Ein Flachdach hat keine Reserve. Beim Steildach läuft Wasser auch dann noch ab, wenn eine Ziegelreihe verrutscht ist – beim Flachdach entscheidet allein die Abdichtung darüber, ob das Gebäude trocken bleibt. Wer sein Flachdach abdichten will, hat deshalb zwei Fragen zu klären: welches System zum Dachaufbau passt und ob die Ausführungsdetails stimmen. Denn die meisten Schäden entstehen nicht in der Fläche, sondern an Anschlüssen, Durchdringungen und Dachrändern. Wir zeigen Ihnen, was die Materialien kosten, welche Maße gelten und was sich 2026 im Regelwerk geändert hat.
- Ein Flachdach abzudichten kostet je nach System etwa 25 bis 80 Euro pro Quadratmeter, mit neuer Dämmung 80 bis 200 Euro.
- Bitumen hält 20 bis 30 Jahre, EPDM 25 bis 40, Flüssigkunststoff 15 bis 25 Jahre.
- Die neue Flachdachrichtlinie des ZVDH gilt seit Anfang 2026 und ersetzt die Fassung von 2020.
- Ohne geplantes Gefälle von 2 Prozent greifen bei der Materialwahl die strengeren Regeln der Anwendungsklasse K2.
- Wandanschlüsse gehören 15 Zentimeter hoch, der Dachrand mindestens 10 Zentimeter – daran scheitern die meisten Dächer.
- Mit neuer Dämmung sind seit dem 21. Juli 2026 noch 15 Prozent Zuschuss drin, plus iSFP-Bonus unter engeren Bedingungen.
Kostenlose Beratung zur Dachabdichtung anfragen Zur BAFA-Förderung
Warum ein Flachdach zwingend abgedichtet werden muss
Ein Flachdach abzudichten ist keine Kür, sondern Grundvoraussetzung: Ein flach geneigtes Dach leitet Wasser nicht ab, es lässt es abfließen – und das nur langsam. Regen, Tauwasser und Schmelzwasser stehen deshalb länger auf der Fläche und finden jede Schwachstelle. Eine intakte Abdichtung ist die einzige Schicht, die das Wasser sicher zurückhält.
Dringt Feuchtigkeit einmal in die Dämmung ein, verliert sie ihre Wirkung dauerhaft und trocknet unter der Abdichtung nicht mehr aus. Danach folgen Wärmebrücken, Schimmel und im Holzbau die Schädigung der Tragkonstruktion. Deshalb ist eine frühzeitige Reparatur fast immer günstiger als das Abwarten.
Wo Schäden wirklich entstehen
In der Fläche halten moderne Bahnen jahrzehntelang. Kritisch sind die Übergänge: der Anschluss an aufgehende Wände, die Durchdringung für Lüftungsrohre oder Lichtkuppeln, der Dachrand und die Abläufe. Wenn Sie einen feuchten Fleck an der Decke sehen, liegt die Ursache selten direkt darüber – Wasser läuft auf der Dampfsperre oft mehrere Meter weit. Eine professionelle Leckortung grenzt die Stelle ein, bevor irgendetwas geöffnet wird.
Das Regelwerk: DIN 18531 und die neue Flachdachrichtlinie
Wer ein Flachdach abdichten lässt, bewegt sich zwischen zwei Regelwerken. Die DIN 18531 regelt die Abdichtung von Dächern, Balkonen, Loggien und Laubengängen. Ergänzend gibt der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) die Flachdachrichtlinie heraus, die als Fachregel den Stand der Technik im Handwerk beschreibt.
Was 2026 neu ist
Die Flachdachrichtlinie liegt seit Anfang 2026 in einer neuen Fassung vor. Sie ersetzt die Ausgabe von 2020 samt Gelbdruck von 2023 und ist auf die überarbeitete DIN 18531 abgestimmt. Für Bauherren sind vor allem drei Punkte relevant: Barrierefreie Übergänge an Terrassen und Balkonen sind erstmals als Standardkonstruktion beschrieben, die frühere Planungshilfe ist also in die Fachregel eingeflossen. Die lineare Befestigung zur Aufnahme waagerechter Kräfte wurde von drei auf vier Befestiger erhöht. Und schwerer Oberflächenschutz darf jetzt auch aus gebrochenem Material bestehen.
Praktisch heißt das: Angebote, die noch auf der alten Fassung beruhen, können in Details vom heutigen Stand abweichen. Fragen Sie im Zweifel nach, auf welche Ausgabe sich der Betrieb bezieht.
Die DIN 18531 formuliert vieles als Empfehlung („soll”), die Flachdachrichtlinie des ZVDH dagegen als verbindliche Fachregel für das Handwerk. Weicht ein Betrieb davon ab, muss das im Vertrag ausdrücklich vereinbart sein – sonst haftet er im Schadensfall.
Gefälle: warum an 2 Prozent alles hängt
Ein Flachdach ist nie ganz flach. Die Abdichtungsschicht soll ein Gefälle von mindestens 2 Prozent bekommen, damit Wasser zu den Abläufen findet. Das entspricht etwa 2 Zentimetern Höhenunterschied pro Meter – wenig, aber entscheidend.
Die Folge für die Materialwahl
Die DIN 18531 unterscheidet zwei Anwendungsklassen. Klasse K1 gilt für übliche Anforderungen, Klasse K2 für erhöhte Beanspruchung oder schwer zugängliche Dächer, die weniger Wartung vertragen. Ein geplantes Gefälle von 2 Prozent ist die Voraussetzung dafür, dass Ihr Dach überhaupt in K1 fällt. Wird das Gefälle nicht geplant, gelten für die Materialwahl automatisch die höheren Anforderungen der Klasse K2 – die Abdichtung wird also dicker, hochwertiger und teurer.
Erreichen lässt sich das Gefälle über eine Gefälledämmung, über keilförmige Dämmplatten oder bei Neubauten über die Tragkonstruktion selbst. Wichtig ist außerdem, dass die Abläufe an den tiefsten Punkten sitzen. Wie Haupt- und Notentwässerung zusammenspielen müssen, haben wir im Beitrag zur Entwässerung beim Flachdach aufgeschlüsselt.
Womit Sie ein Flachdach abdichten können
Vier Systeme teilen den Markt unter sich auf. Sie unterscheiden sich in Preis, Lebensdauer und vor allem darin, wie gut sie mit komplizierten Details zurechtkommen.
| System | Material | Verlegung | Lebensdauer | Stärke |
|---|---|---|---|---|
| Bitumenschweißbahn | ca. 2–13 €/m² | ca. 20–40 €/m² | 20–30 Jahre | ✓ Günstig, bewährt |
| Kunststoffbahn (PVC, FPO) | ca. 5–25 €/m² | ca. 20–40 €/m² | 25–40 Jahre | ✓ Leicht, ohne Flamme |
| EPDM-Folie | ca. 10–40 €/m² | ca. 25–50 €/m² | 25–40 Jahre | ✓ Sehr langlebig |
| Flüssigkunststoff | ca. 20–40 €/m² | ca. 20–40 €/m² | 15–25 Jahre | ✓ Nahtlos an Details |
Bitumen: der Klassiker
Polymerbitumenbahnen werden zweilagig verschweißt und sind das am längsten erprobte System. Sie sind robust gegen mechanische Belastung und vergleichsweise günstig. Nachteile: Das Arbeiten mit dem Gasbrenner bringt Brandgefahr mit sich, das Gewicht ist höher, und nach 20 bis 30 Jahren steht die Erneuerung an. Selbstklebende Kaltbahnen umgehen die offene Flamme, kosten mit 15 bis 20 Euro je Quadratmeter aber deutlich mehr im Material.
EPDM und Kunststoffbahnen
EPDM ist ein synthetischer Kautschuk und lässt sich in großen Bahnen mit wenigen Nähten verlegen. Bei fachgerechter Ausführung sind Standzeiten von 40 Jahren und mehr realistisch. Kunststoffbahnen aus PVC oder FPO werden mit Heißluft verschweißt, sind leichter und brauchen keine offene Flamme. Eine Übersicht der Werkstoffe und ihrer Einsatzbereiche finden Sie in unserem Beitrag zu Abdichtungsmaterialien.
Flüssigkunststoff für die schwierigen Stellen
Flüssigkunststoff auf PMMA-Basis wird mit Armierungsvlies aufgetragen und härtet nahtlos aus. Genau das ist sein Vorteil: An Rohrdurchführungen, Lichtkuppeln und Innenecken entstehen keine Nähte, die aufgehen könnten. Deshalb kombinieren viele Betriebe Bahnen in der Fläche mit Flüssigkunststoff an den Anschlüssen. Als alleinige Lösung ist er wirtschaftlich vor allem auf kleinen, stark gegliederten Dächern.
- Günstigstes System
- Zweilagig verschweißt
- Offene Flamme nötig
- Heißluft statt Flamme
- Leicht, schnell verlegt
- PVC oder FPO
- Große Bahnen, wenig Nähte
- Sehr UV-beständig
- Höchste Standzeit
- Nahtlos an Details
- Ideal für Anschlüsse
- Schichtdicke entscheidet
Welches Material passt zu welchem Dach?
Die Entscheidung hängt weniger vom Geschmack ab als von drei nüchternen Faktoren: Dachgröße, Anzahl der Durchdringungen und der Frage, ob die alte Abdichtung bleiben soll.
Nach Größe und Gliederung
Auf kleinen Garagendächern unter 50 Quadratmetern bleibt Bitumen wirtschaftlich, solange Sie mit einer Erneuerung nach 20 bis 25 Jahren rechnen. Bei 50 bis 200 Quadratmetern mit vielen Durchdringungen spielt Flüssigkunststoff seine Stärke aus, weil er sich jeder Kontur anpasst. Ab etwa 200 Quadratmetern rechnet sich EPDM über die Nutzungsdauer am besten – hohe Anfangskosten, dafür kaum Wartung und die längste Standzeit.
Nach Nutzung des Dachs
Soll das Dach begehbar sein, eine Terrasse tragen oder später eine Solaranlage aufnehmen, brauchen Sie zusätzlich eine Schutzlage. Bei Photovoltaik gilt ein Mindestabstand von 0,50 Metern zwischen Modulreihen und Durchdringungen, damit Wartungsarbeiten möglich bleiben. Wer beides zusammen plant, spart sich einen zweiten Aufbau – wir stimmen die Photovoltaik-Planung deshalb gern direkt mit der Abdichtung ab.
Die Maße, an denen die meisten Flachdächer scheitern
Fast alle Schäden lassen sich auf eine Handvoll unterschrittener Maße zurückführen. Damit Sie ein Angebot oder eine fertige Baustelle selbst prüfen können, haben wir die wichtigsten Werte zusammengestellt.
| Detail | Anforderung | Was sonst passiert |
|---|---|---|
| Gefälle der Abdichtung | mind. 2 % | Stehendes Wasser, Klasse K2 wird Pflicht |
| Anschluss an aufgehende Wand | 15 cm über Belag (bis 5° Neigung) | Rückstauendes Wasser läuft hinter die Abdichtung |
| Türanschluss (Terrasse) | 15 cm, oder 5 cm mit Rinne über die volle Türbreite | Wasser läuft in den Wohnraum |
| Dachrandhöhe | mind. 10 cm (bis 5° Neigung) | Wasser läuft über die Kante an die Fassade |
| Abstand zu Durchdringungen | 30 cm bei Bahnen, 10 cm bei flüssiger Abdichtung | Naht lässt sich nicht sauber schließen |
| Abstand zur Solaranlage | mind. 0,50 m | Keine Wartung möglich, Dämmung überhitzt |
| Befestiger zur Bahnenkante | mind. 10 mm Abstand | Bahn reißt bei Windsog aus |
In unseren Projekten in Stuttgart und ganz Deutschland ist die zu niedrige Anschlusshöhe der mit Abstand häufigste Mangel – oft, weil bei einer späteren Aufdopplung die Dämmung dicker wurde und der Anschluss unverändert blieb. Messen Sie ab Oberkante Belag, nicht ab Oberkante Abdichtung.
Was es kostet, ein Flachdach abzudichten
Ein Flachdach abzudichten kostet auf tragfähigem Untergrund etwa 25 bis 80 Euro pro Quadratmeter, je nach System und Zugänglichkeit. Kommt eine neue Dämmung dazu, bewegen Sie sich bei 80 bis 200 Euro; eine Vollsanierung mit Rückbau des alten Aufbaus liegt bei 120 bis 240 Euro pro Quadratmeter.
Die Posten neben dem Quadratmeterpreis
Unterschätzt werden meist die Nebenpositionen. Die Untergrundvorbereitung schlägt mit 5 bis 15 Euro je Quadratmeter zu Buche, Dachrandprofile mit 8 bis 20 Euro je laufendem Meter. Für Anschlussdetails an Lichtkuppeln oder Schornsteinen rechnen Sie 100 bis 400 Euro je Detail. Ein Dachgully kostet ab 35 Euro, eine Entwässerungsrinne ab 50 Euro je Meter. Dazu kommen Gerüst, Container und Entsorgung.
| Maßnahme | Typische Kosten | Wann sinnvoll |
|---|---|---|
| Punktuelle Reparatur | ca. 300–1.000 € | Einzelnes Leck, Abdichtung sonst intakt |
| Teilsanierung | ca. 1.500–4.000 € | Ein Dachbereich oder alle Anschlüsse |
| Neue Abdichtung auf Bestand | ca. 25–80 €/m² | Dämmung trocken, Aufbauhöhe reicht |
| Abdichtung plus Dämmung | ca. 80–200 €/m² | Energetische Verbesserung gewünscht |
| Vollsanierung mit Rückbau | ca. 120–240 €/m² | Dämmung durchfeuchtet, Aufbau am Ende |
Die Spannen stammen aus Marktangaben deutscher Handwerks- und Verbraucherportale. Zugänglichkeit, Dachgröße, Anzahl der Durchdringungen und regionale Handwerkerpreise verändern das Ergebnis deutlich. Ein belastbarer Preis entsteht erst nach einer Begehung mit Bauteilöffnung.
Reparatur, Aufdopplung oder Vollsanierung?
Wer ein Flachdach abdichten will, hat drei Wege zur Wahl – und die teuerste Variante ist nicht automatisch die richtige. Entscheidend ist der Zustand der Dämmung unter der alten Abdichtung – und den sehen Sie erst nach einer Bauteilöffnung oder einer Feuchtemessung.
Wann die alte Abdichtung bleiben darf
Ist die Dämmung nachweislich trocken, die Dampfsperre intakt und die Statik ausreichend, können Sie die neue Abdichtung auf dem Bestand aufbauen. Das spart Rückbau und Entsorgung. Voraussetzung ist außerdem, dass die Anschlusshöhen den zusätzlichen Aufbau noch hergeben – sonst reißen Sie sich das nächste Problem ein.
Wann alles runter muss
Durchnässte Dämmung trocknet unter einer neuen Abdichtung nicht mehr aus. Sobald die Feuchtemessung Wasser in der Dämmschicht zeigt, muss der Aufbau bis zur Tragschicht zurück. Gleiches gilt bei mehrfach geflickten Dächern mit unbekanntem Schichtaufbau. Welche Dämmstoffe im neuen Aufbau infrage kommen, zeigen wir am Beispiel Steinwolle als Dämmstoff.
- Einzelnes Leck
- Dämmung trocken
- Abdichtung sonst intakt
- Neue Lage auf Bestand
- Anschlusshöhe muss reichen
- Kein Rückbau nötig
- Dämmung durchfeuchtet
- Rückbau bis Tragschicht
- Förderfähig mit Dämmung
Flachdach abdichten: Ablauf in sechs Schritten
Reihenfolge schlägt Tempo. Wer den Untergrund nicht kennt, kalkuliert ins Blaue – und zahlt am Ende Nachträge.
- Zustand prüfen: Sichtprüfung, Feuchtemessung in der Dämmschicht und mindestens eine Bauteilöffnung zeigen den Schichtaufbau und den tatsächlichen Zustand.
- System festlegen: Aus Dachgröße, Anzahl der Durchdringungen, Nutzung und Aufbauhöhe ergibt sich, welches Material passt und ob eine Gefälledämmung nötig ist.
- Förderung klären: Wenn die Dämmung mit erneuert wird, gehört der Antrag vor die Auftragsvergabe – rückwirkend geht nichts.
- Untergrund vorbereiten: Alte Beschichtungen entfernen, Blasen aufschneiden, Untergrund trocknen und grundieren. Dieser Schritt entscheidet über die Haftung.
- Fläche und Details abdichten: Bahnen überlappend verlegen und verschweißen, Anschlüsse hochziehen, Durchdringungen sauber einbinden, Dachrand ausbilden.
- Abnahme und Dokumentation: Dichtheitsprüfung, Fotodokumentation der Details und Systemunterlagen sichern Ihnen die Gewährleistung.
Förderung 2026: was noch geht
Ein Flachdach abzudichten ist für sich genommen keine förderfähige Maßnahme. Sobald Sie aber die Dämmung mit erneuern, wird die Dachsanierung zur förderfähigen Einzelmaßnahme der Bundesförderung für effiziente Gebäude.
Die Sätze seit dem 21. Juli 2026
Die Grundförderung liegt bei 15 Prozent der förderfähigen Kosten. Der Bonus für den individuellen Sanierungsfahrplan von 5 Prozent wird seit der Änderung nur noch ab einem förderfähigen Investitionsvolumen über 30.000 Euro gezahlt – und auch dann nur auf den Anteil oberhalb dieser Grenze. Die Höchstgrenze liegt in der Regel bei 30.000 Euro je Wohneinheit, mit Sanierungsfahrplan bei 60.000 Euro. Technisch verlangt die Förderung beim Dach üblicherweise einen U-Wert von 0,14 W/(m²·K) oder besser, also eine deutlich dickere Dämmung als das gesetzliche Minimum.
Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) lohnt sich damit vor allem bei größeren Vorhaben. Welche Stelle wofür zuständig ist, klären wir im Beitrag BAFA oder KfW 2026; die Schritte zur Antragstellung finden Sie unter BAFA-Antrag stellen.
Wenn die Förderung nicht greift oder der Aufwand zu hoch ist, bleibt der Steuerbonus nach § 35c EStG: 20 Prozent der Kosten über drei Jahre verteilt, bei selbst genutztem Wohneigentum. Beides zusammen geht allerdings nicht – wir haben die Abwägung unter energetische Sanierung steuerlich absetzen beschrieben.
- Unter 2 %
- Klasse K2 wird Pflicht
- Häufigster Mangel
- Wasser läuft dahinter
- Naht nicht schließbar
- Rohre zu dicht am Rand
- Wasser an die Fassade
- Windsog greift an
- Gartenhaus, Carport
- Kleine Ausbesserung
- Kaltselbstklebebahn
- Kein Wohnraum darunter
- Beheizte Räume darunter
- Gasbrenner-Arbeiten
- Dämmung im Aufbau
- Förderung beantragt
Das Flachdach selbst abdichten – wo die Grenze liegt
Darf man ein Flachdach selbst abdichten? Baumärkte sagen „machbar”, Dachdecker sagen „auf keinen Fall. Beides ist zu pauschal. Ein Gartenhaus, ein Carport oder ein kleines Garagendach ohne beheizten Raum darunter lassen sich mit kaltselbstklebenden Bahnen durchaus in Eigenleistung abdichten – das Risiko beschränkt sich auf ein nasses Dach.
Wann Sie die Finger davon lassen
Sobald beheizte Räume unter dem Dach liegen, sieht die Sache anders aus. Dann hängt an der Abdichtung auch die Bauphysik: Dampfsperre, Dämmung und Abdichtung müssen zusammenpassen, sonst entsteht Tauwasser im Aufbau. Arbeiten mit dem Gasbrenner sind zusätzlich ein Brandrisiko, für das Ihre Versicherung im Zweifel nicht aufkommt. Und wer Fördermittel beantragt, braucht ohnehin die Rechnung eines Fachbetriebs. Für Steildächer gelten übrigens andere Regeln – die haben wir im Beitrag Dach abdichten zusammengefasst.
Prüfen Sie im Frühjahr und im Herbst, ob Abläufe frei sind, ob sich Blasen gebildet haben und ob die Anschlüsse noch sauber anliegen. Eine Inspektion durch den Fachbetrieb kostet etwa 150 bis 300 Euro und verlängert die Lebensdauer der Abdichtung spürbar. Wie Sie das Gebäude darüber hinaus vor Nässe schützen, zeigt unser Beitrag zum Regenschutz am Gebäude.
Fazit
Ein Flachdach abzudichten ist keine Materialfrage allein. Das System muss zur Dachgröße und zur Zahl der Durchdringungen passen, das Gefälle muss geplant sein, und die Anschlusshöhen entscheiden am Ende darüber, ob die Fläche jemals nass wird. Rechnen Sie mit 25 bis 80 Euro pro Quadratmeter für die Abdichtung und mit 80 bis 200 Euro, wenn die Dämmung mitkommt – dann greift auch die Förderung von 15 Prozent. Und lassen Sie vor jedem Angebot eine Feuchtemessung machen: Ob die alte Dämmung trocken ist, ist die einzige Frage, die den Preis wirklich bewegt.
Weiterführende Artikel: Entwässerung Flachdach: Systeme und häufige Fehler, Abdichtungsmaterialien im Überblick und Balkonsanierung: Kosten, Ablauf und Förderung.
Häufige Fragen zum Flachdach abdichten
Für die reine Abdichtung auf tragfähigem Untergrund liegen die Richtwerte bei 25 bis 80 Euro pro Quadratmeter, je nach System. Mit neuer Dämmung sind es 80 bis 200 Euro, bei einer Vollsanierung mit Rückbau 120 bis 240 Euro. Hinzu kommen Untergrundvorbereitung, Dachrandprofile, Anschlussdetails, Gerüst und Entsorgung. Ein belastbarer Preis entsteht erst nach einer Begehung.
EPDM erreicht bei fachgerechter Verlegung 25 bis 40 Jahre, in guten Fällen auch deutlich mehr. Kunststoffbahnen aus PVC oder FPO liegen bei 25 bis 40 Jahren, zweilagige Bitumenbahnen bei 20 bis 30 Jahren. Flüssigkunststoff hält je nach Schichtdicke und UV-Belastung 15 bis 25 Jahre. Entscheidend ist aber weniger das Material als die saubere Ausführung der Anschlüsse.
Bei Gartenhaus, Carport oder einer kleinen Garage ohne beheizten Raum darunter ist Eigenleistung mit kaltselbstklebenden Bahnen realistisch. Sobald Wohnräume unter dem Dach liegen, sollten Sie einen Fachbetrieb beauftragen: Dampfsperre, Dämmung und Abdichtung müssen bauphysikalisch zusammenpassen. Arbeiten mit dem Gasbrenner sind zusätzlich versicherungsrelevant, und für Fördermittel brauchen Sie ohnehin eine Fachunternehmererklärung.
Die Abdichtungsschicht soll mit mindestens 2 Prozent Gefälle geplant werden, das entspricht etwa 2 Zentimetern pro Meter. Wird das eingehalten, fällt das Dach in die Anwendungsklasse K1 der DIN 18531. Ohne geplantes Gefälle gelten für die Materialwahl die strengeren Anforderungen der Klasse K2 – die Abdichtung wird also aufwendiger und teurer.
Kleine Pfützen nach Regen sind bei flach geneigten Dächern normal und für die Abdichtung unkritisch. Problematisch wird es, wenn Wasser dauerhaft stehen bleibt: Dann steigt die Belastung an den Nähten, Schmutz und Algen setzen sich fest, und im Winter drückt Eis auf die Bahn. Bleiben Pfützen mehrere Tage nach dem Regen stehen, sollten Sie Gefälle und Abläufe prüfen lassen.
Ja, sofern die vorhandene Dämmung nachweislich trocken ist, die Dampfsperre intakt liegt und die Statik das zusätzliche Gewicht trägt. Zusätzlich müssen die Anschlusshöhen den höheren Aufbau noch hergeben. Ist die Dämmung durchfeuchtet, hilft nur der Rückbau bis zur Tragschicht – feuchte Dämmung trocknet unter einer neuen Abdichtung nicht mehr aus.
Die Abdichtung allein wird nicht gefördert. Erneuern Sie gleichzeitig die Dämmung, ist die Dachsanierung eine förderfähige Einzelmaßnahme: seit dem 21. Juli 2026 mit 15 Prozent Grundförderung. Der iSFP-Bonus von 5 Prozent greift nur noch ab einem förderfähigen Investitionsvolumen über 30.000 Euro und nur auf den Anteil darüber. Alternativ kommt der Steuerbonus nach § 35c EStG infrage.
Zuerst das Wasser im Innenraum auffangen und die betroffene Stelle fotografieren – das brauchen Sie für die Versicherung. Danach die Abläufe kontrollieren, denn verstopfte Gullys sind eine häufige Ursache. Eine provisorische Abdichtung mit Reparaturband hält den Regen kurzfristig ab. Die eigentliche Ursache liegt oft mehrere Meter von der sichtbaren Stelle entfernt und lässt sich nur durch Leckortung eingrenzen.

