Vor dem Umstieg auf die Wärmepumpe steht eine entscheidende Frage: Welche Leistung in Kilowatt braucht meine Anlage wirklich? Wer zu klein dimensioniert, friert im Winter. Wer zu groß plant, zahlt unnötig drauf und reduziert die Effizienz. Die gute Nachricht: Mit Ihrem bisherigen Gas- oder Ölverbrauch haben Sie bereits die wichtigste Datenbasis für eine erste Faustformel-Berechnung. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie aus Ihrem Verbrauch die benötigte Heizlast ableiten, welche Wärmepumpen-Größe daraus folgt und wo die Grenzen der Faustformel liegen – inklusive Rechenbeispielen für Gas und Öl.
- Die einfachste Faustformel lautet: Jahresverbrauch in kWh geteilt durch 1.800–2.000 Volllaststunden ergibt die Heizlast in kW.
- 1 Liter Heizöl entspricht rund 10 kWh, 1 Kubikmeter Erdgas ebenfalls ungefähr 10 kWh – das macht die Umrechnung einfach.
- Für die Warmwasserbereitung sollten Sie 600–800 kWh pro Person und Jahr vom Heizverbrauch abziehen.
- Die Faustformel gibt eine gute erste Orientierung – ersetzt aber keine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831.
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Die Faustformel im Überblick
Die Grundidee ist denkbar einfach: Sofern Ihre alte Heizung über das Jahr eine bestimmte Energiemenge geliefert hat, muss die neue Wärmepumpe dieselbe Energiemenge bereitstellen. Anschließend teilen wir diese Energiemenge durch die Anzahl der Stunden, die die Heizung typischerweise pro Jahr unter Volllast läuft. Daraus ergibt sich die benötigte Heizleistung in Kilowatt.
Heizlast (kW) = Jahresenergieverbrauch (kWh) ÷ Vollbenutzungsstunden (h)
Standardwert für Volllaststunden in Deutschland: 1.800–2.000 Stunden pro Jahr.
Diese Formel funktioniert, weil sie zwei reale Größen miteinander verbindet: Ihren tatsächlichen Heizbedarf der letzten Jahre und die regionalen Heiztage in Deutschland. Sie ist daher deutlich realistischer als reine Wohnflächen-Daumenregeln, die das Dämmniveau und die Nutzungsgewohnheiten komplett ignorieren.
Schritt für Schritt: Dimensionierung aus dem Gasverbrauch
Sofern Sie bisher mit Erdgas heizen, finden Sie den Gasverbrauch in Ihrer letzten Heizkostenabrechnung – entweder direkt in Kilowattstunden (kWh) oder in Kubikmetern (m³). Anschließend rechnen wir beide Werte kurz um, damit die Faustformel für die Dimensionierung aus dem Gasverbrauch funktioniert.
- Verbrauch in kWh ablesen: Schauen Sie auf Ihre Jahresabrechnung. Steht dort schon „kWh”, ist die Sache einfach. Beispiel: 22.000 kWh.
- Falls in m³ angegeben – umrechnen: Multiplizieren Sie m³ mit 10. Aus 2.200 m³ werden also rund 22.000 kWh. Genau genommen liegt der Faktor zwischen 9,7 und 11,2 (Brennwert × Zustandszahl), 10 reicht aber für die Faustformel.
- Warmwasser-Anteil abziehen: Wenn die alte Gasheizung auch Warmwasser bereitet hat, ziehen Sie pro Person 600–800 kWh ab. Bei 4 Personen wären das also 2.400–3.200 kWh.
- Durch Volllaststunden teilen: Den verbleibenden Wert durch 1.800–2.000 teilen. Bei einem unsanierten Altbau eher 1.800, bei einem gedämmten Haus eher 2.000.
- Heizlast ablesen: Das Ergebnis ist Ihre benötigte Heizleistung in Kilowatt – die Zielgröße für Ihre neue Wärmepumpe.
Schritt für Schritt: Dimensionierung aus dem Ölverbrauch
Bei Ölheizungen funktioniert das Prinzip identisch – jedoch ist die Umrechnung anders. Ein Liter Heizöl liefert beim Verbrennen nämlich rund 10 kWh Wärmeenergie. Damit ist der Schritt von Litern zu Kilowattstunden ähnlich einfach wie bei der Dimensionierung aus dem Gasverbrauch.
- Liter Heizöl ablesen: Verbrauch der letzten 12 Monate aus Tankprotokoll oder Lieferschein. Beispiel: 2.000 Liter.
- In Kilowattstunden umrechnen: Liter × 10 = kWh. Aus 2.000 Litern werden 20.000 kWh.
- Warmwasser-Anteil abziehen: 600–800 kWh pro Person. Bei 3 Personen sind das 1.800–2.400 kWh.
- Durch Volllaststunden teilen: Ergebnis durch 1.800 (Altbau) oder 2.000 (gedämmt) teilen.
- Heizlast = Ziel-Heizleistung der Wärmepumpe: Daraus ergibt sich, welche Wärmepumpen-Größe Sie brauchen.
Alte Gas- oder Ölkessel arbeiten oft nur mit 80–90 % Wirkungsgrad. Wer ganz genau rechnen will, multipliziert das Ergebnis nochmal mit dem Wirkungsgrad. Bei einer 30 Jahre alten Heizung mit 80 % Wirkungsgrad reduziert sich der reale Wärmebedarf entsprechend.
Rechenbeispiele: Einfamilienhaus mit Gas und Öl
Damit es greifbarer wird, rechnen wir anschließend zwei typische Fälle durch – einmal mit Gasverbrauch, einmal mit Ölverbrauch.
Beispiel 1: Einfamilienhaus mit Gasheizung
Ausgangslage: 4-Personen-Haushalt, sanierter Altbau, 22.000 kWh Erdgas pro Jahr inkl. Warmwasser.
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Jahresverbrauch Gas | 22.000 kWh |
| Warmwasser für 4 Personen (4 × 700 kWh) | −2.800 kWh |
| Reiner Heizwärmebedarf | 19.200 kWh |
| Geteilt durch 2.000 Vollbenutzungsstunden | = 9,6 kW |
| Empfohlene Wärmepumpen-Leistung | ≈ 10 kW |
Beispiel 2: Einfamilienhaus mit Ölheizung
Ausgangslage: 3-Personen-Haushalt, teilsanierter Altbau, 2.500 Liter Heizöl pro Jahr.
| Schritt | Wert |
|---|---|
| Verbrauch Heizöl (2.500 l × 10 kWh) | 25.000 kWh |
| Warmwasser für 3 Personen (3 × 700 kWh) | −2.100 kWh |
| Reiner Heizwärmebedarf | 22.900 kWh |
| Geteilt durch 1.900 Vollbenutzungsstunden | = 12,1 kW |
| Empfohlene Wärmepumpen-Leistung | ≈ 12 kW |
Wichtig: Diese Werte sind zunächst eine erste Annäherung, kein verbindlicher Auslegungswert. Für die endgültige Planung übernimmt anschließend ein zertifizierter Fachpartner die Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – das ist nämlich die einzige Methode, die Banken, Fördermittelgeber und Garantie-Bedingungen anerkennen.
Warum die Faustformel keine Heizlastberechnung ersetzt
Eine Faustformel ist zunächst toll für die Vorauswahl. Dennoch berücksichtigt sie nicht alles, was eine echte Heizlastberechnung leistet. Außerdem fallen die folgenden Punkte bei der Faustformel raus:
- Raumweise Auslegung: Die Heizlast wird raumweise berechnet, weil unterschiedliche Räume unterschiedliche Anforderungen haben.
- Transmissionsverluste: Wände, Fenster, Dach und Boden geben unterschiedlich viel Wärme nach außen ab – das fließt einzeln in die DIN-Berechnung ein.
- Lüftungsverluste: Wer eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung hat, verliert deutlich weniger Wärme als ohne.
- Vorlauftemperatur: Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist. Die DIN-Berechnung prüft, ob bestehende Heizflächen ausreichen.
- Normaußentemperatur Ihres Standorts: Stuttgart hat eine andere Auslegungstemperatur als Rostock – die DIN bezieht das exakt mit ein.
Wer den Förderantrag für die KfW oder BAFA stellen will, kommt um die professionelle Heizlastberechnung sowieso nicht herum. Sie ist Pflicht – wir bei GREENOX bieten sie als Heizlastberechnung online innerhalb weniger Tage an.
Laut Bundesverband Wärmepumpe sind rund 40 Prozent aller installierten Wärmepumpen falsch dimensioniert – meist zu groß. Folge: höhere Anschaffungskosten, mehr Takten (Stop-and-Go im Betrieb), schlechtere Jahresarbeitszahl und verkürzte Lebensdauer. Wer zu groß plant, zahlt nicht nur beim Kauf mehr, sondern auch beim Betrieb.
5 typische Fehler bei der Dimensionierung
Aus unseren Projekten in Stuttgart und ganz Deutschland kennen wir die häufigsten Stolperfallen. Sofern Sie sie kennen, vermeiden Sie sie zuverlässig.
- Den Verbrauch eines kalten Winters als Maßstab nehmen: Wer den Verbrauch des kältesten Winters ansetzt, plant zu groß. Besser ist der Durchschnitt der letzten 2–3 Jahre.
- Warmwasser nicht abziehen: Ein häufiger Klassiker. Wer den Warmwasseranteil im Heizverbrauch lässt, erhält eine zu hohe Heizlast.
- Geplante Sanierung ignorieren: Wenn Sie ohnehin neue Fenster oder Dämmung planen, sollten Sie die zukünftig sinkende Heizlast berücksichtigen.
- Faustformel als Endwert nehmen: Die Formel liefert einen Richtwert – nicht die endgültige Wärmepumpen-Größe. Für die Auslegung ist die DIN-Heizlastberechnung Pflicht.
- Heizkurve und Heizflächen vergessen: Selbst eine korrekt dimensionierte Wärmepumpe ist ineffizient, wenn die Heizflächen zu klein sind. Eine niedrige Vorlauftemperatur ist entscheidend für eine hohe Jahresarbeitszahl.
Fazit
Mit Ihrem alten Gasverbrauch oder Ölverbrauch haben Sie zunächst das beste Werkzeug für eine erste realistische Dimensionierung der Wärmepumpe in der Hand. Die Faustformel – Verbrauch durch Volllaststunden – liefert dabei in wenigen Minuten einen belastbaren Richtwert. Wichtig: Warmwasser-Anteil abziehen, Volllaststunden je nach Gebäudezustand anpassen und das Ergebnis schließlich nie als finalen Auslegungswert nehmen.
Unterm Strich: Wer die Wärmepumpe richtig dimensioniert, spart bares Geld – sowohl bei der Anschaffung als auch im Betrieb. Eine professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 ist die einzig sichere Grundlage für die Auslegung – und sie ist sowieso Pflicht für jede Förderung.
Weiterführende Artikel: Wärmepumpen-Förderung: Wie lange dauert die Auszahlung?, Individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) und Förderungen für die energetische Sanierung.
Häufige Fragen zur Wärmepumpen-Dimensionierung
Mit der Faustformel: Jahresverbrauch in kWh geteilt durch 1.800–2.000 Volllaststunden = benötigte Heizleistung in kW. Bei Öl rechnen Sie 1 Liter = 10 kWh, bei Gas 1 m³ ≈ 10 kWh. Wichtig: Den Warmwasser-Anteil von 600–800 kWh pro Person und Jahr vom Heizverbrauch abziehen.
Im Durchschnitt 1.800 bis 2.000 Stunden pro Jahr. Bei unsanierten Altbauten in kühleren Regionen eher 1.800, bei gut gedämmten Neubauten in milderen Gegenden eher 2.000. Diese Werte gelten für die reine Raumheizung – Warmwasserstunden zählen separat.
1 Liter Heizöl entspricht rund 10 kWh Wärmeenergie – genau genommen 9,8–10,5 kWh, je nach Heizölqualität. Für die Faustformel reicht der Wert 10 vollkommen aus.
1 Kubikmeter Erdgas entspricht etwa 10 kWh – exakt 9,7 bis 11,2 kWh je nach Gasqualität (H-Gas oder L-Gas) und Zustandszahl. Auf der Jahresabrechnung steht die genaue Umrechnung meist als Brennwert × Zustandszahl. Für die Faustformel ist der Wert 10 ausreichend.
Pro Person rechnen Sie 600 bis 800 kWh pro Jahr für Warmwasser. Bei einem 4-Personen-Haushalt sind das also 2.400 bis 3.200 kWh, die Sie vom Gesamtverbrauch abziehen müssen, um den reinen Heizwärmebedarf zu erhalten. Höhere Werte gelten bei intensiver Nutzung wie täglichem Vollbad.
Typische Einfamilienhäuser benötigen 6 bis 14 kW Heizleistung. Unsanierte Altbauten liegen meist bei 10–14 kW, sanierte Bestandsbauten bei 6–10 kW, Neubauten unter 6 kW. Genaue Werte ergeben sich aus der Heizlastberechnung – die Faustformel liefert eine erste Orientierung.
Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet ständig ein und aus, weil sie schnell die Zieltemperatur erreicht. Das reduziert die Jahresarbeitszahl, erhöht den Stromverbrauch und verkürzt die Lebensdauer der Komponenten. Zusätzlich sind Anschaffung und Wartung teurer. Laut Bundesverband Wärmepumpe ist die Überdimensionierung der häufigste Fehler bei der Auslegung.
Eine zu klein dimensionierte Wärmepumpe schafft bei sehr kalten Temperaturen die Heizlast nicht mehr. Die Folge: Der elektrische Heizstab springt häufiger an, der Stromverbrauch steigt deutlich, und die Wohnung kühlt im schlimmsten Fall aus. Daher lieber eine Nummer größer planen als zu knapp.
Ja, mit Einschränkungen. Bei Mehrfamilienhäusern gelten andere Volllaststunden (oft 1.700–1.900) und die Warmwasserberechnung ist komplexer, weil mehrere Haushalte unterschiedliche Profile haben. Die Faustformel gibt aber auch hier eine brauchbare Vorab-Orientierung – die finale Auslegung erfolgt zwingend über eine DIN-Heizlastberechnung.
Ja. Sowohl die KfW (Heizungsförderung 458) als auch die BAFA verlangen für die Förderzusage die professionelle Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 oder eine vereinfachte Berechnung durch einen zertifizierten Fachpartner. Ohne diese Berechnung gibt es keine Förderung. Sie ist also nicht optional, sondern Pflicht.


