiger ist ein Detail, das man von außen nicht sieht: Die Drahtanker müssen aus Edelstahl bestehen und eine Kunststoffscheibe tragen, die Wasser vom Anker abtropfen lässt. In Gebäuden vor 1980 wurden häufig nur verzinkte Anker verbaut – die korrodieren.
Verzinkte Drahtanker aus den 1950er- bis 1970er-Jahren verlieren über Jahrzehnte ihren Querschnitt. Sichtbar wird das erst, wenn sich die Verblendschale nach außen wölbt oder Risse an den Gebäudeecken auftreten. Wer eine Kerndämmung plant, sollte die Anker im Rahmen der Endoskopie mitprüfen lassen – die Bohrung ist ohnehin da.
Wie Sie erkennen, ob Ihr Haus zweischalig ist
Sie brauchen dafür keinen Fachmann, nur ein Maßband und einen aufmerksamen Blick. Vier Indizien reichen für eine erste Einschätzung, ob Ihr Haus ein zweischaliges Mauerwerk hat.
Die vier Indizien im Detail
Die Wandstärke ist das stärkste Signal. Messen Sie in einer Fensteröffnung von der Außenkante des Klinkers bis zur Innenwandoberfläche. Bei 30 bis 38 cm haben Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei Schalen mit Hohlraum, bei 24 bis 30 cm eher eine massive Wand mit Verblender im Verbund, bei über 40 cm zwei Schalen mit breitem Zwischenraum.
Tiefe Fensterlaibungen entstehen zwangsläufig, weil das Fenster in der Innenschale sitzt und die Verblendschale davor steht. Wenn Ihre Fensterbank auffällig weit nach außen reicht, ist das ein Hinweis.
Offene Stoßfugen im Sockelbereich sind der eindeutigste Beleg. Suchen Sie in der ersten oder zweiten Klinkerreihe über dem Sockel nach Fugen, in denen der Mörtel fehlt – manchmal auch mit kleinen Kunststoffgittern versehen. Das sind die Lüftungsöffnungen, und sie gibt es nur bei zweischaligem Aufbau.
Das Baujahr ordnet den Rest ein. Zwischen 1950 und 1980 war die Variante mit reiner Luftschicht Standard, ab etwa 1980 kam die Dämmung im Zwischenraum dazu, seit den 1990er-Jahren ist die vollflächige Kerndämmung die Regel.
- In der Fensteröffnung messen
- Außenkante bis Innenwand
- Stärkstes Indiz
- Breite Fensterbank
- Fenster deutlich zurückversetzt
- Innen wie außen sichtbar
- Erste Reihen über dem Sockel
- Mörtel fehlt bewusst
- Lüftung des Hohlraums
- Luftschicht ohne Dämmung
- Ab 1980 teils gedämmt
- Ab 1990 Kerndämmung
Der große Vorteil: Kerndämmung nachrüsten
Warum sich zweischaliges Mauerwerk so leicht nachdämmen lässt
Ein leerer Hohlraum ist bares Geld. Bei einer Kerndämmung wird der Dämmstoff durch kleine Bohrungen in der Verblendschale eingeblasen – Bohrlochdurchmesser rund 18 bis 22 mm, im Raster von etwa einem Meter, anschließend fugenfarbig verschlossen. Von der Straße aus sieht man nach zwei Wochen nichts mehr.
Der Ablauf ist unspektakulär und genau deshalb so attraktiv. Ein Fachbetrieb schafft ein Einfamilienhaus in einem bis zwei Tagen, ohne Gerüst über die volle Höhe, ohne Eingriff in den Innenraum, ohne dass Sie ausziehen müssten. Kein Wohnflächenverlust, keine veränderte Fassadenoptik, keine neuen Fensterbänke und Dachüberstände – all das, was ein Wärmedämmverbundsystem an der Altbaufassade mit sich bringt, entfällt hier.
Vor der Kerndämmung: sechs Prüfpunkte
Damit das gut geht, muss der Bestand stimmen. In unseren Projekten scheitert etwa jede sechste geplante Kerndämmung an einem dieser Punkte – und es ist deutlich billiger, das vorher zu wissen.
- Hohlraumbreite messen: Per Endoskopie durch eine Probebohrung. Unter 3 cm lässt sich der Raum nicht zuverlässig füllen, ab 4 cm wird es wirtschaftlich, ab 6 cm richtig gut.
- Feuchte prüfen: Ist die Innenseite der Verblendschale dauerhaft feucht, muss die Ursache zuerst behoben werden. Eine Dämmung in einem nassen Hohlraum ist ein Schaden, keine Maßnahme.
- Mörtelbrücken suchen: Beim Bau heruntergefallener Mörtel liegt oft auf den Ankern und in der Sohle. Große Mörtelbatzen bilden Wärmebrücken und verhindern eine gleichmäßige Verteilung des Dämmstoffs.
- Drahtanker beurteilen: Zustand und Anzahl. Korrodierte Anker müssen vor der Dämmung ergänzt werden, sonst dämmen Sie eine Schale ein, die statisch nicht mehr sicher hängt.
- Sockelabdichtung kontrollieren: Ohne funktionierende Horizontalsperre im Sockel steigt Feuchte in den Hohlraum. Der Dämmstoff würde sie halten statt sie ablaufen zu lassen.
- Risse und Fugen aufnehmen: Offene Lagerfugen, gerissene Fugen und Schäden im Klinker werden vorher verfugt. Sonst wird die Wand nach der Dämmung außen kälter und nimmt mehr Wasser auf.
Eine endoskopische Hohlraumprüfung liegt bei 150 bis 400 € und liefert Breite, Verschmutzungsgrad, Feuchtezustand und Ankerbild. Seriöse Fachbetriebe führen sie vor dem Angebot durch und rechnen sie bei Auftragserteilung an. Wer ohne diese Prüfung ein Pauschalangebot abgibt, kalkuliert auf Ihr Risiko.
Wann eine Kerndämmung nicht funktioniert
Nicht jedes zweischalige Mauerwerk ist ein Kandidat. Es gibt Konstellationen, in denen wir von der Maßnahme abraten – und es ist ehrlicher, sie zu benennen als sie zu verkaufen.
Der klarste Ausschlussgrund ist ein zu schmaler Hohlraum. Bei der Variante mit Putzschicht liegen oft nur 1 bis 2 cm Spalt vor, das lässt sich nicht sinnvoll füllen. Ebenfalls kritisch: eine bereits vorhandene Dämmplatte plus Restluftschicht – hier gewinnen Sie nur wenige Zentimeter, und die Kosten pro eingesparter Kilowattstunde steigen deutlich.
Kritische Feuchtelagen
Schwieriger sind die Feuchtefälle. In Lagen mit hoher Schlagregenbeanspruchung – exponierte Küstennähe, freistehende Häuser in Windrichtung – muss die Verblendschale in tadellosem Zustand sein, weil die belüftete Trocknungsebene wegfällt. Sind Fugen offen oder der Klinker frostgeschädigt, sanieren Sie zuerst die Fassade. Wie sich Feuchte im Bauteil verhält, erläutern wir im Beitrag zum Feuchteschutz nach DIN 4108-3.
Und schließlich: Wenn die Verblendschale ohnehin erneuert werden muss, rechnen Sie beide Wege gegen. Dann ist eine neue Fassade mit vollflächiger Dämmung oft die bessere Investition – Optionen dazu finden Sie unter Fassadenverkleidung außen.
Welche Dämmstoffe für zweischaliges Mauerwerk zugelassen sind
Für den Hohlraum im zweischaligen Mauerwerk gilt eine eigene Kategorie: Zugelassen sind nur Dämmstoffe mit dem Anwendungstyp WZ nach DIN 4108-10, also Wärmedämmung von zweischaligem Mauerwerk. Diese Materialien müssen hydrophob sein, dürfen sich nicht setzen und müssen sich maschinell einblasen lassen.
| Dämmstoff | λ in W/(m·K) | Eigenschaft | Eignung |
|---|---|---|---|
| Mineralwollegranulat | 0,035–0,045 | Nicht brennbar (A1) | ✓ Standardlösung |
| EPS-Perlen mit Klebstoff | 0,033–0,040 | Verklebt sich im Hohlraum | ✓ Sehr gut, setzungsfrei |
| Perlite, silikonisiert | 0,045–0,055 | Mineralisch, schwer | ~ Gut, schlechterer λ-Wert |
| PUR-Ortschaum | 0,025–0,030 | Bester λ-Wert, dauerhaft | ~ Teuer, nicht rückbaubar |
| Zellulose | 0,040 | Nimmt Feuchte auf | ✗ Nicht zugelassen |
In der Praxis dominieren Mineralwollegranulat und verklebte EPS-Perlen. Wenn Brandschutzanforderungen bestehen – etwa bei Reihenhäusern mit Brandwänden – ist Steinwolle als nicht brennbarer Baustoff die richtige Wahl. Zellulose ist für diesen Einsatzfall ausdrücklich nicht geeignet, weil sie Feuchtigkeit bindet.
Zweischaliges Mauerwerk dämmen: Kosten und Wirtschaftlichkeit
Die Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk ist die günstigste Fassadendämmung, die es gibt. Rechnen Sie mit 25 bis 35 € pro Quadratmeter Wandfläche als typischem Angebotspreis; die Gesamtspanne liegt je nach Dämmstoff und Zugänglichkeit bei 20 bis 50 €.
| Position | Kosten | Bei 150 m² Fassade |
|---|---|---|
| Endoskopische Vorprüfung | 150–400 € pauschal | 150–400 € |
| Kerndämmung (Material und Einbringung) | 25–35 €/m² | 3.750–5.250 € |
| Bohrlöcher verschließen und einfärben | im Preis enthalten | – |
| Fugensanierung vorab (falls nötig) | 15–40 €/m² | 0–6.000 € |
| Ergänzung von Drahtankern (falls nötig) | 8–15 €/Stück | 0–2.500 € |
| Regelfall gesamt | – | 3.900–5.650 € |
Was die Maßnahme einspart
Ein ungedämmtes zweischaliges Mauerwerk hat einen U-Wert von etwa 1,2 bis 1,8 W/(m²·K). Mit einer gefüllten Hohlschicht von 6 cm und einem Dämmstoff mit λ = 0,035 landen Sie bei rund 0,41, mit 8 cm bei 0,33 und mit 11 cm bei 0,26 W/(m²·K). Bei einem Einfamilienhaus mit 150 m² Fassadenfläche entspricht das einer Einsparung von etwa 5.000 bis 8.000 Kilowattstunden im Jahr.
Bei einem Gaspreis von 11,10 ct/kWh sind das 555 bis 890 € jährlich. Gegen 4.000 bis 5.500 € Investition gerechnet, liegt die Amortisation bei fünf bis neun Jahren – und mit dem Zuschuss darunter. Keine andere Maßnahme an der Gebäudehülle erreicht solche Werte.
Die Spannen beruhen auf aktuellen Handwerkerkalkulationen und Verbraucherportalen. Entscheidend für Ihr Angebot sind Hohlraumbreite, Dämmstoffwahl, Zugänglichkeit der Fassade und der Zustand von Fugen und Ankern. Für eine belastbare Zahl brauchen Sie die endoskopische Prüfung vor Ort.
- Leerer Hohlraum
- Ausgangszustand
- Häufigster Fall
- λ = 0,035
- Gute Ausgangslage
- λ = 0,035
- Seltener Idealfall
- Nahe Neubaustandard
Der U-Wert im GModG: eine Sonderregel hilft weiter
Wenn Sie eine Außenwand energetisch ändern, verlangt das Gebäudemodernisierungsgesetz – seit dem 29. Juli 2026 Nachfolger des GEG – einen U-Wert von höchstens 0,24 W/(m²·K), und die BAFA-Förderung setzt bei Außenwänden 0,20 W/(m²·K) voraus. Beides erreicht eine Kerndämmung mit 6 oder 8 cm Hohlraum nicht.
Die Ausnahme für begrenzte Dämmschichtdicken
Genau dafür gibt es eine Ausnahme. Ist die Dämmschichtdicke aus technischen Gründen begrenzt, gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die höchstmögliche Dämmschichtdicke mit einem Dämmstoff der Wärmeleitfähigkeit λ = 0,035 W/(m·K) eingebaut wird. Bei Einblasdämmung in Hohlräume darf sogar λ = 0,045 W/(m·K) verwendet werden. Ein vollständig gefüllter Hohlraum erfüllt damit die gesetzliche Anforderung, auch wenn der berechnete U-Wert über 0,24 liegt.
Die Regel greift nicht automatisch. Der Energieeffizienz-Experte muss im Förderantrag dokumentieren, dass die Dämmschichtdicke bauteilbedingt begrenzt ist und die maximal mögliche Dicke eingebracht wird. Fehlt diese Begründung, wird der Antrag mit Verweis auf den nicht erreichten U-Wert abgelehnt – ein Fehler, der uns in der Praxis regelmäßig begegnet.
Förderung 2026
Die Kerndämmung ist eine BEG-Einzelmaßnahme an der Gebäudehülle und wird über das BAFA bezuschusst. Seit dem 21. Juli 2026 beträgt die Grundförderung 15 % der förderfähigen Kosten – viele Ratgeberseiten nennen hier noch 20 %. Die maximal förderfähigen Kosten liegen bei 30.000 € je Wohneinheit und Jahr.
Was das für ein Einfamilienhaus bedeutet
Bei einer Kerndämmung für 5.000 € bedeutet das 750 € Zuschuss. Der iSFP-Bonus von 5 Prozentpunkten greift erst ab 30.000 € Investitionsvolumen und nur auf den Betrag darüber – bei einer einzelnen Kerndämmung also nicht. Interessanter ist häufig der Steuerbonus nach § 35c EStG mit 20 % über drei Jahre, der bei selbstgenutzten Häusern ab zehn Jahren gilt und in diesem Kostenbereich mehr bringt. Beide Wege lassen sich für dieselbe Maßnahme nicht kombinieren; welcher besser passt, klären wir vorab in der BAFA-Förderberatung. Eine Übersicht aller Programme finden Sie unter Förderung für Dämmung.
Schallschutz und Feuchteschutz im zweischaligen Mauerwerk
Zwei Nebeneffekte werden häufig gefragt. Beim Schallschutz ist zweischaliges Mauerwerk ohnehin überlegen, weil zwei entkoppelte Massen den Schall schlechter übertragen als eine. Eine Kerndämmung mit Mineralwolle verbessert das noch, weil der faserige Dämmstoff im Hohlraum Schall absorbiert statt ihn zu übertragen – bei EPS-Perlen ist der Effekt geringer. Mehr zu diesem Thema in unserem Beitrag zur Schalldämmung von Wänden.
Feuchteschutz nach dem Füllen der Hohlschicht
Beim Feuchteschutz ändert sich die Logik. Vorher trocknete eindringendes Wasser über die belüftete Luftschicht ab, nachher übernimmt das der hydrophobe Dämmstoff, an dem das Wasser abläuft und über die Sperrschicht im Sockel nach außen geführt wird. Das funktioniert – setzt aber intakte Fugen und eine funktionierende Sockelabdichtung voraus. Deshalb stehen diese beiden Punkte auf der Prüfliste ganz oben. Wo im Bauteil kritische Temperaturen auftreten, lässt sich über den Taupunkt berechnen.
Fazit: Der beste Sanierungsfall, den ein Altbau haben kann
Wenn Ihr Haus ein zweischaliges Mauerwerk mit leerem Hohlraum hat, sitzen Sie auf der wirtschaftlichsten Einzelmaßnahme der energetischen Sanierung. 25 bis 35 € pro Quadratmeter, ein bis zwei Tage Bauzeit, keine sichtbare Veränderung der Fassade, Amortisation in fünf bis neun Jahren – diese Kombination bietet kein anderes Bauteil.
Entscheidend ist die Vorprüfung. Hohlraumbreite, Feuchtezustand, Mörtelbrücken, Drahtanker, Sockelabdichtung und Fugenzustand gehören endoskopisch geklärt, bevor der erste Sack Dämmstoff auf die Baustelle kommt. Und für die Förderung brauchen Sie die Begründung, dass die Dämmschichtdicke bauteilbedingt begrenzt ist – ohne diesen Satz im Antrag scheitert die Bewilligung am rechnerischen U-Wert.
Weiterführende Artikel: Einblasdämmung: Kosten und Materialvergleich, Altbau-Fassade dämmen und Wärmebrücken berechnen und vermeiden.
Häufige Fragen zu zweischaligem Mauerwerk
An vier Merkmalen: einer Wandstärke von 30 bis 38 cm, gemessen in der Fensteröffnung, an auffällig tiefen Fensterlaibungen, an offenen Stoßfugen in den ersten Klinkerreihen über dem Sockel und am Baujahr zwischen 1950 und 1980. Die offenen Stoßfugen sind der eindeutigste Beleg – sie dienen der Belüftung des Hohlraums und gibt es nur bei zweischaligem Aufbau.
Typische Angebote liegen bei 25 bis 35 € pro Quadratmeter Wandfläche, die Gesamtspanne bei 20 bis 50 € je nach Dämmstoff und Zugänglichkeit. Bei 150 m² Fassade sind das 3.750 bis 5.250 €, zuzüglich 150 bis 400 € für die endoskopische Vorprüfung. Fugensanierung oder Ankerergänzung kommen nur hinzu, wenn der Bestand es erfordert.
Unter 3 cm lässt sich der Raum nicht zuverlässig füllen, ab 4 cm wird die Maßnahme wirtschaftlich, ab 6 cm richtig lohnend. Nach Norm darf der gesamte Schalenabstand höchstens 15 cm betragen, in Altbauten finden Sie meist 5 bis 8 cm. Die genaue Breite ermittelt eine endoskopische Prüfung durch eine Probebohrung.
Nur Dämmstoffe mit dem Anwendungstyp WZ nach DIN 4108-10. In der Praxis sind das Mineralwollegranulat aus Stein- oder Glaswolle, verklebte EPS-Perlen, silikonisiertes Perlite und PUR-Ortschaum. Alle müssen hydrophob und setzungsfrei sein. Zellulose ist ausdrücklich nicht geeignet, weil sie Feuchtigkeit bindet.
Rechnerisch meist nicht – ein 6 cm gefüllter Hohlraum kommt auf etwa 0,41 W/(m²·K), gefordert sind 0,24. Es gilt aber eine Ausnahme: Ist die Dämmschichtdicke technisch begrenzt, gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die maximal mögliche Dicke mit λ = 0,035 eingebaut wird; bei Einblasdämmung in Hohlräume genügt λ = 0,045. Diese Begründung muss im Antrag dokumentiert sein.
Bei intakter Fassade nicht. Der hydrophobe Dämmstoff nimmt kein Wasser auf; eindringende Feuchte läuft an ihm ab und wird über die Sperrschicht im Sockel nach außen geführt. Problematisch wird es nur bei offenen oder gerissenen Fugen, frostgeschädigtem Klinker oder fehlender Sockelabdichtung. Deshalb gehören diese Punkte in die Vorprüfung.
Bei einem Einfamilienhaus ein bis zwei Arbeitstage. Gebohrt wird im Raster von etwa einem Meter mit 18 bis 22 mm Durchmesser, danach wird der Dämmstoff eingeblasen und die Bohrlöcher werden fugenfarbig verschlossen. Ein Vollgerüst ist meist nicht nötig, Sie können während der Arbeiten im Haus bleiben.
Das BAFA zahlt seit dem 21. Juli 2026 einen Zuschuss von 15 % der förderfähigen Kosten, bei 5.000 € Maßnahmenkosten also 750 €. Der iSFP-Bonus greift erst ab 30.000 € Investition. Bei kleineren Maßnahmen ist der Steuerbonus nach § 35c EStG mit 20 % über drei Jahre oft die bessere Wahl – kombinieren lassen sich beide nicht.
Einblasdämmung ist das Verfahren, Kerndämmung der Anwendungsfall. Eingeblasen wird Dämmstoff in ganz verschiedene Hohlräume – in Dachschrägen, oberste Geschossdecken oder Holzständerwände. Kerndämmung bezeichnet speziell die Füllung der Hohlschicht in zweischaligem Mauerwerk, und dafür sind nur Dämmstoffe des Anwendungstyps WZ zugelassen.

