Es gibt einen Ratschlag zum Kriechkeller, der sich hartnäckig hält und in der Sache falsch ist: „Im Sommer gut durchlüften, dann trocknet er ab.” Genau dadurch wird er nass.
Warme Sommerluft trägt viel Wasser. Trifft sie auf Flächen von 13 oder 14 Grad, fällt dieses Wasser aus. Wer an heißen Tagen die Klappen öffnet, pumpt Feuchte in den Raum, statt sie herauszuholen. Dieser Beitrag erklärt, was stattdessen zu tun ist, und was ein Kriechkeller sonst noch mitbringt.
- Niedriger Hohlraum unter der Decke, oft ohne festen Boden.
- Die größte Gefahr ist Schwitzwasser im Sommer, nicht im Winter.
- Eine Abdeckung des Erdbodens bringt meist mehr als jede Lüftung.
- Über einer Holzbalkendecke darf nicht dicht gedämmt werden.
- Der Raum ist ein typischer Eintrittsweg für Radon aus dem Boden.
- Die Dämmung der Kellerdecke wird mit 15 Prozent bezuschusst.
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Was ein Kriechkeller ist
Gemeint ist ein flacher Hohlraum zwischen Erdreich und unterster Decke. Die lichte Höhe liegt meist zwischen 60 Zentimetern und gut einem Meter. Man kommt hinein, aber nicht aufrecht.
Gebaut wurde er aus guten Gründen. Er spart gegenüber einem Vollkeller, er gleicht Hanglagen aus, er nimmt Leitungen auf, und unter einer Holzbalkendecke sollte er früher für Luft sorgen. Ein Kriechkeller hat oft keine Bodenplatte, sondern nur gestampften Boden oder eine dünne Magerbetonschicht.
Das Sommerproblem in Zahlen
Die Physik dahinter ist einfach und lässt sich nachrechnen.
| Außenluft | Taupunkt | Fläche im Kriechkeller | Folge |
|---|---|---|---|
| 20 °C, 80 % Feuchte | 16,4 °C | 14 °C | ✗ Schwitzwasser |
| 25 °C, 70 % Feuchte | 19,1 °C | 14 °C | ✗ Schwitzwasser |
| 28 °C, 75 % Feuchte | 23,2 °C | 14 °C | ✗ Schwitzwasser |
| 5 °C, 85 % Feuchte | 2,7 °C | 10 °C | ✓ trocknet ab |
Lesen Sie die letzte Zeile. Im Winter funktioniert das Lüften, weil die kalte Außenluft wenig Wasser trägt und die Flächen wärmer sind als ihr Taupunkt. Im Sommer kehrt sich das um.
Feste Lüftungsgitter, die ganzjährig offen stehen, holen genau an den schwülen Tagen die meiste Feuchte herein. Wenn gelüftet werden muss, dann geregelt: Ein kleiner Ventilator läuft nur, wenn die Außenluft trockener ist als die Luft im Kriechkeller. Solche Steuerungen kosten wenige hundert Euro.
Die wirksamste Maßnahme liegt am Boden
Solange der Erdboden offen liegt, verdunstet er ständig. Je nach Standort sind das mehrere Liter pro Tag und hundert Quadratmeter. Diese Menge bekommt keine Lüftung weg.
Eine Abdeckung aus dichter Bahn unterbricht das. Fachgerecht heißt: überlappend verlegt, die Stöße verklebt, an den Umfassungswänden ein Stück hochgeführt und dort angeschlossen, gegen Verrutschen beschwert. Wo es später begangen wird, kommt eine Schutzlage darüber.
Danach sinkt die Feuchte im Raum meist innerhalb weniger Wochen deutlich. Erst wenn das erledigt ist, lohnt es sich, über Dämmung und Lüftung nachzudenken.
- stoppt die Verdunstung
- dichte Bahn, Stöße verklebt
- an den Wänden hochführen
- warme Füße im Erdgeschoss
- förderfähig mit 15 Prozent
- bei Holzbalken nicht dicht
- Ventilator mit Fühlern
- läuft nur bei trockener Außenluft
- feste Gitter sind schädlich
- Wände und Boden dämmen
- Raum bleibt geschlossen
- Radon vorher messen
Die Kellerdecke dämmen
Über einem Kriechkeller ist der Fußboden im Erdgeschoss meist spürbar kühl. Eine alte Decke ohne Dämmung kommt leicht auf Werte über 1,5 W/(m²·K). Gefordert werden für eine Förderung höchstens 0,25.
Üblich sind drei Wege: Platten von unten ankleben und dübeln, eine Unterkonstruktion mit Mineralwolle, oder ein aufgespritzter Schaum. Der Schaum ist dort stark, wo Leitungen und Unebenheiten jede Platte unmöglich machen. Er verlangt aber einen Betrieb, der ihn beherrscht.
Liegt über dem Kriechkeller eine Decke aus Holzbalken, darf von unten keine dampfdichte Schicht aufgebracht werden. Feuchte, die von oben in den Aufbau wandert, kann sonst nicht mehr heraus, und die Balkenköpfe faulen. Hier gehört die dichtere Schicht nach innen, also raumseitig, und nach unten eine Lage, die Dampf durchlässt.
Radon: der unterschätzte Punkt
Radon ist ein Gas aus dem Untergrund. Es dringt durch Risse, Durchführungen und offenen Boden ein, und ein Kriechkeller ist dafür ein idealer Weg.
Das Strahlenschutzgesetz nennt einen Referenzwert von 300 Becquerel je Kubikmeter im Jahresmittel für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze. Das ist kein Grenzwert, sondern eine Schwelle, ab der gehandelt werden soll.
In Baden-Württemberg sind 29 Gemeinden im südlichen Schwarzwald als Vorsorgegebiet ausgewiesen. Erhöhte Werte gibt es aber auch außerhalb. Eine Messung über zwölf Monate mit einfachen Dosen kostet pro Raum einen zweistelligen Betrag und ist die einzige belastbare Auskunft.
Praktisch hilft dasselbe, was gegen Feuchte hilft: den Boden dicht abdecken, Durchführungen schließen, Fugen zur Decke abdichten. Wer den Raum zusätzlich leicht unter Unterdruck setzt, lenkt das Gas nach außen.
Was das Gesetz verlangt, und was nicht
Hier kursieren Missverständnisse, die Geld kosten.
Eine Nachrüstpflicht gibt es für die oberste Geschossdecke, also oben unter dem Dach. Für die Kellerdecke besteht keine solche Pflicht. Sie müssen den Kriechkeller also nicht dämmen.
Sobald Sie aber ohnehin daran arbeiten, greifen die Anforderungen an geänderte Bauteile. Erneuern Sie mehr als zehn Prozent der Fläche eines Bauteils, muss der neue Aufbau die Vorgaben einhalten. Das ist kein Grund, die Finger davon zu lassen, sondern ein Grund, es gleich richtig zu machen.
Förderung und Anforderungen
Die Dämmung zählt zu den Maßnahmen an der Gebäudehülle.
| Bauteil | höchster U-Wert |
|---|---|
| Decke gegen unbeheizte Räume, Kellerdecke | 0,25 |
| Wände gegen Erdreich oder unbeheizte Räume | 0,25 |
| Bodenflächen gegen Erdreich | 0,25 |
| Geschossdecke gegen Außenluft von unten | 0,20 |
Der Zuschuss beträgt 15 Prozent. Liegt ein geförderter Sanierungsfahrplan vor, kommen fünf Punkte dazu. Die Höchstgrenze der anrechenbaren Ausgaben liegt bei 30.000 Euro für die erste Wohneinheit und gilt je Gebäude und Kalenderjahr.
Ein Hinweis, der oft fehlt: Wird das Gebäude durch die Arbeiten dichter, verlangt die Förderung ein Lüftungskonzept. Dazu mehr in unserem Beitrag zum Lüftungskonzept.
So prüfen Sie Ihren Kriechkeller
Eine Bestandsaufnahme dauert einen Vormittag und klärt fast alles.
- Deckenart feststellen: Beton oder Holzbalken. Das entscheidet über alles Weitere.
- Boden ansehen: Erdreich, Schotter, Magerbeton oder Platte mit Abdichtung.
- Feuchte messen, über mehrere Wochen und mit zwei Fühlern, einer drinnen, einer draußen.
- Holzbauteile auf weiche Stellen prüfen, besonders an den Auflagern.
- Durchführungen für Leitungen und Risse notieren.
- Bei Verdacht eine Messung auf Radon starten.
Gehen Sie nie allein hinein und sorgen Sie für Licht und frische Luft. In engen, schlecht belüfteten Räumen kann sich die Luft verschlechtern, ohne dass man es merkt.
Was die Maßnahmen kosten
Die Preise hängen stark davon ab, wie gut man hineinkommt.
| Maßnahme | Spanne |
|---|---|
| Boden abdecken, Bahn verlegt und angeschlossen | 25 – 55 € je m² |
| Kellerdecke mit Platten dämmen | 40 – 80 € je m² |
| Decke mit aufgespritztem Schaum dämmen | 60 – 120 € je m² |
| Geregelte Lüftung mit zwei Fühlern | 600 – 1.800 € |
| Messung auf Radon, zwei Räume, ein Jahr | 60 – 120 € |
Bei sehr niedriger Höhe steigen die Preise spürbar, weil jeder Handgriff im Liegen passiert. Betriebe rechnen das meist über einen Zuschlag ab. Fragen Sie danach, bevor Sie Angebote vergleichen.
Wenn Leitungen im Kriechkeller liegen
Sehr oft laufen dort Wasser-, Abwasser- und Heizungsrohre. Das bringt zwei Punkte mit sich.
Erstens frieren Wasserleitungen in einem belüfteten Kriechkeller leichter ein als gedacht. Zweitens verlieren ungedämmte Heizungsrohre genau dort Wärme, wo niemand sie braucht. Für Rohre in unbeheizten Räumen gibt es eine eigene Pflicht zur Dämmung, und sie ist mit Bußgeld bewehrt.
Praktisch heißt das: Bevor die Decke geschlossen wird, gehören die Rohre gedämmt und die Absperrungen zugänglich gemacht. Später kommt niemand mehr heran, ohne die neue Dämmung zu zerstören.
Der Zugang entscheidet mit
Viele Kriechkeller haben nur eine kleine Klappe, oft in einer Abstellkammer. Wer dort später messen, prüfen oder nachbessern will, braucht einen Zugang, der diesen Namen verdient.
Planen Sie eine Öffnung von mindestens 60 mal 80 Zentimetern ein, dicht schließend und mit einer Dämmung in der Klappe selbst. Sonst entsteht ausgerechnet am Zugang die kälteste Stelle der ganzen Decke, und dort setzt sich die Feuchte ab.
Drei Fehler, die teuer werden
Sie wiederholen sich in fast jedem geprüften Objekt.
Erstens: lüften statt abdecken. Die Lüftung wird eingebaut, der Boden bleibt offen, und die Feuchte kommt zurück. Zweitens: dicht dämmen über Holz. Nach wenigen Jahren sind die Balkenköpfe weich. Drittens: den Raum halb in die Hülle holen. Die Decke wird gedämmt, die Wände bleiben kalt, und die Feuchte wandert einfach an die nächste kühle Stelle.
Wer dabei unterstützt
Ein Kriechkeller ist ein bauphysikalisches Thema, kein Handwerksthema. Die Frage ist nicht, welches Material verbaut wird, sondern wo die warme Hülle verlaufen soll. Erst daraus ergibt sich der Aufbau.
Wir klären diese Grenze, rechnen den Aufbau durch und prüfen die Förderung. Für bauliche Eingriffe am Bestand arbeiten wir mit Garnisch + Werndle zusammen.
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Häufige Fragen
Feuchte und Lüftung
Dämmung, Radon und Förderung
Beim Kriechkeller entscheidet eine einzige Frage über den gesamten Aufbau: Liegt er innerhalb oder außerhalb der warmen Hülle? Wir klären das vor Ort, messen die Feuchte über mehrere Wochen und legen die Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge fest.

