Raumluftanalyse

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Raumluftanalyse: Kosten, Ablauf und Richtwerte 2026

Inhalt

Kopfschmerzen im Homeoffice, ein muffiger Geruch im Schlafzimmer oder ein süßlicher Geruch nach dem Möbelkauf – wenn die Luft in Ihren Räumen nicht stimmt, merken Sie das oft am eigenen Körper, bevor Sie die Ursache kennen. Eine Raumluftanalyse macht sichtbar, was Sie nicht sehen: Schadstoffe, Schimmelsporen, Feuchte und CO₂ in klaren Zahlen. Wir zeigen Ihnen deshalb, was dabei geprüft wird, was eine Raumluftanalyse kostet und ab welchen Werten Sie handeln sollten. Außerdem klären wir, warum gerade sanierte Häuser oft betroffen sind.

Clever Kompakt
Das Wichtigste im Überblick
  • Eine Raumluftanalyse prüft meist flüchtige organische Stoffe (VOC), Formaldehyd, Schimmelsporen, Feinstaub, CO₂ und auf Wunsch Radon.
  • Ein Labor-Set zum Selbstsammeln kostet für Wohnräume je nach Umfang rund 60 bis 400 Euro. Ein Gutachter mit schriftlichem Bericht kostet dagegen rund 300 bis 1.500 Euro.
  • Feste Grenzwerte für Wohnräume gibt es nicht. Maßgeblich sind deshalb die Richt- und Leitwerte des Umweltbundesamtes, etwa 0,1 mg/m³ für Formaldehyd und 1.000 ppm für CO₂.
  • Ein hoher Messwert ist nur der Anfang. Erst die Suche nach der Ursache an Fassade, Feuchte und Lüftung löst das Problem dauerhaft.
  • Nach einer Sanierung ist das Haus deutlich dichter. Ohne passendes Lüftungskonzept steigen Feuchte und Schadstoffe daher messbar an.

Raumluftanalyse anfragen Zum Lüftungskonzept nach DIN 1946-6

60–400 €
Labor-Set für Wohnräume (Richtwert)
800–1.500 €
Großes Gutachten vom Sachverständigen
1.000 ppm
CO₂-Leitwert des Umweltbundesamtes
300 Bq/m³
Referenzwert für Radon in Wohnräumen

Was eine Raumluftanalyse untersucht

Der Begriff Raumluftanalyse fasst sehr verschiedene Messungen zusammen. Manche Stoffe erfasst ein einfaches Gerät in wenigen Minuten. Andere brauchen dagegen ein Labor und eine Sammelzeit von mehreren Tagen. Deshalb sollten Sie vorab klären, welche Stoffgruppe Sie überhaupt vermuten. Sonst zahlen Sie nämlich für Zahlen, die Ihnen nichts sagen.

Flüchtige organische Stoffe und Formaldehyd

Flüchtige organische Stoffe – kurz VOC für „volatile organic compounds” – sind Gase aus Möbeln, Lacken, Klebern, Böden und Putzmitteln. Dazu zählen zum Beispiel Alkane, Aldehyde, Terpene und aromatische Kohlenwasserstoffe. Gemessen wird meist die Summe aller Einzelstoffe, also der TVOC-Wert. Formaldehyd prüft das Labor dagegen getrennt, denn es reizt besonders stark und stammt oft aus Spanplatten, Laminat und Möbelfronten.

Beide Stoffgruppen erfassen Sie mit einem passiven Sammler. Dieser steht einige Tage im Raum und geht danach ins Labor. Ein Handgerät aus dem Baumarkt zeigt jedoch nur einen grob geschätzten Summenwert. Für eine klare Bewertung reicht das folglich nicht.

Schimmelsporen und Feuchte

Bei Verdacht auf Schimmel prüft ein Gerät die Luft über eine Keimsammlung: Es zieht eine feste Menge Luft über einen Nährboden. Danach bestimmt das Labor die Zahl der Sporen und die Gattungen. Zusätzlich sind Proben aus Tapete, Putz oder Silikon möglich. Wichtig ist dabei ein Vergleichswert von draußen, denn Sporen kommen in der Außenluft immer vor. Erst ein deutlich höherer Wert im Raum weist somit auf eine Quelle im Haus hin.

Zu jeder guten Prüfung gehört außerdem die relative Luftfeuchte. Liegt sie dauerhaft über 65 Prozent, wächst Schimmel auch ohne sichtbaren Wasserschaden. Ein frühes Warnsignal sind übrigens beschlagene Scheiben. Warum Fenster von innen beschlagen, hat nämlich fast immer mit Feuchte und kalten Wandflächen zu tun.

CO₂, Feinstaub und Radon

Kohlendioxid ist kein Schadstoff im engeren Sinn. Trotzdem ist es der beste Hinweis auf schlechte Lüftung, denn wir atmen es selbst aus. In einem dichten Raum steigt der Wert daher planbar an. Feinstaub entsteht dagegen beim Kochen, beim Staubsaugen, durch Kerzen und durch Kaminöfen.

Radon ist schließlich ein natürliches, radioaktives Edelgas. Es dringt aus dem Boden über Keller und Bodenplatte ein. Gemessen wird es über zwölf Monate mit einem passiven Exposimeter, weil nur der Mittelwert über ein ganzes Jahr aussagt. Karten zur Belastung in Ihrer Region finden Sie zudem beim Bundesamt für Strahlenschutz.

Wann eine Raumluftanalyse sinnvoll ist

Eine Messung lohnt sich vor allem bei einem klaren Verdacht. Reine Neugier führt dagegen oft zu unauffälligen Werten – und trotzdem zu einer Rechnung. Aus unseren Projekten in Stuttgart und ganz Deutschland kennen wir vier Anlässe, bei denen sich eine Raumluftanalyse regelmäßig auszahlt.

Beschwerden ohne klare Ursache

Klagen mehrere Personen im selben Raum über müde Augen, Kopfschmerzen, Reizhusten oder schlechte Konzentration, ist die Luft ein plausibler Verdächtiger. Das gilt besonders, wenn die Beschwerden beim Verlassen des Hauses nachlassen. Noch klarer wird das Bild, sofern die Symptome zeitlich zu einem Umbau, neuen Möbeln oder einem neuen Boden passen.

Sichtbarer Schimmel oder muffiger Geruch

Riechen Sie es, sehen aber nichts, sitzt die Quelle oft hinter Möbeln, unter dem Boden oder in einer Wärmebrücke. Der Einfluss von Wärmebrücken wird dabei häufig unterschätzt. Schon zwei bis drei Grad kältere Wandflächen genügen nämlich, damit dort Feuchte ausfällt. Im Keller kommt zudem aufsteigende Nässe aus dem Mauerwerk infrage. Dann führt der Weg über eine bauliche Kellersanierung statt über die Chemie.

Kauf, Vermietung oder Streitfall

Vor dem Kauf einer Immobilie liefert eine Messung gute Argumente. Das gilt etwa bei Verdacht auf alte Holzschutzmittel, Asbest im Baustoff oder PCB in Fugenmassen aus den 1960er- bis 1980er-Jahren. Bei Streit zwischen Mieter und Vermieter zählt ohnehin nur ein Bericht, der vor Gericht Bestand hat.

Nach einer Sanierung

Der vierte Anlass wird am häufigsten übersehen. Deshalb behandeln wir ihn weiter unten in einem eigenen Abschnitt.

Erst die Frage, dann die Messung

Legen Sie vorab schriftlich fest, welchen Verdacht Sie prüfen wollen und in welchen Räumen. Ein Labor, das ohne diese Vorgabe „alles” messen soll, liefert nämlich einen teuren Datenberg statt einer Antwort. Bei der Eingrenzung helfen wir Ihnen im Beratungsgespräch kostenlos weiter.

Selbsttest oder Gutachter?

Grundsätzlich haben Sie zwei Wege. Entweder sammeln Sie die Probe selbst und schicken sie an ein Labor. Oder ein Gutachter kommt ins Haus, nimmt die Proben und bewertet sie zusammen mit dem Gebäude. Der Preisunterschied ist groß, der Nutzen jedoch ebenfalls.

Merkmal Labor-Set (Selbsttest) Gutachter vor Ort
Kosten (Richtwert) ✓ ca. 60–400 € ~ ca. 300–1.500 €
Werte aus geprüftem Labor ✓ Ja ✓ Ja
Suche nach der Ursache am Bau ✗ Nein ✓ Ja
Vor Gericht nutzbar ✗ Meist nein ✓ Ja
Fehlerrisiko bei der Probe ~ Erhöht ✓ Gering
Konkreter Plan zur Sanierung ✗ Nein ✓ Ja
Zeit bis zum Ergebnis ~ 1–3 Wochen ~ 2–4 Wochen

Unsere Empfehlung je nach Ziel

Wollen Sie nur wissen, ob die neuen Möbel ausgasen, genügt ein Labor-Set. Geht es dagegen um Schimmel, um Streit mit dem Vermieter oder um Beschwerden mit Bezug zur Gesundheit, führt der Weg über einen Gutachter. Dieser sollte allerdings neutral sein und die Sanierung nicht selbst anbieten. Sonst hat er ein Interesse an einem hohen Befund.

Was eine Raumluftanalyse kostet

Die Preise gehen weit auseinander. Denn „Raumluftanalyse” kann alles bedeuten – vom einzelnen Sammler bis zum 20-seitigen Bericht. Wir haben die gängigen Varianten deshalb mit realistischen Richtwerten für Sie zusammengestellt.

Leistung Umfang Kosten (Richtwert)
Sammler für VOC oder Formaldehyd Ein Raum, eine Stoffgruppe ca. 60–150 €
Labor-Set Wohnraum Standard VOC-Summe plus Einzelstoffe ca. 150–250 €
Labor-Set Wohnraum Premium VOC, Formaldehyd, Weichmacher, Schimmel ca. 250–400 €
Keimsammlung Schimmel Je Probe, plus Wert von draußen ca. 80–200 €
Probe aus dem Bauteil Tapete, Putz, Silikon ca. 50–150 €
Radon-Exposimeter Zwei Geräte, Messung über ein Jahr ca. 60–100 €
Termin vor Ort, mündliche Einschätzung Stundensatz ca. 80–160 € ca. 150–400 €
Schriftlicher Bericht, kleine Fläche Zum Beispiel ein Badezimmer ca. 300–700 €
Großer Bericht, ganze Wohnung Termin, Laborproben, Dokumentation ca. 800–1.500 €

Was die Rechnung nach oben treibt

Teuer wird es vor allem durch die Zahl der Proben. Denn jede weitere Stoffgruppe und jeder weitere Raum kostet extra. Hinzu kommen Anfahrt und Öffnungsarbeiten an Bauteilen. Bei Streit vor Gericht steigt zudem der Aufwand für den Bericht.

Wo Sie sparen können

Umgekehrt sparen Sie, sofern Sie die verdächtigen Räume vorab klar benennen. Beauftragen Sie außerdem den Vergleichswert von draußen gleich mit, denn eine zweite Anfahrt kostet mehr als die Probe selbst. Prüfen Sie überdies, ob Ihre Rechtsschutz- oder Gebäudeversicherung einen Teil der Kosten trägt. Bei einem Wasserschaden ist das häufig der Fall.

Preisangaben als Richtwerte (Stand 2026)

Die Beträge beruhen auf öffentlich zugänglichen Preislisten von Laboren und Gutachtern. Je nach Region, Anbieter, Zahl der Proben und Aufwand können die echten Kosten deutlich abweichen. Verbindlich ist daher immer das schriftliche Angebot Ihres Labors oder Gutachters.

Richtwerte: Ab wann ist die Raumluft belastet?

Für Wohnräume gibt es in Deutschland keine festen Grenzwerte wie am Arbeitsplatz. Stattdessen legt der Ausschuss für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt Richt-, Leit- und Zielwerte fest. Bis 2015 hieß dieses Gremium noch Ad-hoc-Arbeitsgruppe. Die Werte sind für die Gesundheit begründet, aber nicht einklagbar. Für die Bewertung eines Messwerts bleiben sie trotzdem der Maßstab.

Parameter Orientierung Bewertung
Formaldehyd 0,1 mg/m³ (100 µg/m³) Richtwert I des Umweltbundesamtes (2016). Er soll auch kurzzeitig nicht überschritten werden
TVOC (Summe VOC) unter 0,3 mg/m³ Zielwert 1–3 mg/m³ gilt als auffällig, über 10 mg/m³ als nicht mehr zumutbar
CO₂ 1.000 ppm Leitwert 1.000–2.000 ppm sind auffällig, über 2.000 ppm nicht mehr zumutbar
Radon 300 Bq/m³ Referenzwert Mittelwert über ein Jahr nach Strahlenschutzgesetz. Darüber Maßnahmen prüfen
Relative Luftfeuchte 40–60 % Zielbereich Dauerhaft über 65 % begünstigt Schimmel
Schimmelsporen kein fester Zahlenwert Bewertung nur im Vergleich zur Außenluft und nach Gattungen

So ordnen Sie einen Messwert ein

Ein einzelner hoher Wert bedeutet noch keine Gefahr für die Gesundheit. Entscheidend sind drei Dinge: wie stark der Wert über dem Richtwert liegt, wie lange die Belastung anhält und wie viele Stunden am Tag Sie sich im Raum aufhalten. Ein Kinderzimmer bewerten wir daher strenger als einen Hobbyraum. Ein guter Laborbericht deutet die Zahlen deshalb und listet sie nicht nur auf.

So läuft eine Raumluftanalyse ab

Der Ablauf ist bei Selbsttest und Gutachten im Kern gleich. Er unterscheidet sich jedoch in der Sorgfalt. Damit Sie wissen, was auf Sie zukommt, gehen wir Schritt für Schritt durch den typischen Verlauf.

  • Verdacht eingrenzen: Sie notieren, welche Beschwerden auftreten, in welchen Räumen und seit wann. Diese Angaben legen fest, welche Stoffgruppen überhaupt geprüft werden müssen.
  • Räume vorbereiten: Acht bis zwölf Stunden vor der Messung bleiben Fenster und Türen zu, damit sich ein echter Alltagszustand einstellt. Rauchen, Putzen und Kochen sind in dieser Zeit tabu.
  • Proben nehmen: Der Sammler bleibt je nach Verfahren einige Stunden bis mehrere Tage im Raum. Bei Verdacht auf Schimmel kommt eine Keimsammlung mit Vergleichswert dazu, bei Radon ein Exposimeter für zwölf Monate.
  • Labor auswerten lassen: Das geprüfte Labor bestimmt die Werte und ordnet sie den Richt- und Leitwerten zu. Nach ein bis drei Wochen liegt der Bericht vor.
  • Ursache suchen: Erst jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Feuchtemessung an Bauteilen, Thermografie sowie ein Blick auf Lüftung und Nutzung zeigen, woher die Belastung kommt.
  • Maßnahmen umsetzen: Quelle entfernen, Feuchte abstellen, Luftwechsel sichern. Danach belegt eine zweite Messung, dass die Werte gesunken sind.
Nicht vor der Messung lüften

Wer direkt vor der Probe ausgiebig lüftet, drückt das Ergebnis nach unten. Sie zahlen dann für einen niedrigen Wert, der Ihren Alltag nicht abbildet. Halten Sie die Vorgaben des Labors zur Vorlaufzeit deshalb genau ein.

Warum sanierte Häuser häufiger betroffen sind

Hier liegt der Punkt, den die meisten Ratgeber zur Raumluftanalyse auslassen. Die Qualität der Raumluft ist nämlich kein reines Chemiethema, sondern eine Frage der Bauphysik. Alte Häuser tauschten Luft ungewollt über undichte Fenster, Rollladenkästen und Fugen aus. Wer neue Fenster einbaut und die Fassade dämmt, senkt somit nicht nur den Verbrauch, sondern auch diesen ungewollten Luftwechsel – und zwar drastisch.

Die Folge sehen wir in unseren Projekten regelmäßig: Feuchte aus Duschen, Kochen, Wäsche und Atemluft bleibt im Haus. CO₂ und Gase aus Möbeln verdünnen sich zudem schlechter. Ein Wert, der vor der Sanierung unauffällig war, kann danach im auffälligen Bereich liegen. An den Möbeln hat sich dabei nichts geändert.

Das Lüftungskonzept ist Pflicht, nicht Komfort

Genau deshalb verlangt die DIN 1946-6 in der Fassung 2019-12 bei größeren Eingriffen in die Hülle ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6. Als Auslöser gelten unter anderem der Tausch von mehr als einem Drittel der Fensterfläche oder – im Einfamilienhaus – die Abdichtung von mehr als einem Drittel der Dachfläche. Das Konzept rechnet nach, ob der Schutz vor Feuchte allein über Fensterlüftung gesichert ist. Häufig lautet die Antwort nein, denn niemand kann nachts alle zwei Stunden aufstehen.

Welche Lüftung dann infrage kommt

Reicht die freie Lüftung nicht, kommen Fensterfalzlüfter, Abluftsysteme, dezentrale Lüfter oder eine zentrale raumlufttechnische Anlage infrage. Der Vorteil ist doppelt: Sie führen Feuchte und Schadstoffe laufend ab und gewinnen dabei einen großen Teil der Wärme zurück. Eine Klimaanlage ersetzt das übrigens nicht. Sie kühlt und entfeuchtet, tauscht im Umluftbetrieb jedoch keine Luft aus. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag zur Klimaanlage in der Wohnung.

Messung und Sanierung zusammen denken

Wenn Sie ohnehin sanieren, sollten Sie die Raumluft nicht getrennt betrachten. Ein Energieberater bewertet Hülle, Heizung und Lüftung im Zusammenhang. Dadurch erkennt er, ob ein hoher Wert baulich verursacht ist. Zudem lassen sich Maßnahmen an der Lüftung als Teil eines Sanierungsfahrplans oft fördern. Welche Zuschüsse möglich sind, zeigen wir im Beitrag zur Förderung des Sanierungsfahrplans.

Was Sie nach dem Ergebnis tun können

Ein Laborbericht allein verbessert nichts. Welche Maßnahme wirkt, hängt daher davon ab, welche Stoffgruppe auffällig war.

Bei hohen VOC- und Formaldehydwerten

Zunächst gilt: Quelle finden und entfernen. Häufig sind es einzelne Möbelstücke, ein Kleber oder ein Bodenbelag. Solange die Quelle bleibt, hilft nur kräftiges Lüften – und zwar über Wochen bis Monate, denn Formaldehyd gibt langsam nach. Bei Neubauten und neuen Möbeln sinken die Werte meist im ersten Jahr deutlich. Das gilt allerdings nur, sofern Sie konsequent lüften.

Bei Schimmel und zu viel Feuchte

Schimmel bekämpfen Sie nie mit Farbe oder Sprays, sondern über die Quelle der Feuchte. Erst wenn Leck, Wärmebrücke oder fehlender Luftwechsel behoben sind, lohnt sich das Entfernen des Befalls. Wie eine fachgerechte Schimmelsanierung abläuft, haben wir separat beschrieben.

Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes von 2024 teilt den Befall zudem in drei Stufen ein: unter 20 cm², unter 0,5 m² und über 0,5 m². Die ersten beiden Stufen dürfen Sie selbst beseitigen. Ab 0,5 m² gehört die Arbeit dagegen in Fachhände, sonst verteilen sich Sporen im ganzen Haus.

Bei hohen CO₂-Werten

Hier steckt selten ein Schadstoff hinter dem Wert, sondern ein Problem mit der Lüftung. Ein einfacher CO₂-Sensor im Schlaf- oder Arbeitszimmer zeigt Ihnen, wann Sie lüften müssen, und kostet weniger als 100 Euro. Bleibt der Wert trotz Stoßlüften dauerhaft über 1.000 ppm, ist eine technische Lüftung folglich die verlässlichere Lösung.

Mieter und Vermieter: Wer zahlt die Analyse?

Bei Mietwohnungen ist die Kostenfrage oft strittig. Grundsätzlich müssen Sie als Mieter den Mangel zuerst schriftlich anzeigen und dem Vermieter Zeit zur Prüfung geben. Erst wenn der Vermieter untätig bleibt, kommt eine Erstattung der Kosten in Betracht.

Die Ursache entscheidet über die Rechnung

Wer am Ende zahlt, richtet sich nach der Ursache. Liegt ein Baumangel vor, trägt der Vermieter die Kosten für Bericht und Beseitigung. Ist das Lüften und Heizen nachweislich die Ursache, geht die Rechnung dagegen an den Mieter. Weil diese Beweisfrage oft vor Gericht landet, sollten Sie im Streitfall von Anfang an einen neutralen Gutachter einschalten und keinen Selbsttest nutzen. Rechtliche Einzelfragen klärt allerdings nur ein Anwalt – wir bewerten die bauliche und die energetische Seite.

Fazit

Eine Raumluftanalyse ist ein starkes Werkzeug, sofern sie eine klare Frage beantwortet. Für den ersten Verdacht auf ausgasende Möbel genügt ein Labor-Set ab rund 60 Euro. Bei Schimmel, bei Beschwerden oder bei Streit mit dem Vermieter führt der Weg dagegen über einen neutralen Gutachter mit Kosten zwischen etwa 300 und 1.500 Euro. Die Zahlen bewerten Sie anschließend anhand der Richt- und Leitwerte des Umweltbundesamtes, nicht nach Bauchgefühl.

Entscheidend bleibt jedoch der zweite Schritt. Ohne Suche nach der Ursache an Feuchte, Hülle und Luftwechsel wiederholt sich das Problem. Gerade nach einer Sanierung lohnt sich deshalb der Blick auf das Lüftungskonzept, bevor Sie in weitere Messungen investieren. Unser Team prüft das für Sie – von der Bewertung Ihres Messwerts bis zur passenden Lösung für die Lüftung.

Weiterführende Artikel: Lüftungskonzept nach DIN 1946-6, Schimmelsanierung und Warum beschlagen Fenster von innen?

Häufige Fragen zur Raumluftanalyse

Kosten, Anbieter und Ablauf

Was kostet eine Raumluftanalyse?

Ein Labor-Set zum Selbstsammeln kostet für Wohnräume je nach Umfang rund 60 bis 400 Euro. Ein Standardset liegt bei etwa 150 bis 250 Euro. Kommt ein Gutachter ins Haus, zahlen Sie für einen Termin mit mündlicher Einschätzung ungefähr 150 bis 400 Euro. Ein schriftlicher Bericht für eine kleine Fläche kostet dagegen rund 300 bis 700 Euro. Für eine ganze Wohnung mit Laborproben sind es etwa 800 bis 1.500 Euro. Alle Angaben sind Richtwerte und hängen von der Zahl der Proben, der Region und dem Aufwand ab.

Wer macht eine Raumluftanalyse?

Die Auswertung übernehmen geprüfte Labore. Sie senden Ihnen entweder ein Set zu oder arbeiten mit einem Gutachter zusammen. Vor Ort messen zudem Baubiologen, Gutachter für Schadstoffe in Innenräumen sowie Fachleute für Schimmel. Achten Sie darauf, dass der Gutachter neutral ist und die Sanierung nicht selbst verkauft. Für Radon führt das Bundesamt für Strahlenschutz außerdem eine Liste anerkannter Messstellen.

Welche Werte werden bei einer Raumluftmessung gemessen?

Standard sind flüchtige organische Stoffe als Summenwert (TVOC), Formaldehyd, Temperatur und relative Luftfeuchte. Je nach Verdacht kommen Schimmelsporen, Feinstaub, CO₂, Weichmacher, Holzschutzmittel, PCB oder Radon hinzu. Welche Werte sinnvoll sind, richtet sich nach Baujahr, Nutzung und den Beschwerden.

Wie lange dauert eine Raumluftanalyse?

Die Probe dauert je nach Verfahren wenige Stunden bis mehrere Tage. Sammler für VOC bleiben häufig 24 Stunden bis eine Woche im Raum. Danach liegt das Ergebnis meist nach ein bis drei Wochen vor. Eine Messung von Radon braucht dagegen zwölf Monate, denn nur der Mittelwert über ein Jahr lässt sich mit dem Referenzwert vergleichen.

Kann ich die Raumluft selbst messen?

Ja, für eine erste Orientierung. Labor-Sets mit Sammler liefern verlässliche Werte, sofern Sie die Anleitung zur Vorlaufzeit und zum Standort genau einhalten. Günstige Handgeräte aus dem Baumarkt zeigen dagegen nur grobe Summenwerte und eignen sich nicht zum Vergleich mit Richtwerten. Bei Schimmel, Beschwerden und Streitfällen ist ein Gutachter daher die bessere Wahl.

Richtwerte, Recht und Sanierung

Gibt es Grenzwerte für die Raumluft in Wohnungen?

Feste Grenzwerte wie am Arbeitsplatz gibt es für Wohnräume nicht. Maßgeblich sind die Richt- und Leitwerte des Ausschusses für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt, etwa 0,1 mg/m³ für Formaldehyd und 1.000 ppm als Leitwert für CO₂. Für Radon nennt das Strahlenschutzgesetz zudem einen Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter im Mittel über ein Jahr.

Ab welcher Fläche muss Schimmel vom Fachbetrieb entfernt werden?

Der Schimmelleitfaden des Umweltbundesamtes von 2024 kennt drei Stufen. Bis 20 cm² gilt der Befall als klein und oberflächlich, bis 0,5 m² als klein bis mittel. Beide Stufen dürfen Sie selbst beseitigen. Ab 0,5 m² liegt dagegen ein großer Befall vor. Dann sollte ein Fachbetrieb mit passender Technik ran, damit sich keine Sporen im Haus verteilen.

Zahlt der Vermieter die Raumluftanalyse?

Zeigen Sie den Mangel zuerst schriftlich an und setzen Sie eine Frist. Bleibt der Vermieter untätig, können Sie einen Bericht beauftragen und die Kosten unter Umständen zurückverlangen. Wer endgültig zahlt, entscheidet die Ursache: Bei einem Baumangel trägt der Vermieter die Kosten, bei nachweislich falschem Lüften und Heizen dagegen der Mieter. Rechtliche Einzelfragen sollten Sie anwaltlich klären lassen.

Warum ist die Raumluft nach einer Sanierung oft schlechter?

Neue Fenster und eine gedämmte Fassade machen das Haus dicht. Der ungewollte Luftwechsel über Fugen fällt weg. Deshalb bleiben Feuchte, CO₂ und Gase aus Möbeln länger im Raum. Bei größeren Eingriffen verlangt die DIN 1946-6 daher ein Lüftungskonzept. Es weist nach, wie der Schutz vor Feuchte gesichert wird. Reicht Fensterlüftung nicht, braucht es folglich eine technische Lüftung.

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