Ein Erdkollektor ist die günstigste Art, Erdwärme zu erschließen: keine Bohrgenehmigung, kein geologisches Gutachten, ein Bagger für zwei Tage. Nur braucht er Fläche – und genau hier gehen die Angaben im Netz weit auseinander. „Das 1,5- bis 3-Fache der Wohnfläche” ist keine Auslegung, sondern eine Schätzung mit Faktor zwei Unsicherheit. Wir zeigen Ihnen, wie die Fläche nach VDI 4640 tatsächlich berechnet wird, welche Entzugsleistung Ihr Boden hergibt, welche Abstände einzuhalten sind, was die Anzeige bei der Wasserbehörde bedeutet – und warum ein Ringgrabenkollektor mit einem Drittel der Fläche auskommt.
- Ein Erdkollektor liegt 1,2 bis 1,5 m tief, also mindestens 20 cm unter der örtlichen Frostgrenze, mit 0,3 bis 0,8 m Rohrabstand.
- Die Fläche berechnet sich als Kälteleistung geteilt durch Entzugsleistung. Je nach Boden sind das 10 bis 40 W/m² – ein Faktor vier.
- Für ein Einfamilienhaus mit 10 kW Heizleistung brauchen Sie im feuchten Lehmboden rund 310 m², im trockenen Sand über 600 m².
- Die Erschließung kostet 3.500 bis 8.000 €, die komplette Anlage 20.000 bis 35.000 € – deutlich weniger als mit Erdsonde.
- Statt einer Erlaubnis genügt meist die Anzeige bei der unteren Wasserbehörde, mindestens einen Monat vor Baubeginn.
- Die Kollektorfläche darf nicht versiegelt oder überbaut werden – sie regeneriert über Sonneneinstrahlung und Regenwasser.
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Was ein Erdkollektor ist und wie er funktioniert
Ein Erdkollektor – im Fachjargon auch Flächenkollektor oder Erdwärmekollektor – ist ein Rohrsystem, das flach unter der Erdoberfläche verlegt wird und dort Wärme aufnimmt. Durch die Rohre zirkuliert eine Sole aus Wasser und Frostschutzmittel, die sich im Erdreich um wenige Grad erwärmt und diese Wärme an die Wärmepumpe abgibt.
Entscheidend ist die Wärmequelle: In 1,5 Metern Tiefe liegt die Bodentemperatur im Jahresverlauf zwischen etwa 5 und 15 °C. Anders als bei einer Erdsonde stammt diese Wärme nicht aus dem Erdinneren, sondern zu über 95 % aus Sonneneinstrahlung und Regenwasser der letzten Monate. Der Erdkollektor ist damit im Grunde ein saisonaler Solarkollektor unter Ihrem Rasen.
Diese Herkunft erklärt zwei Eigenschaften. Erstens schwankt die Quellentemperatur über das Jahr deutlich, weshalb die Jahresarbeitszahl mit 4,0 bis 4,5 etwas unter der einer Erdsonde liegt. Zweitens muss die Fläche offen bleiben, damit sie sich im Sommer regenerieren kann. Wie sich die Wärmequellen grundsätzlich unterscheiden, zeigt unser Überblick zu den Wärmepumpen-Arten.
Die vier Bauformen im Vergleich
Erdkollektor ist ein Oberbegriff. In der Praxis gibt es vier Ausführungen, und die Wahl entscheidet über den Flächenbedarf.
| Bauform | Verlegung | Flächenbedarf | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Flächenkollektor | Mäander in 1,2–1,5 m Tiefe | 1,5–3× Wohnfläche | ✓ Klassiker, einfachste Ausführung |
| Grabenkollektor | Mehrere parallele Gräben | ca. 50 % des Flächenkollektors | ✓ Weniger Aushub |
| Ringgrabenkollektor | Ein umlaufender Graben, 1,5–2 m tief | ca. 30–40 % | ✓ Sehr eigenleistungsfreundlich |
| Erdwärmekorb | Kegelförmig, 1–4,5 m tief | 10–20 m² je Korb | ~ Wenig Fläche, mehr Material |
Der Ringgrabenkollektor hat sich in den vergangenen Jahren zum Favoriten entwickelt, weil er den Zielkonflikt entschärft: Er braucht nur etwa ein Drittel der Grundstücksfläche eines klassischen Flächenkollektors, weil das Rohr in einem tieferen Graben spiralförmig auf mehreren Ebenen liegt. Und weil ein einzelner Graben mit dem Minibagger schnell gezogen ist, sinken die Erdarbeiten deutlich – mit erheblicher Eigenleistung sind Erschließungskosten von rund 2.000 € erreichbar.
Wenn nur 60 bis 80 m² Garten zur Verfügung stehen, sind Erdwärmekörbe die einzige Kollektorvariante, die noch funktioniert. Sie kosten pro Kilowatt Entzugsleistung mehr als ein Flächenkollektor, bleiben aber deutlich unter einer Tiefenbohrung – und die Genehmigungslage ist so einfach wie beim Flächenkollektor.
- Mäander in 1,2–1,5 m
- Einfachste Ausführung
- Größter Flächenbedarf
- Parallele Gräben
- Weniger Aushub
- Guter Kompromiss
- Umlaufender Graben
- 1,5–2 m tief
- Ab ca. 2.000 € möglich
- Kegelform, 1–4,5 m tief
- Für kleine Grundstücke
- Mehr Material je kW
Die Fläche richtig berechnen
Fast alle Ratgeber nennen nur die Faustformel: das 1,5- bis 3-Fache der beheizten Wohnfläche. Bei 150 m² Wohnfläche sind das 225 bis 450 m² – eine Spanne, mit der Sie nicht planen können. Die belastbare Rechnung nach VDI 4640 hat zwei Schritte.
Schritt 1: die Kälteleistung ermitteln
Eine Wärmepumpe liefert Heizleistung, entzieht dem Boden aber nur den Anteil, den sie nicht aus Strom bezieht. Die Formel lautet: Kälteleistung gleich Heizleistung mal (COP minus 1) geteilt durch COP. Bei 10 kW Heizleistung und einem COP von 4,5 entzieht die Wärmepumpe dem Erdreich also 10 × 3,5 / 4,5 = 7,8 kW.
Schritt 2: durch die Entzugsleistung teilen
Jetzt kommt der Boden ins Spiel. Die Entzugsleistung gibt an, wie viel Watt ein Quadratmeter Kollektorfläche liefert – und sie hängt fast vollständig vom Wassergehalt des Bodens ab, weil Wasser Wärme viel besser leitet als Luft in den Porenräumen.
| Bodenart | Entzugsleistung | Fläche bei 7,8 kW | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Trockener, nicht bindiger Sand | 10–15 W/m² | 520–780 m² | ✗ Schwierig |
| Bindiger Boden, trocken | 15–20 W/m² | 390–520 m² | ~ Machbar |
| Bindiger Boden, feucht (Lehm, Ton) | 20–30 W/m² | 260–390 m² | ✓ Guter Fall |
| Wassergesättigter Sand oder Kies | 30–40 W/m² | 195–260 m² | ✓ Idealfall |
Der Unterschied ist der Faktor vier – und damit der Grund, warum die Wohnflächen-Faustformel als Auslegung nicht taugt. Ein Haus auf feuchtem Lehm braucht 260 m², dasselbe Haus auf trockenem Sand 780 m². Ohne Kenntnis des Bodens ist jede Flächenangabe geraten.
Woher Sie die Bodenart erfahren
Drei Quellen helfen weiter. Der geologische Dienst Ihres Bundeslandes stellt Bodenkarten meist kostenlos online bereit. Falls für Ihr Haus ein Bodengutachten für die Gründung erstellt wurde, steht die Bodenart dort drin. Und die zuverlässigste Methode ist ein Schurf mit dem Minibagger: 1,5 m tief graben, Bodenprobe entnehmen, ansehen. Ein feuchter Lehm lässt sich in der Hand ausrollen, trockener Sand rieselt.
- 520–780 m² nötig
- Oft nicht realisierbar
- Sonde prüfen
- 390–520 m² nötig
- Großes Grundstück
- Machbar
- 260–390 m² nötig
- Häufigster guter Fall
- Solide Auslegung
- 195–260 m² nötig
- Idealfall
- Kleinstes Grundstück reicht
Erdkollektor verlegen: Tiefe, Abstände und Kreislängen
Die sechs Ausführungsregeln
Die Ausführungsregeln stehen in der VDI 4640 Blatt 2 und im Informationsblatt Nr. 43 des BDH. Sie sind überschaubar, aber jede Abweichung kostet Effizienz.
- Verlegetiefe 1,2 bis 1,5 m: mindestens 20 cm unter der örtlichen Frostgrenze, die in Deutschland bei 50 bis 70 cm liegt. Tiefer als 1,5 m bringt kaum mehr, weil die solare Regeneration abnimmt.
- Rohrabstand 0,3 bis 0,8 m: Bei DN 32 gilt 0,8 m als Richtwert, bei dünneren Rohren entsprechend weniger. Zu enge Abstände lassen die Rohre sich gegenseitig „auskühlen”.
- Kreislänge maximal 100 m: Längere Kreise erzeugen zu hohen Druckverlust. Alle Kreise sollten gleich lang sein, sonst verteilt sich die Sole ungleichmäßig.
- Verteiler frostfrei setzen: Der Soleverteiler mit Absperrventilen und Durchflussanzeigern gehört in den Keller oder einen frostfreien Schacht, damit sich einzelne Kreise abgleichen lassen.
- Sandbett und Verfüllung: Die Rohre werden in ein Sandbett gelegt und mit dem Aushub überdeckt. Steine direkt am Rohr sind der häufigste Grund für Undichtigkeiten nach Jahren.
- Druckprobe vor dem Verfüllen: Jeder Kreis wird einzeln abgedrückt und protokolliert. Danach kommt kein Bagger mehr an das Rohr heran.
Die Abstände, die eingehalten werden müssen
Vier Abstände sind praxisrelevant. Zur Grundstücksgrenze mindestens 1 m, zu Gebäuden und Fundamenten 1,5 bis 2 m – sonst kühlt der Kollektor die Bodenplatte aus. Zu Wasser- und Abwasserleitungen ebenfalls rund 1,5 m, weil eine Trinkwasserleitung neben einem Kollektorrohr einfrieren kann. Und zu Bäumen 2 m oder mehr, weil Wurzeln die Rohre langfristig verdrängen.
Der häufigste und teuerste Auslegungsfehler. Ist die Kollektorfläche zu klein, kühlt die Wärmepumpe den Boden über die Heizperiode so weit ab, dass er bis in den Sommer gefroren bleibt. Die Soletemperatur sinkt, die Jahresarbeitszahl bricht um 15 bis 25 % ein – und im nächsten Winter startet die Anlage schon aus einem kälteren Boden. Nachbessern heißt: Garten erneut aufgraben.
Warum die Fläche offen bleiben muss
Diesen Punkt erklären die meisten Ratgeber als Regel, ohne den Grund zu nennen – und deshalb wird er in der Praxis ignoriert. Ein Erdkollektor entzieht dem Boden über den Winter Wärme, die im Sommer nachgeliefert werden muss. Diese Nachlieferung kommt aus zwei Quellen: aus der Sonneneinstrahlung, die die Bodenoberfläche erwärmt, und aus Regenwasser, das versickert und Wärme nach unten transportiert.
Wird die Fläche versiegelt, fallen beide Quellen weg. Eine Terrasse, ein Carport oder ein Gartenhaus über dem Kollektor verhindert die Regeneration, und die Anlage verliert Jahr für Jahr Leistung. Deshalb gilt: Rasen, Beete und flach wurzelnde Bepflanzung sind in Ordnung, alles Dichte nicht.
Ein zweiter Nebeneffekt ist im Frühjahr zu sehen: Über der Kollektorfläche schmilzt der Schnee später und die Vegetation kommt ein bis zwei Wochen verzögert. Das ist normal und kein Zeichen für einen Fehler – bei starker Ausprägung aber ein Hinweis darauf, dass die Fläche knapp bemessen ist.
Erdkollektor in Eigenleistung: was realistisch ist
Kaum eine Wärmepumpenkomponente lässt sich so gut selbst beisteuern wie der Erdkollektor. Weil keine Bohrgenehmigung nötig ist und die Arbeiten handwerklich überschaubar sind, senken viele Bauherren die Erschließungskosten damit auf ein Drittel. Wichtig ist die klare Trennung zwischen dem, was Sie machen dürfen, und dem, was der Fachbetrieb verantwortet.
Was Sie selbst übernehmen können
Den Aushub mit einem gemieteten Minibagger, das Auslegen der Rohre nach Verlegeplan, das Sandbett, das Verfüllen und die Wiederherstellung des Gartens. Ein Minibagger kostet 150 bis 250 € am Tag, für einen Ringgrabenkollektor brauchen Sie ihn zwei bis drei Tage. Rechnen Sie zusätzlich eine Containerlösung ein, wenn Überschussaushub nicht auf dem Grundstück bleiben kann.
Was beim Fachbetrieb bleiben muss
Die Auslegung nach VDI 4640, der Verlegeplan mit Kreislängen und Rohrabständen, das Verschweißen oder Verpressen der Übergänge, die Druckprobe mit Protokoll, das Füllen und Entlüften der Soleanlage und der Anschluss an die Wärmepumpe. Diese Punkte hängen an der Gewährleistung – und an der Förderfähigkeit.
Die KfW bezuschusst nur Kosten, die durch ein Fachunternehmen in Rechnung gestellt werden. Materialkosten, die Sie selbst einkaufen, und Ihre Arbeitszeit zählen nicht. Rechnen Sie beide Wege gegen: Bei 46 % Förderquote kann eine vollständig vergebene Erschließung für 6.000 € netto günstiger ausfallen als eine Eigenleistung für 2.500 €, weil vom Fremdanteil rund 2.760 € zurückkommen.
Der Bestandsgarten ist die eigentliche Hürde
Im Neubau liegt der Kollektor ohnehin im Rohbaugelände, bevor der Garten angelegt wird. Im Bestand sieht es anders aus: Rasen, Beete, Wege, Terrasse, Zaunfundamente und gewachsene Bäume müssen dem Bagger weichen oder ihn umleiten. Kalkulieren Sie deshalb die Wiederherstellung mit ein – Rollrasen liegt bei 8 bis 15 € pro Quadratmeter, neue Bepflanzung deutlich darüber. Wer den Kollektor mit einem ohnehin geplanten Gartenumbau verbindet, spart diesen Posten weitgehend.
Genehmigung: Anzeige statt Erlaubnis
Hier liegt der große Vorteil gegenüber der Erdsonde. Eine Tiefenbohrung braucht eine wasserrechtliche Erlaubnis und – abhängig von der Tiefe – eine bergrechtliche Anzeige, dazu häufig ein geologisches Gutachten für 500 bis 1.500 €.
Für einen Erdkollektor genügt in den meisten Bundesländern die Anzeige bei der unteren Wasserbehörde nach § 49 Wasserhaushaltsgesetz, weil es sich um eine Erdarbeit ohne Grundwasserberührung handelt. Eingereicht werden Lageplan, Systembeschreibung, Angaben zum Wärmeträgermedium und die geplante Tiefe. Die Anzeige muss mindestens einen Monat vor Baubeginn vorliegen.
Zwei Einschränkungen gibt es. In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II sind Erdwärmeanlagen in der Regel unzulässig, in Zone III nur mit Einzelfallprüfung. Und die Anforderungen der AwSV an das Wärmeträgermedium sind einzuhalten – deshalb wird heute überwiegend Propylenglykol statt des giftigeren Ethylenglykols verwendet, meist als 25- bis 30-prozentige Mischung mit Frostschutz bis etwa −14 °C.
Die Zuständigkeit und die Anforderungen unterscheiden sich von Landkreis zu Landkreis, teilweise gibt es Formulare online, teilweise nur ein Merkblatt. Ein Anruf bei der unteren Wasserbehörde vor der Planung dauert zehn Minuten und verhindert, dass Sie den Aushub wieder zuschütten müssen. Bei Grundstücken in Wasserschutzgebieten klären Sie das unbedingt zuerst.
Erdkollektor Kosten im Detail
Erschließung und Gesamtanlage
Die Erschließung ist der Teil, der sich zwischen Kollektor und Sonde unterscheidet. Alles danach – Wärmepumpe, Speicher, Hydraulik, Regelung – ist bei beiden Systemen gleich.
| Position | Kosten |
|---|---|
| Kollektorrohr PE, Verteiler, Sole | 1.200–2.500 € |
| Erdarbeiten Flächenkollektor | 15–25 €/m² |
| Erdarbeiten Ringgrabenkollektor | 1.500–3.500 € pauschal |
| Druckprobe, Anschluss, Inbetriebnahme | 500–1.000 € |
| Erschließung gesamt | 3.500–8.000 € |
| Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Speicher und Montage | 16.000–27.000 € |
| Komplette Anlage | 20.000–35.000 € |
Zum Vergleich: Dieselbe Anlage mit Erdwärmesonde liegt bei 28.000 bis 50.000 €, weil die Bohrung mit 40 bis 60 € pro Meter im weichen Boden und 80 bis 120 € im Fels zu Buche schlägt, plus Gutachten und Genehmigungsverfahren. Der Erdkollektor spart also 6.000 bis 15.000 € – wenn die Fläche vorhanden ist. Weitere Kostenaspekte finden Sie in unserem Beitrag zur Erdwärmepumpe.
Die Spannen beruhen auf aktuellen Handwerkerkalkulationen und Verbraucherportalen in Deutschland. Bodenklasse, Zugänglichkeit für den Bagger, Entsorgung von Überschussaushub, regionale Preisniveaus und die Wärmepumpenleistung verschieben den Preis erheblich. Bei schwer zugänglichen Grundstücken und Bodenklasse 6 oder 7 liegen die Erdarbeiten deutlich über den genannten Werten.
Erdkollektor, Erdsonde oder Luftwärmepumpe?
Die Entscheidung fällt in der Praxis über zwei Fragen: Wie viel Fläche haben Sie, und was ist Ihnen die Effizienz wert?
| Kriterium | Erdkollektor | Erdsonde | Luft-Wasser |
|---|---|---|---|
| Jahresarbeitszahl | ✓ 4,0–4,5 | ✓ 4,5–5,0 | ~ 3,0–4,0 |
| Flächenbedarf | ✗ 200–780 m² Garten | ✓ Wenige m² | ✓ Aufstellfläche |
| Genehmigung | ✓ Anzeige genügt | ✗ Erlaubnis nötig | ✓ Keine |
| Erschließungskosten | ~ 3.500–8.000 € | ✗ 8.000–24.000 € | ✓ Keine |
| Geräusch außen | ✓ Keines | ✓ Keines | ~ Ventilator |
| Passive Kühlung möglich | ~ Eingeschränkt | ✓ Sehr gut | ✗ Nur aktiv |
| Garten während der Bauzeit | ✗ Komplett aufgegraben | ~ Bohrpunkt und Zuleitung | ✓ Unberührt |
Der Erdkollektor ist damit die richtige Wahl, wenn drei Dinge zusammenkommen: ein Grundstück mit ausreichend unversiegelter Fläche, ein Boden mit guter Wärmeleitfähigkeit und ein ohnehin geplanter Gartenumbau, bei dem der Bagger sowieso kommt. Fehlt eine dieser Bedingungen, lohnt der Vergleich mit den anderen Systemen – unser Wärmepumpen-Vergleich stellt die Typen samt JAZ und Kosten gegenüber.
Passive Kühlung: geht, aber schwächer als mit Sonde
Mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe können Sie im Sommer passiv kühlen, indem die kalte Sole ohne laufenden Verdichter durch die Flächenheizung geführt wird – das kostet nur Pumpenstrom. Beim Erdkollektor ist der Effekt allerdings begrenzt, weil sich das oberflächennahe Erdreich im Sommer selbst auf 15 bis 18 °C erwärmt. Eine Erdsonde liefert in 80 m Tiefe konstant 10 °C und kühlt deutlich wirksamer. Welche Maßnahmen sonst gegen Sommerhitze helfen, haben wir unter Wohnung kühlen ohne Klimaanlage zusammengestellt.
Förderung 2026
Die Wärmepumpe wird über die Heizungsförderung der KfW bezuschusst – der Erdkollektor zählt als Erschließung der Wärmequelle zu den förderfähigen Kosten. Für Anträge seit dem 21. Juli 2026 gelten diese Sätze:
| Baustein | Satz | Bedingung |
|---|---|---|
| Grundförderung | 30 % | Immer bei Einbau einer Wärmepumpe |
| Klimageschwindigkeitsbonus | 16 % | Austausch einer Öl-, Gas- oder Kohleheizung, befristet bis 31.01.2027 |
| Einkommensbonus | bis 30 % | Zu versteuerndes Haushaltseinkommen bis 40.000 € |
| Obergrenze | 70 % bzw. 80 % | 80 % bei Einkommen bis 30.000 € |
| Förderfähige Kosten 1. Wohneinheit | 28.000 € | Sinkt ab 01.02.2027 halbjährlich um 750 € |
Bei einer Anlage für 30.000 € und einem Zuschuss von 46 % – Grundförderung plus Klimageschwindigkeitsbonus – bleiben also rund 15.100 € Eigenanteil. Zwei Punkte, die häufig falsch dargestellt werden: Der Klimageschwindigkeitsbonus liegt seit Juli 2026 bei 16 % und nicht mehr bei 20 %, und der Effizienzbonus von 5 % für natürliche Kältemittel ist entfallen. Die Details stehen in unserer Übersicht zur Förderung für Wärmepumpen 2026 und beim Klimageschwindigkeitsbonus.
Fazit: die günstigste Erdwärme – wenn der Garten mitspielt
Ein Erdkollektor liefert Jahresarbeitszahlen von 4,0 bis 4,5 zu Erschließungskosten von 3.500 bis 8.000 € und braucht keine Bohrgenehmigung. Damit ist er die wirtschaftlichste Form der Erdwärmenutzung – vorausgesetzt, die Fläche ist vorhanden und bleibt dauerhaft unversiegelt.
Zwei Dinge entscheiden über den Erfolg. Erstens die Auslegung: Rechnen Sie die Fläche über Kälteleistung geteilt durch Entzugsleistung, nicht über die Wohnfläche. Zwischen trockenem Sand und wassergesättigtem Kies liegt der Faktor vier, und eine zu kleine Fläche lässt das Erdreich dauerhaft einfrieren. Zweitens die Bauform: Wenn der klassische Flächenkollektor nicht passt, prüfen Sie den Ringgrabenkollektor – er kommt mit einem Drittel der Fläche aus und ist der eigenleistungsfreundlichste Weg zur Erdwärme.
Weiterführende Artikel: Sole-Wasser-Wärmepumpe, Heizlastberechnung für die Wärmepumpe und Stromverbrauch der Wärmepumpe berechnen.
Häufige Fragen zum Erdkollektor
Das hängt vollständig vom Boden ab. Rechnen Sie Kälteleistung geteilt durch Entzugsleistung: Bei 10 kW Heizleistung und COP 4,5 entzieht die Wärmepumpe 7,8 kW. In wassergesättigtem Kies mit 35 W/m² sind das 225 m², in trockenem Sand mit 12 W/m² über 650 m². Die Faustformel „1,5 bis 3 Mal die Wohnfläche” beschreibt genau diese Spanne, ersetzt aber keine Auslegung.
1,2 bis 1,5 Meter, also mindestens 20 cm unter der örtlichen Frostgrenze, die in Deutschland bei 50 bis 70 cm liegt. Tiefer zu verlegen bringt kaum Vorteile, weil die Wärme überwiegend aus Sonneneinstrahlung und Regenwasser stammt und die Regeneration mit der Tiefe abnimmt. Der Rohrabstand beträgt 0,3 bis 0,8 m, bei DN 32 typisch 0,8 m.
Die Erschließung kostet 3.500 bis 8.000 €: Kollektorrohr, Verteiler und Sole mit 1.200 bis 2.500 €, Erdarbeiten mit 15 bis 25 € pro Quadratmeter, dazu Druckprobe und Anschluss. Die komplette Anlage mit Wärmepumpe, Speicher und Montage liegt bei 20.000 bis 35.000 €. Mit Erdsonde wären es 28.000 bis 50.000 €.
In der Regel keine Erlaubnis, aber eine Anzeige bei der unteren Wasserbehörde nach § 49 Wasserhaushaltsgesetz – mindestens einen Monat vor Baubeginn, mit Lageplan, Systembeschreibung und Angabe des Wärmeträgermediums. In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II sind Erdwärmeanlagen meist unzulässig, in Zone III nur nach Einzelfallprüfung.
Nein. Der Kollektor bezieht seine Wärme aus Sonneneinstrahlung und versickerndem Regenwasser – eine Terrasse, ein Carport oder ein Gartenhaus schneidet beide Quellen ab, und die Anlage verliert Jahr für Jahr Leistung. Rasen, Beete und flach wurzelnde Bepflanzung sind unproblematisch; zu Bäumen sollten Sie 2 m Abstand halten.
Eine Bauform, bei der das Kollektorrohr spiralförmig in einem umlaufenden Graben von 1,5 bis 2 m Tiefe liegt statt flächig in 1,2 bis 1,5 m. Dadurch braucht er nur etwa ein Drittel der Grundstücksfläche eines klassischen Flächenkollektors, und weil ein einzelner Graben schnell gezogen ist, sinken die Erdarbeiten deutlich. Mit erheblicher Eigenleistung sind Erschließungskosten um 2.000 € erreichbar.
Typisch 4,0 bis 4,5 und damit etwas unter einer Erdsonde mit 4,5 bis 5,0. Der Grund ist die schwankende Quellentemperatur: Oberflächennahes Erdreich kühlt über die Heizperiode ab, während eine Sonde in 80 m Tiefe konstant um 10 °C liefert. Gegenüber einer Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 3,0 bis 4,0 bleibt der Erdkollektor klar im Vorteil.
Ja, passiv über die Flächenheizung, wobei nur die Solepumpe läuft. Der Effekt ist aber schwächer als mit einer Erdsonde, weil sich das oberflächennahe Erdreich im Sommer selbst auf 15 bis 18 °C erwärmt. Für eine deutliche Temperaturabsenkung reicht das nicht, für zwei bis drei Kelvin und ein spürbar angenehmeres Raumklima schon.
Die PE-Rohre sind auf 50 Jahre und mehr ausgelegt und liegen frostfrei und drucklos im Erdreich – Verschleiß gibt es praktisch nicht. Kritisch sind nur zwei Punkte bei der Verlegung: Steine direkt am Rohr und eine fehlende Druckprobe vor dem Verfüllen. Wird sauber gearbeitet, überdauert der Kollektor die Wärmepumpe darüber um Jahrzehnte.

