Rückbau klingt nach Abriss, ist aber genau das Gegenteil: Statt ein Gebäude mit dem Bagger niederzulegen, wird es in umgekehrter Reihenfolge seiner Errichtung zerlegt – Bauteil für Bauteil, sortenrein getrennt und geordnet entsorgt. Das dauert länger und kostet auf den ersten Blick mehr. Dafür sinken die Entsorgungskosten, Schadstoffe bleiben kontrollierbar, und Sie erfüllen die gesetzlichen Vorgaben zur Kreislaufwirtschaft. Wir erklären Ihnen, was ein Rückbau kostet, wann Sie eine Genehmigung brauchen und worauf es bei den drei häufigsten Anlässen ankommt: Altbausanierung, Wasserschaden und Flachdach.
- Rückbau bedeutet kontrolliertes Zerlegen mit sortenreiner Materialtrennung – Abriss dagegen die vollständige Beseitigung eines Bauwerks.
- Die Kosten liegen bei Wohngebäuden meist zwischen 70 und 200 Euro pro Quadratmeter, je nach Rückbautiefe, Schadstoffen und Zugänglichkeit.
- Bei Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 gilt Asbest als zu vermuten – Sie müssen dem ausführenden Betrieb das Baujahr schriftlich mitteilen.
- Meist genügt eine Abbruchanzeige. Eine echte Genehmigung brauchen Sie bei Denkmalschutz, Erhaltungssatzung oder Gefahr für Nachbargebäude.
- Beim Wasserschaden entscheidet die Durchfeuchtung darüber, ob technisch getrocknet oder zurückgebaut wird.
- Ein offener Rohbau ist der günstigste Moment für Dämmung, neue Leitungen und Flächenheizung – das spart später viel Geld.
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Was bedeutet Rückbau?
Beim Rückbau nehmen Sie ein Gebäude oder Bauteil planvoll auseinander, statt es einzureißen. Die Reihenfolge ist dabei umgekehrt zum Bau: zuerst Einrichtung und Ausbau, dann Installationen, dann nicht tragende Bauteile, zuletzt die Tragstruktur. Jede Stufe hat einen Grund – vor allem den, dass sich Materialien so getrennt erfassen lassen.
Der wirtschaftliche Hebel liegt genau dort. Sortenrein getrennter Beton, Ziegel, Holz oder Metall lässt sich verwerten und kostet in der Entsorgung ein Vielfaches weniger als Mischabfall. Bauabfälle sind mit über 200 Millionen Tonnen jährlich der größte Abfallstrom Deutschlands, deshalb hat der Gesetzgeber die Anforderungen an Trennung und Verwertung in den letzten Jahren deutlich verschärft.
Warum der Aufwand sich rechnet
Das Zerlegen dauert länger und braucht mehr Handarbeit. Dafür sparen Sie an drei Stellen: bei den Deponiegebühren, weil weniger Mischabfall anfällt; bei der Schadstoffbehandlung, weil belastete Bauteile gezielt statt großflächig entfernt werden; und beim Nachbarschaftsrisiko, weil ohne schwere Maschinen weniger Staub, Lärm und Erschütterung entstehen. In dicht bebauten Lagen ist der Rückbau oft die einzige praktikable Lösung.
Rückbau, Abriss, Abbruch und Entkernung: die Unterschiede
Die vier Begriffe werden im Alltag munter vermischt, meinen aber unterschiedlich tiefe Eingriffe in die Bausubstanz. Damit Sie die richtige Leistung ausschreiben, haben wir sie klar gegenübergestellt.
| Begriff | Was passiert | Was bleibt stehen | Materialtrennung |
|---|---|---|---|
| Rückbau | Kontrolliertes Zerlegen Bauteil für Bauteil | Je nach Rückbautiefe: alles bis nichts | ✓ Sortenrein |
| Entkernung | Innenausbau komplett raus: Estrich, Putz, Trockenbau, Leitungen | Rohbau und Tragstruktur | ✓ Sortenrein |
| Abriss / Abbruch | Vollständige Beseitigung des Bauwerks | Nichts – meist auch keine Fundamente | ~ Nur grob |
| Teilrückbau | Nur einzelne Bereiche, etwa ein Anbau oder ein Geschoss | Der Rest des Gebäudes | ✓ Sortenrein |
Abriss und Abbruch bedeuten dasselbe – „Abbruch” ist der Fachbegriff, „Abriss” die Alltagssprache. Entscheidend für Ihr Angebot ist nicht das Wort, sondern die vereinbarte Rückbautiefe.
- Bauteil für Bauteil
- Sortenrein getrennt
- Wenig Staub und Lärm
- Estrich, Putz, Trockenbau
- Leitungen komplett raus
- Rohbau bleibt stehen
- Anbau oder Geschoss
- Statik vorab prüfen
- Rest bleibt nutzbar
- Gebäude verschwindet
- Schnell und maschinell
- Mehr Mischabfall
- Enge Bebauung, Nachbarn nah
- Schadstoffe im Gebäude
- Teile sollen erhalten bleiben
- Hohe Deponiekosten in der Region
- Freistehend, viel Platz
- Einsturzgefahr
- Keine erhaltenswerte Substanz
- Enger Zeitplan
Selektiver Rückbau: warum sortenrein getrennt wird
Selektiver Rückbau heißt, dass Sie Bauteile und Materialien nacheinander und getrennt entnehmen, statt alles gemeinsam abzubrechen. Zuerst kommen Schadstoffe raus, danach Wertstoffe wie Metall und Holz, zum Schluss der mineralische Anteil aus Beton und Ziegel.
Seit dem 1. August 2023 gilt zusätzlich die Ersatzbaustoffverordnung. Sie legt bundesweit einheitlich fest, welche Güteanforderungen aufbereitete mineralische Baustoffe erfüllen müssen, damit sie wieder eingebaut werden dürfen. Für Sie als Bauherr bedeutet das: Je sauberer die Trennung auf der Baustelle, desto eher ist das Material verwertbar – und desto weniger fahren Sie auf die Deponie. Wie sich solche Stoffkreisläufe über die gesamte Nutzungsdauer eines Gebäudes auswirken, zeigt eine Lebenszyklusanalyse im Bauwesen.
Ein Mischcontainer kostet in der Entsorgung meist ein Mehrfaches eines sortenreinen Bauschutt-Containers. Wenn auf Ihrer Baustelle Platz für drei bis vier getrennte Container ist, holen Sie die höheren Arbeitskosten des Rückbaus oft komplett wieder herein.
Rückbau in der Altbausanierung
Bei der Altbausanierung ist der Rückbau der erste echte Arbeitsschritt – und der, der über den Rest des Projekts entscheidet. Erst wenn Estrich, Putz und Trockenbau raus sind, sehen Sie den tatsächlichen Zustand von Balken, Mauerwerk und Leitungen. Deshalb sollte die Kostenplanung an dieser Stelle immer einen Puffer enthalten.
Wie tief muss es gehen?
Nicht jede Sanierung braucht die volle Entkernung. Reicht es, Bodenbeläge und Sanitärobjekte zu tauschen, bleiben Sie im Bereich weniger Tage. Sobald Sie Leitungen neu verlegen, Wände versetzen oder eine Flächenheizung einbauen wollen, führt an der Entkernung kaum ein Weg vorbei. Was das insgesamt kostet und wie der Ablauf aussieht, haben wir im Beitrag zur Kernsanierung mit Kosten, Ablauf und Förderung aufgeschlüsselt.
Statik nicht unterschätzen
Der häufigste Fehler bei der Entkernung im Altbau ist der Griff zur falschen Wand. Ob eine Wand tragend ist, erkennen Sie nicht zuverlässig an ihrer Dicke – gerade in Gebäuden aus den 1950er- bis 1970er-Jahren gibt es dünne tragende Innenwände. Bevor Sie öffnen, brauchen Sie eine Aussage vom Tragwerksplaner. Wir haben die Vorgehensweise im Beitrag tragende Wand entfernen: Kosten, Statik, Genehmigung beschrieben.
Rechnen Sie für die reine Entkernung mit rund 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter inklusive Entsorgung. Kommen Schadstoffe dazu, verschiebt sich das schnell nach oben. In unseren Projekten in Stuttgart und ganz Deutschland sehen wir bei Gebäuden aus den 1960er- und 1970er-Jahren fast regelmäßig Fliesenkleber, Bodenbeläge oder Spachtelmassen mit Asbestanteil.
Rückbau bei der Wasserschadensanierung
Nach einem Rohrbruch stellt sich immer dieselbe Frage: trocknen oder aufreißen? Die Antwort hängt vom Aufbau des Bodens und vom Grad der Durchfeuchtung ab. Bei einem schwimmenden Estrich mit Dämmschicht steht das Wasser häufig unter der Estrichplatte – dort kommt es ohne technische Hilfe nicht mehr weg.
Erst die Ursache finden, dann öffnen
Bevor irgendetwas rausgerissen wird, muss klar sein, woher das Wasser kommt. Eine professionelle Leckortung arbeitet mit Feuchtemessung, Thermografie oder Tracergas und grenzt die Schadstelle ein, ohne den halben Boden zu öffnen. Das spart im Regelfall deutlich mehr, als die Ortung kostet.
Trocknung oder Rückbau?
Ist die Dämmschicht nur feucht, reicht meist eine Dämmschichttrocknung über Bohrlöcher. Ist sie über längere Zeit durchnässt oder mit verschmutztem Wasser belastet, hilft nur der Rückbau von Bodenbelag, Estrich und Dämmung. Faustregel: Bei Abwasser oder Heizungswasser mit Zusätzen wird zurückgebaut, bei sauberem Trinkwasser meist getrocknet. Die Technik dahinter und die typischen Laufzeiten erklären wir im Beitrag zu Bautrocknern und Bautrocknung.
| Situation | Vorgehen | Dauer | Kosten (Richtwert) |
|---|---|---|---|
| Kleine Fläche, sauberes Wasser, früh entdeckt | Technische Trocknung | ca. 1–2 Wochen | ca. 500–2.000 € |
| Estrich und Wandbereiche durchfeuchtet | Trocknung plus Teilerneuerung | ca. 2–4 Wochen | ca. 2.000–8.000 € |
| Abwasser, Schimmel oder lange Standzeit | Rückbau bis auf die Rohdecke | mehrere Wochen | individuell, deutlich höher |
Die Trocknung von Estrich und Dämmschicht dauert typischerweise 14 bis 21 Tage, bei schweren Schäden auch mehrere Wochen bis Monate. Wichtig für vermietete Objekte: Solange Trocknungsgeräte laufen, ist die Wohnung eingeschränkt nutzbar – welche Minderung dabei angemessen ist, zeigt unsere Übersicht zur Mietminderung bei Wasserschaden.
Reißen Sie nichts auf, bevor der Schaden gemeldet und dokumentiert ist. Die Gebäudeversicherung übernimmt Trocknung und Rückbau in vielen Fällen bei Leitungswasser- oder Elementarschäden – aber nur, wenn der Zustand vorher fotografisch festgehalten wurde und die Maßnahme abgestimmt ist.
Flachdach-Rückbau: wann der alte Aufbau raus muss
Beim Flachdach liegt die zentrale Frage darin, ob Sie den Bestandsaufbau überbauen dürfen oder zurückbauen müssen. Eine Aufdopplung – also eine zusätzliche Dämm- und Abdichtungsebene auf dem alten Aufbau – ist deutlich günstiger, funktioniert aber nur unter Bedingungen.
Wann eine Aufdopplung reicht
Der alte Aufbau darf bleiben, wenn die vorhandene Dämmung nachweislich trocken ist, die Dampfsperre intakt liegt und die Statik das zusätzliche Gewicht trägt. Eine Feuchtemessung in der Dämmschicht bringt hier Klarheit; üblich sind kapazitive Messverfahren oder eine Bauteilöffnung an mehreren Stellen.
Wann der Rückbau unvermeidlich ist
Sobald die Dämmung durchnässt ist, muss der komplette Aufbau bis zur Tragschicht runter – feuchte Dämmung trocknet unter einer neuen Abdichtung nicht mehr aus und verliert ihre Wirkung dauerhaft. Gleiches gilt, wenn die Anschlusshöhen an der Attika, also der Dachrandaufkantung, für einen zusätzlichen Aufbau nicht mehr ausreichen. Welche Dämmstoffe im neuen Aufbau infrage kommen und wie sie sich unterscheiden, lesen Sie am Beispiel Steinwolle als Dämmung.
| Position | Richtwert | Anmerkung |
|---|---|---|
| Kies abtragen | ca. 15 €/m² | inklusive Abtransport |
| Verklebte, feuchte Dämmung aufnehmen | ca. 25 €/m² | Handarbeit, oft Sondermüll |
| Attika zurückbauen | ca. 8 €/lfm | je nach Ausführung |
| Neue Abdichtung | ca. 20–30 €/m² | Bitumen oder Kunststoffbahn |
| Neue Dämmung | ca. 20–30 €/m² | zzgl. Gefälledämmung |
| Vollsanierung mit Rückbau | ca. 150–320 €/m² | alles inklusive, je nach Aufbau |
Schadstoffe: Asbest, KMF und die neue Gefahrstoffverordnung
Der teuerste Fehler auf einer Abbruchbaustelle ist ein übersehener Schadstoff. Wird Asbest erst entdeckt, wenn der Container schon halb voll ist, steht die Baustelle – und der bereits entstandene Abfall gilt im Zweifel komplett als belastet.
Was seit der GefStoffV-Novelle gilt
Die novellierte Gefahrstoffverordnung ist am 5. Dezember 2024 in Kraft getreten und hat die Rollen neu verteilt. Wurde mit dem Bau vor dem 31. Oktober 1993 begonnen – dem Datum des Asbestverbots in Deutschland – ist grundsätzlich mit Asbest zu rechnen. Als Veranlasser, also als Eigentümer, Verwalter oder Bauherr, müssen Sie dem beauftragten Betrieb das Baujahr sowie alle Ihnen bekannten Informationen zu Schadstoffen schriftlich oder elektronisch übermitteln. Bei Objekten mit Baujahr zwischen 1993 und 1996 ist zusätzlich das Datum des Baubeginns anzugeben.
Eine eigene Erkundungspflicht folgt daraus nicht: Ob eine weitergehende technische Untersuchung nötig ist, entscheidet das ausführende Bauunternehmen. Arbeiten an asbesthaltigen Materialien dürfen ohnehin nur Betriebe mit Sachkundenachweis nach TRGS 519 ausführen. Welche Bauteile in älteren Gebäuden typischerweise betroffen sind, ordnen wir im Beitrag zu Wohngebäuden aus der Zeit vor 1979 ein.
Die Angabe des Baujahres an den Handwerksbetrieb ist keine Höflichkeit, sondern eine Pflicht des Veranlassers. Fehlt sie, riskieren Sie neben der Haftung auch einen Baustopp. Ein Schadstoffkataster vor Beginn der Arbeiten kostet zwar Geld, verhindert aber genau die Überraschungen, die ein Projekt richtig teuer machen.
Was Schadstoffe kosten
Festgebundener Asbest wie Dach– oder Fassadenplatten liegt inklusive Demontage bei etwa 40 bis 100 Euro pro Quadratmeter. Schwach gebundener Asbest in Putzen, Klebern oder Spachtelmassen ist mit rund 100 bis 200 Euro pro Quadratmeter deutlich teurer, weil unter Schwarzbereich-Bedingungen gearbeitet wird. Insgesamt verteuert eine fachgerechte Sanierung nach TRGS 519 das Projekt um etwa 10 bis 40 Prozent. Ob nach Abschluss noch Fasern in der Raumluft sind, klärt eine Raumluftanalyse.
Brauche ich für den Rückbau eine Genehmigung?
Das richtet sich nach der Landesbauordnung und ist deshalb von Bundesland zu Bundesland verschieden. Im Regelfall genügt eine Abbruchanzeige bei der Bauaufsichtsbehörde, die Sie vor Beginn der Arbeiten einreichen. Eine echte Genehmigung wird nötig, wenn Denkmalschutz, eine Erhaltungssatzung oder Milieuschutz greifen, wenn Wohnraum wegfällt oder wenn Nachbargebäude, Straßen oder die Umwelt gefährdet werden könnten.
Kleine Anlagen wie Carports, Gartenhäuser oder Gerätehütten sind vielerorts verfahrensfrei. Was sich bei den Verfahren zuletzt geändert hat, fassen wir im Beitrag zum neuen Baurecht 2026 zusammen. Fragen Sie im Zweifel vorab bei der Bauaufsicht nach – eine kurze Auskunft ist kostenlos, ein Baustopp nicht.
Was kostet ein Rückbau?
Für Wohngebäude liegen die Rückbaukosten meist zwischen 70 und 200 Euro pro Quadratmeter. Die große Spanne kommt daher, dass sechs Faktoren gleichzeitig wirken – und einer davon jede Kalkulation kippen kann.
- Rückbautiefe: Nur Innenausbau, oder bis auf die Bodenplatte samt Fundament?
- Bauweise: Holzständerbau lässt sich leichter zerlegen als Stahlbeton mit dichter Bewehrung.
- Schadstoffe: Der größte Einzelposten und der häufigste Grund für Nachträge.
- Zugänglichkeit: Innenstadtlage ohne Stellfläche verteuert Logistik und Containerwechsel spürbar.
- Materialtrennung: Mehr Trennung heißt mehr Arbeitszeit, aber weniger Entsorgungskosten.
- Entsorgungsmengen: Deponiegebühren unterscheiden sich regional erheblich.
Damit die Angebote vergleichbar bleiben, sollten Sie die Positionen sauber gliedern. Eine Struktur nach Kostengruppen der DIN 276 hilft dabei, Rückbau, Entsorgung und Wiederaufbau nicht zu vermischen.
Alle genannten Kosten stammen aus typischen Projekten in Deutschland und dienen der Orientierung. Je nach Region, Deponiegebühren, Schadstofflage und Zugänglichkeit weichen die tatsächlichen Preise deutlich ab. Ein belastbarer Preis entsteht erst nach einer Besichtigung vor Ort.
- Innen oder komplett
- Fundament ja/nein
- Asbest, KMF, PCB
- +10 bis 40 % Aufschlag
- Stellfläche für Container
- Kranaufstellung möglich?
- Sortenrein statt gemischt
- Regionale Gebühren
- Bestandsaufnahme
- Schadstoffkataster
- Statik prüfen
- Rückbaukonzept
- Anzeige oder Antrag
- Entsorgungswege
- Schadstoffe zuerst
- Sortenrein trennen
- Nachweise sammeln
Rückbau in sechs Schritten
- Bestandsaufnahme: Ein Fachplaner erfasst Bausubstanz, Baujahr, verbaute Materialien und Verdachtsflächen. Fotos und Aufmaß bilden später die Grundlage jedes Angebots.
- Schadstoffe untersuchen: Bei Baubeginn vor Ende Oktober 1993 lassen Sie Proben nehmen. Das Ergebnis fließt in ein Schadstoffkataster, das jeder Bieter kennen muss.
- Rückbaukonzept erstellen: Reihenfolge, Abbruchverfahren, Entsorgungswege und Schutzmaßnahmen für Nachbarn werden schriftlich festgelegt. Ein Architekt koordiniert diesen Schritt und die spätere Neuplanung aus einer Hand.
- Anzeige oder Genehmigung: Die Unterlagen gehen an die Bauaufsicht. Parallel melden Sie Ver- und Entsorgungsleitungen ab, damit Strom, Gas und Wasser fachgerecht getrennt werden.
- Beweissicherung: Vor Beginn dokumentiert ein Sachverständiger den Zustand der Nachbargebäude. Kommt es später zu Rissen, ist die Ausgangslage belegt.
- Ausführen und dokumentieren: Erst Schadstoffe, dann Ausbau, dann Tragstruktur. Entsorgungsnachweise und Wiegescheine sammeln Sie fortlaufend – Sie brauchen sie für die Abnahme.
Rückbau als Startpunkt der energetischen Sanierung
Wenn ohnehin alles offen liegt, ist der Zeitpunkt für energetische Maßnahmen so günstig wie nie wieder. Leitungen für eine Wärmepumpe, größere Heizflächen, eine Innendämmung oder die Vorbereitung für eine Lüftungsanlage kosten im Rohbau einen Bruchteil dessen, was sie im bewohnten Zustand kosten würden.
Deshalb lohnt es sich, die Energieberatung vor den Rückbau zu ziehen und nicht danach. Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) legt fest, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge wirtschaftlich sind, und sichert Ihnen zusätzlich einen Förderbonus. Umgekehrt gilt: Wer erst zurückbaut und dann über Dämmung nachdenkt, öffnet manche Wand zweimal.
Legen Sie im offenen Zustand großzügig Leerrohre für Netzwerk, Photovoltaik, Wallbox und Messtechnik. Das Material kostet wenige Euro pro Meter, während eine spätere Nachrüstung Wand- und Deckenöffnungen erfordert. Auch bei einer Badsanierung zahlt sich das aus.
Fazit
Ein Rückbau ist kein langsamer Abriss, sondern ein anderes Verfahren mit anderer Kostenlogik: mehr Arbeitszeit, weniger Entsorgungskosten, deutlich weniger Risiko. Entscheidend für den Preis sind Rückbautiefe, Schadstofflage und Zugänglichkeit – und die Schadstofflage kennen Sie nur, wenn Sie vorher prüfen lassen. Wer Baujahr, Statik und Entsorgungswege vor dem ersten Hammerschlag geklärt hat, wird während der Bauzeit selten überrascht. Und wer den offenen Rohbau gleich für die energetische Sanierung nutzt, spart sich später den zweiten Eingriff.
Weiterführende Artikel: Kernsanierung: Kosten, Ablauf und Förderung, Tragende Wand entfernen und Bautrockner und Bautrocknung.
Häufige Fragen zum Rückbau
Beim Rückbau wird ein Gebäude kontrolliert und in umgekehrter Baureihenfolge zerlegt, damit sich die Materialien sortenrein trennen lassen. Die Entkernung erfasst den gesamten Innenausbau: Bodenbeläge, Estrich, Putz, Trockenbau und Leitungen kommen raus, der Rohbau bleibt stehen. Abriss und Abbruch meinen dagegen dasselbe, nämlich die vollständige Beseitigung des Bauwerks.
Bei Wohngebäuden liegen die Richtwerte zwischen 70 und 200 Euro pro Quadratmeter. Eine reine Entkernung ohne Schadstoffe bewegt sich eher bei 50 bis 100 Euro pro Quadratmeter. Sobald Asbest im Spiel ist, steigen die Kosten um etwa 10 bis 40 Prozent. Ein belastbarer Preis entsteht erst nach einer Besichtigung, weil Zugänglichkeit und Deponiegebühren regional stark schwanken.
Das hängt von der Landesbauordnung ab. In den meisten Fällen reicht eine Abbruchanzeige bei der Bauaufsichtsbehörde vor Beginn der Arbeiten. Eine echte Genehmigung brauchen Sie bei Denkmalschutz, Erhaltungssatzung oder Milieuschutz, bei Wegfall von Wohnraum sowie dann, wenn Nachbargebäude oder öffentliche Flächen gefährdet werden könnten. Carports und Gartenhäuser sind vielerorts verfahrensfrei.
Bei Baubeginn vor dem 31. Oktober 1993 ist Asbest grundsätzlich zu vermuten. Als Veranlasser müssen Sie dem ausführenden Betrieb das Baujahr und alle bekannten Schadstoffinformationen schriftlich oder elektronisch übermitteln. Eine eigene Erkundungspflicht haben Sie nach der Gefahrstoffverordnung nicht – über eine technische Untersuchung entscheidet das ausführende Unternehmen. In der Praxis ist ein Schadstoffkataster trotzdem sinnvoll, weil es Nachträge verhindert.
Eine Entkernung im Einfamilienhaus dauert je nach Größe etwa eine bis drei Wochen. Der komplette Rückbau eines Wohngebäudes inklusive Fundament liegt eher bei drei bis sechs Wochen. Kommen Schadstoffe dazu, verlängert sich der Zeitplan spürbar, weil unter Schutzmaßnahmen langsamer gearbeitet wird. Genehmigungsverfahren und Beweissicherung sollten Sie zusätzlich mit mehreren Wochen Vorlauf einplanen.
In vielen Fällen übernimmt die Gebäudeversicherung Trocknung und Rückbau, wenn ein Leitungswasser- oder Elementarschaden versichert ist. Voraussetzung ist, dass Sie den Schaden melden und den Zustand dokumentieren, bevor Sie etwas öffnen. Für Einrichtung und Bodenbeläge ist meist die Hausratversicherung zuständig. Klären Sie den Umfang immer vorab mit dem Regulierer ab.
Nein. Ist die vorhandene Dämmung trocken, die Dampfsperre intakt und die Statik ausreichend, können Sie den Bestandsaufbau überbauen – das nennt sich Aufdopplung und spart deutlich Kosten. Ist die Dämmung durchnässt oder reichen die Anschlusshöhen an der Attika nicht mehr, muss der Aufbau bis zur Tragschicht runter. Klarheit bringt eine Feuchtemessung in der Dämmschicht.
Bei Bodenbelägen, Möbeln oder nicht tragenden Trockenbauwänden ist Eigenleistung möglich und spart Geld. Sobald Statik, Elektrik, Gas oder Schadstoffe betroffen sind, hört die Eigenleistung auf: Arbeiten an asbesthaltigen Materialien dürfen ausschließlich Fachbetriebe mit Sachkunde nach TRGS 519 ausführen. Klären Sie außerdem vorab, ob Ihre Versicherung Eigenleistung auf der Baustelle abdeckt.

