Ihre Heizkostenabrechnung liegt auf dem Tisch – und Sie fragen sich, ob 1.900 Euro für Ihr Haus normal sind oder viel zu hoch. Genau dafür gibt es den Heizspiegel: eine bundesweite Statistik, die Ihnen zeigt, wie Ihr Verbrauch im Vergleich zu ähnlichen Gebäuden dasteht. Wir erklären Ihnen deshalb, welche Werte aktuell gelten, wie Sie Ihre eigenen Zahlen richtig einordnen und welche Maßnahmen wirklich etwas bringen, sofern Ihr Verbrauch über dem Durchschnitt liegt. Denn eine Zahl allein hilft nicht weiter – erst der Vergleich zeigt, ob sich eine Energieberatung für Sie lohnt.
- Der Heizspiegel ist die bundesweite Vergleichsstatistik für Heizkosten und Heizenergieverbrauch – erstellt von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online mit dem Deutschen Mieterbund, seit 2005 jährlich.
- Die Werte stufen Ihren Verbrauch in niedrig, mittel oder erhöht ein – getrennt nach Energieträger, Gebäudetyp und Wohnfläche.
- Aktuell gilt der Heizspiegel 2025 mit den Daten aus dem Abrechnungsjahr 2024. Die Ausgabe mit den 2025er-Daten erscheint erst im Herbst 2026.
- Am günstigsten heizen Haushalte mit Pellets und Wärmepumpe, am teuersten mit Fernwärme und Heizöl – der Abstand liegt bei über 900 Euro im Jahr.
- Rund 90 Prozent der Haushalte könnten laut Heizspiegel etwa 400 Euro pro Jahr sparen. Die größten Hebel sind Heizungsoptimierung, Dämmung und der Heizungstausch.
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Was der Heizspiegel ist und wer ihn erstellt
Der Heizspiegel für Deutschland ist eine jährliche Statistik zu Heizkosten, Heizenergieverbrauch und CO₂-Ausstoß von Wohngebäuden. Herausgeber ist die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Mieterbund; gefördert wird das Projekt aus Bundesmitteln. Die Auswertung beruht außerdem auf rund 90.000 Datensätzen zentral beheizter Wohngebäude, ergänzt um regionale Wetter- und Preisdaten.
Wichtig für die Einordnung: Der Heizspiegel ist keine Behörde und kein Gesetz, sondern eine Vergleichsstatistik. Trotzdem gilt er als Referenz, weil die Datenbasis groß und die Methodik seit Jahren gleich ist. Deshalb greifen auch Verbraucherzentralen, Mietervereine und Energieagenturen auf die Werte zurück, wenn es um die Frage geht, was ein normaler Verbrauch ist.
Heizspiegel und Mietspiegel – der gleiche Gedanke
Der Vergleich zum Mietspiegel liegt nahe und passt gut: So wie der Mietspiegel zeigt, was eine Wohnung in einer Lage üblicherweise kostet, zeigt der Heizspiegel, was das Heizen einer Wohnung oder eines Hauses üblicherweise kostet. Sie sehen also nicht, was Sie zahlen müssen, sondern was vergleichbare Haushalte tatsächlich gezahlt haben. Daraus ergibt sich der eigentliche Nutzen: Sie erkennen, ob Ihr Gebäude im Rahmen liegt oder deutlich aus dem Rahmen fällt.
Kommunaler Heizspiegel für einzelne Städte
Neben der bundesweiten Fassung gibt es kommunale Heizspiegel für einzelne Städte, Gemeinden und Landkreise. Sie sind genauer, weil sie regionale Temperaturen und örtliche Energiepreise einrechnen. Ein Haus in Stuttgart braucht bei gleicher Bauweise nämlich weniger Heizenergie als eines im Bayerischen Wald. Kommunen können so einen Heizspiegel bei co2online beauftragen. Allerdings gibt es ihn längst nicht für jeden Ort – dann nutzen Sie die Bundeswerte und behalten die regionale Abweichung im Kopf.
- gemeinnützig, nicht staatlich
- mit Deutschem Mieterbund
- jährlich seit 2005
- zentral beheizte Wohnhäuser
- Wetterdaten je Region
- echte Abrechnungen
- Heizkosten in Euro
- Verbrauch in kWh
- CO₂ in Kilogramm
- niedrig, mittel, erhöht
- Grundlage für Sparplan
- Prüfung der Abrechnung
Heizspiegel 2026: Welche Ausgabe gerade gilt
Hier gibt es eine häufige Verwechslung, die wir kurz aufräumen: Der Heizspiegel erscheint immer im Herbst und trägt das Jahr der Veröffentlichung – die Daten darin sind aber ein Jahr älter. Der aktuell gültige Heizspiegel 2025 wurde im Herbst 2025 veröffentlicht und wertet das Abrechnungsjahr 2024 aus. Die Ausgabe mit den Verbrauchsdaten aus 2025 kommt voraussichtlich im Herbst 2026 heraus.
Wenn Sie also im Sommer 2026 nach dem „Heizspiegel 2026″ suchen, arbeiten Sie mit den 2024er-Werten und der Prognose für 2025. Das ist kein Nachteil, solange Sie die Preisentwicklung mitdenken. Genau dafür veröffentlicht co2online zusammen mit den Ist-Werten eine Kostenprognose für das laufende Jahr.
Die Prognose: Gas und Pellets ziehen an
Für 2025 rechnete co2online mit Preissteigerungen von bis zu 20 Prozent. Am stärksten betroffen waren Holzpellets mit etwa 20 Prozent und Erdgas mit rund 15 Prozent. Deutlich moderater fielen die Aufschläge bei Wärmepumpen (etwa 5 Prozent), Heizöl (etwa 3 Prozent) und Fernwärme (etwa 2 Prozent) aus. Damit verschiebt sich die Rangfolge: Die Wärmepumpe rückt weiter nach vorn, Pellets verlieren ihren großen Preisvorsprung. Ob die Prognose eingetroffen ist, zeigt erst die nächste Ausgabe mit den Ist-Werten für 2025.
| Heizsystem | 70 m² Wohnung 2024 | 70 m² Wohnung 2025 (Prognose) | 130 m² Haus 2024 | 130 m² Haus 2025 (Prognose) |
|---|---|---|---|---|
| Erdgas | 1.030 € | 1.180 € | 1.770 € | 2.070 € |
| Heizöl | 1.030 € | 1.055 € | 2.130 € | 2.180 € |
| Fernwärme | 1.225 € | 1.245 € | 1.975 € | 2.005 € |
| Wärmepumpe | 680 € | 715 € | 1.195 € | 1.265 € |
| Holzpellets | 615 € | 740 € | 1.145 € | 1.455 € |
Die Zahlen gelten für eine 70 m² große Wohnung im Mehrfamilienhaus und ein Einfamilienhaus mit 130 m², jeweils inklusive Heiznebenkosten wie Wartung und Schornsteinfeger. Ihr eigener Wert kann je nach Dämmung, Region und Heizverhalten stark abweichen.
Heizkosten pro Quadratmeter im Vergleich
Für den schnellen Abgleich rechnen Sie am besten mit dem Wert pro Quadratmeter. Sie teilen Ihre Jahresheizkosten einfach durch die beheizte Wohnfläche und vergleichen das Ergebnis. Im Einfamilienhaus lagen die Werte 2024 zwischen 8,80 Euro pro Quadratmeter bei Pellets und 16,40 Euro bei Heizöl. Damit zahlt ein ölbeheiztes Haus fast das Doppelte pro Quadratmeter.
Der Grund liegt nicht nur am Preis pro Kilowattstunde, sondern vor allem am Verbrauch. Ölheizungen stecken überwiegend in älteren, schlechter gedämmten Häusern – deshalb verbrauchen sie mit 165 Kilowattstunden pro Quadratmeter fast fünfmal so viel Heizenergie wie eine Wärmepumpe mit 36 Kilowattstunden. Die Wärmepumpe nutzt Strom nämlich nicht direkt zum Heizen, sondern verschiebt Umweltwärme ins Haus.
| Energieträger | Preis pro kWh (2024) | Verbrauch im Haus (130 m²) | Heizkosten pro Jahr | Kosten pro m² |
|---|---|---|---|---|
| Holzpellets | 5,7 Cent | 19.240 kWh | 1.145 € | ✓ 8,80 € |
| Wärmepumpe | 25,6 Cent | 4.680 kWh | 1.195 € | ✓ 9,20 € |
| Fernwärme | 16,7 Cent | 11.570 kWh | 1.975 € | ~ 15,20 € |
| Erdgas | 11,0 Cent | 15.730 kWh | 1.770 € | ~ 13,60 € |
| Heizöl | 9,9 Cent | 21.450 kWh | 2.130 € | ✗ 16,40 € |
An dieser Tabelle sehen Sie den entscheidenden Zusammenhang: Ein niedriger Preis pro Kilowattstunde nützt wenig, wenn der Verbrauch hoch ist. Die Wärmepumpe hat den mit Abstand teuersten Arbeitspreis – und liegt trotzdem im günstigsten Bereich, weil sie aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme macht. Wer über einen Umstieg von der Gasheizung auf eine Wärmepumpe nachdenkt, sollte deshalb immer den Verbrauch und nicht nur den Strompreis rechnen.
Sind Ihre Heizkosten niedrig, mittel oder erhöht?
Jetzt zum Kern des Heizspiegels: der Einordnung. Für jeden Energieträger gibt es drei Schwellen – niedrig, mittel und erhöht. Liegen Sie beim mittleren Wert, heizen Sie wie der Durchschnitt. Erreichen Sie den erhöhten Wert, verbrauchen Sie deutlich mehr als vergleichbare Haushalte, und es lohnt sich, die Ursachen zu suchen.
| Einfamilienhaus, 130 m² (2024) | niedrig | mittel | erhöht |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 895 € | 1.770 € | 3.015 € |
| Heizöl | 1.285 € | 2.130 € | 3.395 € |
| Fernwärme | 830 € | 1.975 € | 4.225 € |
| Wärmepumpe | 665 € | 1.195 € | 2.745 € |
| Holzpellets | 570 € | 1.145 € | 1.925 € |
| Wohnung im Mehrfamilienhaus, 70 m² (2024) | niedrig | mittel | erhöht |
|---|---|---|---|
| Erdgas | 630 € | 1.030 € | 1.560 € |
| Heizöl | 720 € | 1.030 € | 1.540 € |
| Fernwärme | 545 € | 1.225 € | 2.065 € |
| Wärmepumpe | 440 € | 680 € | 1.380 € |
| Holzpellets | 405 € | 615 € | 930 € |
So gehen Sie beim Abgleich vor
- Jahreskosten und Fläche zusammenstellen: Nehmen Sie die Heizkosten eines vollen Abrechnungsjahres inklusive Nebenkosten und die beheizte Wohnfläche in Quadratmetern.
- Auf die Vergleichsgröße umrechnen: Teilen Sie die Kosten durch die Fläche. Das Ergebnis in Euro pro Quadratmeter lässt sich direkt mit den Heizspiegel-Werten vergleichen.
- Richtige Zeile wählen: Achten Sie darauf, dass Energieträger und Gebäudetyp passen – Wohnung im Mehrfamilienhaus und Einfamilienhaus haben unterschiedliche Vergleichswerte.
- Abweichung bewerten: Liegen Sie über dem mittleren Wert, notieren Sie die Differenz in Euro. Diese Summe ist Ihr grobes Sparpotenzial pro Jahr.
- Ursachen klären: Bei deutlicher Abweichung prüfen wir im Rahmen einer Energieberatung Dämmung, Anlagentechnik und Einstellungen – und sagen Ihnen, welche Maßnahme sich zuerst rechnet.
- gut gedämmt oder neu
- Anlage passend eingestellt
- kein Handlungsdruck
- typischer Bestand
- 10–20 % Sparpotenzial
- Optimierung lohnt
- schwache Dämmung
- alte Anlage, falscher Vorlauf
- bis 60 % Sparpotenzial
Was Ihren Verbrauch am stärksten beeinflusst
Die Spannweite im Heizspiegel ist enorm: Beim Gas reicht sie im Haus von 895 bis 3.015 Euro – also mehr als das Dreifache. Diese Unterschiede entstehen kaum durch das Heizverhalten, sondern vor allem durch den Zustand des Gebäudes. Baujahr, Dämmung, Fenster und die Lage der Wohnung wirken viel stärker als ein Grad mehr oder weniger im Wohnzimmer.
Baujahr: der stärkste einzelne Faktor
Die Anforderungen an den Wärmeschutz wurden über die Jahrzehnte immer weiter verschärft. Das schlägt direkt auf die Abrechnung durch, wie die Zahlen für gasbeheizte Einfamilienhäuser zeigen.
| Baujahr des Hauses | Heizkosten (130 m², Gas) | Verbrauch pro Jahr |
|---|---|---|
| vor 1977 | 1.910 € | 17.070 kWh |
| 1977 bis 1983 | 1.820 € | 16.250 kWh |
| 1984 bis 1994 | 1.650 € | 14.770 kWh |
| 1995 bis 2001 | 1.315 € | 11.735 kWh |
| ab 2002 | 1.015 € | 9.060 kWh |
Ein Haus von 1970 verbraucht demnach fast doppelt so viel wie ein Haus von 2005. Wenn Sie ein Gebäude aus dieser Zeit besitzen, ist die Einordnung im Heizspiegel selten das Problem – der Sanierungsstand ist es. Wir haben die typischen Schwachstellen dieser Baujahre in unserem Beitrag zum Thema Wohngebäude vor 1979 sanieren zusammengestellt.
Wohnungslage und Gebäudegröße
Im Mehrfamilienhaus entscheidet die Lage der Wohnung stark mit. Eine Wohnung in der Mitte des Gebäudes verliert wenig Wärme nach außen und profitiert von der Abwärme der Nachbarn. Eine Wohnung im Dachgeschoss oder Erdgeschoss kann dagegen bei gleichem Verhalten bis zu 50 Prozent mehr Heizenergie brauchen. Kleine Häuser verbrauchen aus dem gleichen Grund pro Quadratmeter mehr als große: Sie haben im Verhältnis zum Volumen mehr Außenfläche.
Der Energieausweis nennt den Kennwert Ihres Gebäudes in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Damit vergleichen Sie nicht nur Kosten, sondern den reinen Verbrauch – unabhängig von Preisschwankungen. Wie Sie die Werte deuten, erklären wir im Beitrag Energieausweis richtig lesen.
Heizkosten senken: Wo die größten Hebel liegen
Liegt Ihr Wert über dem Durchschnitt, ist die gute Nachricht: Es gibt fast immer etwas zu holen. Laut Heizspiegel könnten rund 90 Prozent der Haushalte etwa 400 Euro pro Jahr sparen. co2online sortiert die Maßnahmen dabei in drei Stufen – von schnell und günstig bis aufwendig und wirksam.
Stufe 1: schnelle Maßnahmen, rund 10 Prozent
Dazu zählen programmierbare Thermostate, eine passende Raumtemperatur und regelmäßiges Entlüften. In einer Beispielwohnung bringt das etwa 105 Euro im Jahr. Der Aufwand ist gering, die Wirkung sofort spürbar. Wie Sie beim Austausch vorgehen, zeigen wir im Beitrag Thermostat an der Heizung wechseln.
Stufe 2: Optimierung der Anlage, rund 20 Prozent
Hier setzt der hydraulische Abgleich an – die Feineinstellung aller Heizungsventile, damit jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Dazu kommen eine passend eingestellte Pumpe und gedämmte Rohrleitungen. In einer Wohnung sind so rund 205 Euro pro Jahr drin. Für ein Einfamilienhaus liegen die Kosten für den hydraulischen Abgleich bei etwa 650 bis 1.250 Euro, je nach Anzahl der Heizkörper und Zustand der Ventile. Das BAFA fördert die Heizungsoptimierung mit 15 Prozent der Kosten, mit einem geförderten Sanierungsfahrplan sind es bis zu 20 Prozent.
Stufe 3: Modernisierung, rund 60 Prozent
Den größten Hebel haben Dämmung und Heizungstausch. Damit lassen sich in einer Beispielwohnung durchschnittlich 620 Euro pro Jahr einsparen. Im Haus fällt der Effekt oft noch deutlicher aus, weil Dach, Fassade und Keller zusammen den größten Teil der Wärmeverluste ausmachen. Wenn Sie mit der Dämmung der Fassade im Altbau starten, sinkt zugleich die nötige Vorlauftemperatur – also die Temperatur des Heizwassers. Das ist die Voraussetzung dafür, dass eine Wärmepumpe später effizient läuft.
In unseren Projekten in Stuttgart und ganz Deutschland sehen wir häufig, dass zuerst die Heizung getauscht und danach gedämmt wird. Dann ist das neue Gerät zu groß ausgelegt und läuft dauerhaft ineffizient. Sinnvoller ist der umgekehrte Weg: Hülle verbessern, Heizlast nach DIN EN 12831 neu berechnen, dann die Anlage passend dimensionieren.
- programmierbare Thermostate
- Temperatur anpassen
- ca. 105 € pro Jahr
- hydraulischer Abgleich
- Pumpe und Rohre
- ca. 205 € pro Jahr
- Dämmung der Hülle
- Heizungstausch
- ca. 620 € pro Jahr
Heizspiegel-Werte in Ihrer Heizkostenabrechnung
Viele Mieter und Eigentümer wissen nicht, dass Vergleichswerte längst Teil der Abrechnung sein müssen. § 6a Absatz 3 der Heizkostenverordnung verlangt für Abrechnungszeiträume ab dem 1. Dezember 2021 unter anderem den Anteil der eingesetzten Energieträger, die erhobenen Steuern und Abgaben, einen Vergleich mit einem normierten Durchschnittsnutzer derselben Nutzerkategorie und einen grafischen Vergleich Ihres witterungsbereinigten Verbrauchs mit dem vorhergehenden Abrechnungszeitraum. Außerdem müssen Kontaktdaten von Verbraucherorganisationen und Energieagenturen dabeistehen.
Ein wichtiger Unterschied: Die jährlichen Treibhausgasemissionen und der Primärenergiefaktor sind nur bei Fernwärme vorgeschrieben, nicht bei Gas, Öl oder Pellets. Praktisch heißt das: Ihr Abrechnungsdienst liefert Ihnen folglich einen Teil der Einordnung schon mit. Trotzdem lohnt der eigene Blick in den Heizspiegel, weil dort die Schwellen für niedrig, mittel und erhöht sauber getrennt nach Energieträger stehen. Sind bei Ihnen ferngelesene Zähler verbaut, müssen Sie seit Januar 2022 zudem monatliche Verbrauchsinformationen erhalten – dadurch erkennen Sie Ausreißer, bevor die Jahresrechnung kommt.
Bei Fernwärme ist die Spanne besonders groß – im Haus reicht sie von 830 bis 4.225 Euro. Eine Stichprobe von co2online und Finanztip fand Preise zwischen 7,8 und 19,7 Cent pro Kilowattstunde. Vermieter dürfen nach dem Wirtschaftlichkeitsgebot keine unnötig hohen Kosten weitergeben. Ein Blick auf den Arbeitspreis Ihrer Abrechnung lohnt sich deshalb immer.
Warum fossile Heizungen langfristig aus dem Rahmen fallen
Der Heizspiegel zeigt nicht nur die Gegenwart, sondern auch eine klare Richtung. Seit 2026 gilt für den CO₂-Preis kein Festpreis mehr, sondern ein Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne – 2027 ebenfalls. Ab 2028 bildet sich der Preis im europäischen Emissionshandel frei am Markt. Prognosen gehen für 2030 von deutlich höheren Werten aus. Für Gas und Öl bedeutet das steigende Kosten, unabhängig vom Weltmarktpreis.
co2online rechnet für die nächsten 20 Jahre damit, dass Heizkosten für Gas und Öl etwa auf das Dreifache steigen. Ein unsaniertes Einfamilienhaus mit Gasheizung kommt in diesem Zeitraum auf rund 120.000 Euro Heizkosten. Nach energetischer Sanierung und Wechsel auf eine Wärmepumpe sinkt dieser Wert auf etwa 16.000 Euro. Diese Rechnung ist ein Modell und kein Versprechen – die Richtung ist aber eindeutig, und sie deckt sich mit dem, was wir bei der Planung von Heizungsanlagen sehen. Wie sich der Heizungsbestand in Deutschland verschiebt, haben wir separat aufgeschlüsselt.
Förderung für den Heizungstausch
Für den Wechsel auf eine erneuerbare Heizung gibt es einen Zuschuss der KfW im Programm 458. Die Grundförderung liegt bei 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Dazu kommt ein Klimageschwindigkeitsbonus von 16 Prozent – allerdings nur für selbstnutzende Eigentümer, die eine funktionstüchtige Öl-, Kohle-, Gasetagen- oder Nachtspeicherheizung ersetzen oder eine mindestens 20 Jahre alte Gas- oder Biomasseheizung. Hinzu kommt ein Einkommensbonus von bis zu 40 Prozent, gestaffelt nach dem zu versteuernden Einkommen. Insgesamt sind maximal 70 Prozent möglich, bei niedrigem zu versteuerndem Einkommen bis 80 Prozent. Die förderfähigen Kosten sind für die erste Wohneinheit auf 28.000 Euro begrenzt. Wichtig für die Planung: Der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt ab dem 1. Februar 2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte und entfällt ab August 2028 vollständig – wer wechseln will, fährt früher besser. Alle Details stehen auf der Seite der KfW zur Heizungsförderung.
Beim KfW-Zuschuss brauchen Sie zum Antrag bereits einen Liefer- oder Leistungsvertrag, dessen Wirksamkeit von der Förderzusage abhängt. Fehlt diese Klausel, gilt der Vertragsabschluss als förderschädlicher Beginn des Vorhabens – nachträglich einfügen ist nicht erlaubt. Der Ablauf lautet also: Vertrag mit Förder-Klausel, Bestätigung zum Antrag erstellen lassen, Antrag stellen, erst nach der Zusage umsetzen.
Fazit
Der Heizspiegel ist das einfachste Werkzeug, um eine Zahl auf der Abrechnung in eine Aussage zu verwandeln. Sie rechnen Ihre Jahreskosten auf den Quadratmeter herunter, suchen die Zeile für Ihren Energieträger und wissen, ob Sie sparsam, durchschnittlich oder deutlich zu teuer heizen. Wichtig bleibt, dass die aktuelle Ausgabe die Daten aus dem Abrechnungsjahr 2024 zeigt und die Preise seither gestiegen sind – rechnen Sie deshalb einen Aufschlag mit.
Liegt Ihr Wert über dem Durchschnitt, folgt der zweite Schritt: die Ursachen finden. Ob sich zuerst die Heizungsoptimierung, die Dämmung oder direkt der Heizungstausch rechnet, hängt vom Zustand Ihres Gebäudes ab. Genau das klären wir mit einem individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) – inklusive Reihenfolge, Kosten und Förderung. Weiterführend interessant sind zudem unsere Beiträge zum hydraulischen Abgleich und zur Umrüstung von Gas auf Wärmepumpe.
Häufige Fragen zum Heizspiegel und zu Vergleichswerten
Der Heizspiegel ist eine bundesweite Vergleichsstatistik für Heizkosten, Heizenergieverbrauch und CO₂-Emissionen von Wohngebäuden. Er wird jährlich von der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online zusammen mit dem Deutschen Mieterbund veröffentlicht und beruht auf rund 90.000 Datensätzen. Sie können damit prüfen, ob Ihr Verbrauch niedrig, mittel oder erhöht ist.
Herausgeber ist co2online, eine gemeinnützige Beratungsgesellschaft, in Kooperation mit dem Deutschen Mieterbund. Außerdem wird das Projekt aus Bundesmitteln gefördert. Der Heizspiegel erscheint seit 2005 jährlich, meist im Oktober.
Aktuell gilt der Heizspiegel 2025, veröffentlicht im Herbst 2025 mit den Daten aus dem Abrechnungsjahr 2024. Die nächste Ausgabe mit den Verbrauchswerten aus 2025 erscheint voraussichtlich im Herbst 2026. Der Name bezieht sich also immer auf das Jahr der Veröffentlichung, nicht auf das Datenjahr.
Ein kommunaler Heizspiegel gilt für eine einzelne Stadt, Gemeinde oder einen Landkreis. Er rechnet regionale Temperaturen und örtliche Energiepreise ein und ist deshalb genauer als die Bundeswerte. Städte und Landkreise können ihn bei co2online beauftragen. Gibt es für Ihren Ort keinen, nutzen Sie die bundesweiten Werte als Näherung.
Der Energieausweis bewertet Ihr konkretes Gebäude und nennt einen Kennwert in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Der Heizspiegel liefert dagegen Vergleichswerte aus vielen Gebäuden, inklusive Kosten in Euro. Beides ergänzt sich: Der Ausweis zeigt den Zustand, der Heizspiegel den Abstand zum Durchschnitt.
Häufige Fragen zu Heizkosten und Sparmaßnahmen
Im Einfamilienhaus lagen die Werte 2024 zwischen 8,80 Euro pro Quadratmeter bei Holzpellets und 16,40 Euro bei Heizöl. Erdgas lag bei 13,60 Euro, Fernwärme bei 15,20 Euro, die Wärmepumpe bei 9,20 Euro. Rechnen Sie für 2025 und 2026 jedoch einen Aufschlag ein.
Am günstigsten waren 2024 Holzpellets und Wärmepumpe, am teuersten Heizöl und Fernwärme. Weil Pellets 2025 laut Prognose aber um rund 20 Prozent zulegten, rückt die Wärmepumpe nach vorn. Sie liegt trotz des höchsten Arbeitspreises günstig, denn aus einer Kilowattstunde Strom entstehen drei bis vier Kilowattstunden Wärme.
Der hydraulische Abgleich senkt den Verbrauch meist um 10 bis 15 Prozent. Für ein Einfamilienhaus liegen die Kosten bei etwa 650 bis 1.250 Euro, also je nach Anzahl der Heizkörper. Das BAFA fördert die Heizungsoptimierung zudem mit 15 Prozent.
Meist liegt es am Gebäude und nicht am Verhalten. Schwache Dämmung, alte Fenster, ein hoher Vorlauf und eine falsch eingestellte Anlage treiben den Verbrauch. Außerdem spielt die Lage der Wohnung mit: Dach- und Erdgeschoss brauchen bis zu 50 Prozent mehr als eine Wohnung in der Mitte. Bei großer Abweichung lohnt deswegen eine Analyse vor Ort.
Ja. § 6a Absatz 3 der Heizkostenverordnung verlangt unter anderem den Anteil der eingesetzten Energieträger, die erhobenen Steuern und Abgaben, einen Vergleich mit einem normierten Durchschnittsnutzer derselben Nutzerkategorie sowie einen grafischen Vergleich mit dem vorhergehenden Abrechnungszeitraum. Treibhausgasemissionen und Primärenergiefaktor sind dagegen nur bei Fernwärme Pflicht.


