Eine Dampfbremse kostet zwei bis fünf Euro pro Quadratmeter – und entscheidet darüber, ob Ihre Dachdämmung 40 Jahre hält oder nach acht Jahren als Feuchteschaden herausgerissen werden muss. Kaum ein Bauteil ist so billig und so folgenschwer. Dazu kommt die Begriffsverwirrung: Dampfbremse und Dampfsperre werden oft synonym verwendet, sind aber zwei verschiedene Dinge mit unterschiedlichen Einsatzgebieten. Wir erklären den Unterschied, zeigen Ihnen den richtigen Einbau und benennen die Fehler, die in unseren Sanierungsprojekten immer wieder für Schäden sorgen.
- Der Unterschied liegt allein im sd-Wert: Eine Dampfbremse liegt zwischen 0,5 und 1.500 m, eine Dampfsperre bei 1.500 m und mehr.
- Im Steildach und in der Holzbauwand ist heute fast immer die Dampfbremse richtig – sie ist fehlertoleranter, weil eingedrungene Feuchte wieder austrocknen kann.
- Feuchtevariable Bahnen sind der aktuelle Standard: Im Winter dicht mit sd bis 25 m, im Sommer offen mit sd um 0,25 m.
- Wichtiger als der sd-Wert ist die luftdichte Verklebung. Eine 1 mm breite Fuge lässt rund 1.600-mal mehr Feuchte in die Konstruktion als die Diffusion durch die intakte Bahn.
- Material kostet 0,50 bis 5,50 € pro Quadratmeter, die fachgerechte Verlegung mit Systemzubehör 10 bis 20 € pro Quadratmeter.
- Die Bahn gehört immer auf die warme Raumseite der Dämmung – ein Einbau auf der kalten Seite schließt die Feuchte ein.
Kostenlose Beratung zum Feuchteschutz anfragen Zur Energieberatung
Dampfbremse oder Dampfsperre: der Unterschied in einem Satz
Beide Bahnen haben dieselbe Aufgabe – sie sollen verhindern, dass Wasserdampf aus der Raumluft in die Dämmung wandert und dort kondensiert. Sie unterscheiden sich nur darin, wie konsequent sie das tun. Eine Dampfbremse verlangsamt den Wasserdampf, eine Dampfsperre stoppt ihn praktisch vollständig.
Warum das überhaupt nötig ist: Warme Raumluft nimmt viel mehr Feuchtigkeit auf als kalte. Bei 20 °C und 50 % relativer Luftfeuchte enthält ein Kubikmeter Luft rund 8,6 Gramm Wasser. Kühlt diese Luft in der Dämmung auf 5 °C ab, kann sie nur noch etwa 6,8 Gramm halten – der Rest fällt als Kondensat aus. In einer nassen Dämmung sinkt die Dämmwirkung dramatisch, Holz beginnt zu faulen und Schimmel findet ideale Bedingungen. Wie nah Ihr Aufbau an dieser Grenze liegt, lässt sich über den Taupunkt berechnen.
| Merkmal | Dampfbremse | Dampfsperre |
|---|---|---|
| sd-Wert | 0,5 bis 1.500 m | ab 1.500 m |
| Einordnung nach DIN 4108-3 | diffusionshemmend | diffusionsdicht |
| Typische Materialien | PE- und PA-Folien, Vliese, Verbundbahnen | Aluminiumverbund, Bitumenbahnen, Glas |
| Rücktrocknung möglich | ✓ Ja | ✗ Nein |
| Fehlertoleranz | ✓ Hoch | ✗ Sehr gering |
| Steildach, Holzbau | ✓ Standard | ✗ Nicht empfohlen |
| Schwimmbad, Sauna, Flachdach | ✗ Reicht nicht | ✓ Erforderlich |
| Material pro m² | 1,50–5,50 € | 2,00–4,00 € |
Der sd-Wert: die Zahl, auf die es ankommt
Der sd-Wert ist die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke – ein sperriges Wort für eine einfache Idee. Er sagt, wie dick eine ruhende Luftschicht sein müsste, um den Wasserdampf genauso stark zu bremsen wie das Material. Eine Bahn mit sd = 10 m hemmt den Durchgang also so stark wie zehn Meter stehende Luft.
Berechnet wird er aus zwei Größen: dem materialabhängigen Diffusionswiderstand µ und der Dicke d in Metern, also sd = µ × d. Eine 0,2 mm dicke PE-Folie mit µ = 100.000 kommt damit auf sd = 100 m. Deshalb kann eine hauchdünne Folie mehr bremsen als eine dicke Ziegelwand.
Die drei Klassen nach DIN 4108-3
Die Norm für den klimabedingten Feuchteschutz teilt Baustoffe in drei Gruppen ein. Diffusionsoffen sind Schichten mit sd ≤ 0,5 m – dazu gehören Unterdeckbahnen und Holzfaserplatten. Diffusionshemmend ist alles zwischen 0,5 und 1.500 m, das ist der Bereich der Dampfbremsen. Diffusionsdicht beginnt bei sd ≥ 1.500 m, hier liegen die Dampfsperren. Details zur Norm und ihren Nachweisverfahren haben wir im Beitrag zum Feuchteschutz nach DIN 4108-3 zusammengestellt.
Die Faustregel für den Aufbau
Ein Dachaufbau funktioniert, wenn er nach außen deutlich offener ist als nach innen. Als Richtwert gilt: Die raumseitige Schicht sollte mindestens fünf- bis zehnmal dichter sein als die äußere. Eine Dampfbremse mit sd = 10 m innen und eine Unterdeckbahn mit sd = 0,3 m außen erfüllen das mit Faktor 33 mühelos. Kritisch wird es, wenn außen etwas Dichtes sitzt – eine alte Bitumenbahn, eine Metalldeckung oder eine Aufsparren-Hartschaumplatte mit Alukaschierung.
Ist die äußere Ebene diffusionsdicht, kann die Konstruktion nach außen nicht abtrocknen. Dann brauchen Sie einen rechnerischen Nachweis nach DIN EN ISO 13788 oder eine hygrothermische Simulation – kein Erfahrungswert. Solche Aufbauten sollten Sie nie ohne Berechnung ausführen lassen.
Warum heute fast immer die Dampfbremse gewinnt
Bis in die 1990er Jahre galt die Devise: je dichter, desto besser. Verbaut wurden Alufolien und PE-Bahnen mit sd-Werten von 100 m und mehr. Theoretisch ist das der bessere Schutz – praktisch war es der Grund für unzählige Bauschäden.
Der Denkfehler liegt in der Annahme, eine Bahn sei nach dem Einbau tatsächlich dicht. Sie ist es nie ganz. Kabel werden durchgeführt, Steckdosen eingebaut, Anschlüsse an Mauerwerk und Kaminwange ausgeführt, Handwerker treten mit dem Schuh durch. Hinter einer echten Dampfsperre bleibt jede Feuchte, die trotzdem eindringt, für immer gefangen. Hinter einer Dampfbremse trocknet sie im Sommer wieder aus.
Deshalb ist die Dampfbremse in Steildächern, Holzbauwänden und bei der Untersparrendämmung heute die Regellösung. Sie ist nicht die theoretisch dichtere, sondern die robustere Variante – und Robustheit ist auf einer Baustelle mehr wert als Perfektion auf dem Papier.
Feuchtevariable Dampfbremsen: der aktuelle Standard
Die eleganteste Lösung sind Bahnen, die ihren sd-Wert je nach Umgebungsfeuchte ändern. Im Winter ist die Raumluft trocken, die Bahn stellt sich auf einen hohen sd-Wert von 10 bis 25 m ein und schützt die Dämmung. Im Sommer steigt die Feuchte in der Konstruktion, die Bahn öffnet sich auf sd-Werte um 0,25 m und lässt die Feuchte nach innen abtrocknen.
Diese Bahnen wirken dadurch in beide Richtungen: dicht, wenn Schutz nötig ist, offen, wenn Trocknung nötig ist. Gängige Produkte liegen bei Spannen von etwa 0,25 bis 25 m und kosten 3 bis 5,50 € pro Quadratmeter – ein Aufpreis von wenigen Hundert Euro auf ein ganzes Dach. Für Sanierungen, in denen der Bestandsaufbau nicht exakt bekannt ist, ist das aus unserer Sicht immer die richtige Investition.
| Bahnentyp | sd-Wert | Material pro m² | Wofür geeignet |
|---|---|---|---|
| PE-Folie 0,2 mm | ca. 100 m | 0,50–1,50 € | ~ Einfache Aufbauten, außen diffusionsoffen |
| Dampfbremse fest, sd 2–5 m | 2–5 m | 1,50–3,00 € | ✓ Standard-Steildach mit Unterdeckbahn |
| Feuchtevariable Bahn | 0,25–25 m | 3,00–5,50 € | ✓ Sanierung, unbekannter Bestand, Holzbau |
| Alu-Dampfsperre | > 1.500 m | 2,00–4,00 € | ~ Nur Sonderfälle wie Sauna und Schwimmbad |
| OSB-Platte 15 mm | 2–5 m | 10–18 € | ~ Wirkt mit, ersetzt aber keine Bahn |
Eine Anmerkung zur letzten Zeile, weil sie in der Praxis oft für Verwirrung sorgt: OSB-Platten haben selbst eine dampfbremsende Wirkung und werden im Holzbau bewusst als Teil der luftdichten Ebene eingesetzt. Dafür müssen aber alle Plattenstöße und Anschlüsse verklebt werden – und der sd-Wert schwankt je nach Charge stärker als bei einer Folie.
- Unterdeckbahn
- Holzfaserplatte
- Gehört nach außen
- Alle Dampfbremsen
- Feuchtevariable Bahnen
- Gehört nach innen
- Alu- und Bitumenbahnen
- Echte Dampfsperren
- Nur bei Sonderklima
- Gilt für sd 30 m
- Normwintertag
- Unkritisch für den Aufbau
- Faktor 1.600
- Ein Winter reicht für Schaden
- Jede Fuge zählt
Wann Sie wirklich eine Dampfsperre brauchen
Es gibt Fälle, in denen die Dampfbremse nicht ausreicht. Alle haben eine Gemeinsamkeit: dauerhaft sehr hohe Raumluftfeuchte oder eine Konstruktion, die nach außen ohnehin dicht ist.
Klassische Beispiele sind Schwimmbäder, Wellnessbereiche und Saunavorräume – hier liegt die relative Luftfeuchte über Monate bei 60 bis 80 %, der Dampfdruck ist entsprechend hoch. Ähnlich beim Warmdach, also einem nicht hinterlüfteten Flachdach: Weil die Abdichtung oben bereits dampfdicht ist, muss unten eine echte Dampfsperre liegen, sonst wandert Feuchte in die Dämmung und findet keinen Ausweg. Auch gewerbliche Bereiche wie Großküchen, Wäschereien und Kühlräume gehören dazu.
Beim Warmdach ist die Reihenfolge entscheidend: Dampfsperre auf der Betondecke, darüber die Dämmung, darüber die Abdichtung. Wird die Dampfsperre vergessen, sammelt sich Kondensat im Dämmpaket – und weil das Dach oben dicht ist, bleibt es dort. Solche Schäden fallen erst nach Jahren auf und sind dann nur mit einem Komplettaustausch der Dämmung zu beheben.
Nicht nur im Dach: Wand, Decke und Fußboden
Die meisten Suchenden landen über das Dach bei diesem Thema, aber die luftdichte Ebene wird an mehreren Bauteilen gebraucht. Überall dort, wo eine Dämmschicht auf der kalten Seite liegt und warme Raumluft dahinter gelangen könnte, gilt dasselbe Prinzip.
Innendämmung an der Außenwand
Hier ist die Lage kritischer als im Dach, weil das Mauerwerk hinter der Dämmung im Winter richtig kalt wird und nach außen kaum abtrocknen kann. Zwei Wege sind üblich: ein kapillaraktives System aus Kalziumsilikat oder Holzfaser, das ohne Bahn arbeitet und Feuchte selbst verteilt, oder ein Aufbau mit feuchtevariabler Bahn. Was in Ihrem Fall passt, hängt an Wandstärke, Schlagregenbelastung und Fassadenmaterial – bei einer Innendämmung gehört diese Frage vor die Materialauswahl, nicht danach.
Holzbauwand und Aufstockung
In jeder Holzrahmenwand sitzt raumseitig eine dampfbremsende und luftdichte Ebene, oft als verklebte OSB-Platte, oft als Bahn. Wichtig sind die Übergänge: Wand zu Decke, Wand zu Bodenplatte, Wand zu Dach. An diesen drei Stößen entstehen die meisten Leckagen, weil dort verschiedene Gewerke aufeinandertreffen.
Kellerdecke und Fußboden
Bei einer Dämmung der Kellerdecke von unten ist keine Bahn nötig – die warme Seite ist oben, und der Estrichaufbau wirkt selbst bremsend. Anders bei einer Dämmung von oben auf einer erdberührten Bodenplatte: Hier liegt die Feuchtequelle unten, deshalb kommt die dichte Schicht unter die Dämmung, nicht darüber. Diese Umkehrung ist der Grund, warum sich der Merksatz „immer nach innen” nicht blind auf jedes Bauteil übertragen lässt.
Dampfbremse verlegen: Schritt für Schritt
Die Bahn gehört immer auf die warme Raumseite der Dämmung, also zwischen Dämmstoff und Innenbekleidung. Merksatz für die Baustelle: innen dicht, außen offen. Sitzt die Bahn auf der kalten Seite, wirkt sie wie ein Deckel über der Feuchte – der Schaden ist dann programmiert, nicht nur möglich.
- Untergrund vorbereiten: Anschlussflächen an Mauerwerk und Beton müssen sauber, trocken, staubfrei und tragfähig sein. Loser Putz wird abgekratzt, unebene Flächen mit Anschlussputz oder Einputzband ausgeglichen.
- Bahnen einteilen: Quer zur Sparrenrichtung von unten nach oben arbeiten, Überlappung mindestens 10 cm einplanen. Die Bahn nicht straff, sondern leicht auf Schlaufe verlegen – Bauteile arbeiten, eine gespannte Folie reißt an den Klebestellen auf.
- Befestigen: Mit Tackerklammern nur in den Überlappungsbereichen fixieren, damit später jede Perforation vom Klebeband überdeckt wird.
- Stöße verkleben: Ausschließlich Systemklebeband des Bahnenherstellers verwenden und mit einem Anpressroller blasenfrei andrücken. Baumarkt-Paketband hält keine 40 Jahre und ist der häufigste Grund für undichte Stöße.
- Randanschlüsse ausführen: An Giebelwand, Traufe, Kaminwange und Innenwänden mit Anschlusskleber oder vorkomprimiertem Dichtband arbeiten und mit einer Anpresslatte mechanisch sichern.
- Durchdringungen abdichten: Für Kabel, Rohre und Lüftungsleitungen gibt es Manschetten. Freihändig geklebte Kreuzschnitte sind keine Lösung.
- Installationsebene aufbauen: Eine Querlattung von 24 bis 48 mm vor der Bahn nimmt Kabel und Dosen auf. So bleibt die Dampfbremse unverletzt – das ist der wirkungsvollste einzelne Schritt für ein dauerhaft dichtes Dach.
- Dichtheit prüfen: Vor dem Beplanken mit Gipskarton eine Luftdichtheitsmessung durchführen. Danach sind Leckagen nur noch mit Bauschaden-Aufwand zu finden.
In unseren Projekten in Stuttgart und ganz Deutschland ist das die häufigste Ursache für nachträgliche Undichtigkeiten: Der Trockenbauer verlegt die Bahn sauber, drei Wochen später bohrt der Elektriker sechs Dosen hinein. Legen Sie die Installationsebene fest, bevor die Bahn kommt – und schreiben Sie in den Auftrag, dass die Dampfbremse nicht durchstoßen werden darf.
Die fünf Fehler, die Dächer zerstören
Fast alle Feuchteschäden, die wir bei Dachsanierungen öffnen, gehen auf eine dieser fünf Ursachen zurück. Keine davon ist teuer zu vermeiden – alle sind teuer zu reparieren.
Bahn auf der falschen Seite
Die Dampfbremse liegt außen statt innen, oder bei einer Innendämmung hinter statt vor dem Dämmstoff. Der Aufbau wird dadurch zur Feuchtefalle. Dieser Fehler ist selten, aber wenn er passiert, ist der Schaden vollständig.
Überlappungen nur gelegt, nicht verklebt
Großzügige 20 bis 30 cm Überlappung sehen sicher aus, sind ohne Verklebung aber wirkungslos: Luft strömt durch den Spalt, und mit ihr die Feuchte. Genau hier greift die Zahl von oben – 800 Gramm Wasser pro Meter Fugenlänge und Tag statt 0,5 Gramm durch Diffusion.
Durchdringungen improvisiert abgedichtet
Kabel, Abwasserrohre, Antennenzuleitungen, Sat-Kabel: Jede Durchführung braucht eine Manschette. Ein Kreuzschnitt mit Klebeband darüber hält den ersten Winter, danach arbeitet die Folie und der Riss wächst.
Randanschlüsse vergessen
Die Fläche ist perfekt, der Anschluss an die Giebelwand fehlt. Anschlüsse an Mauerwerk sind aufwendiger als die Fläche, weil der Untergrund rau und saugend ist – deshalb werden sie am häufigsten geschludert.
Billiges Zubehör zur teuren Bahn
Eine feuchtevariable Bahn für 5 € pro Quadratmeter mit Klebeband für 2 € die Rolle zu verarbeiten ist verschenktes Geld. Systemklebebänder haben einen deutlich höheren Kleberauftrag und sind auf die Bahnenoberfläche abgestimmt. Nehmen Sie das Zubehör desselben Herstellers, dann greift im Schadensfall auch die Systemgewährleistung.
Luftdichtheit prüfen: der Blower-Door-Test
Ob die luftdichte Ebene funktioniert, zeigt nur eine Messung. Beim Blower-Door-Test wird ein Ventilator in die Haustür eingebaut und ein Über- beziehungsweise Unterdruck von 50 Pascal erzeugt. Gemessen wird, wie oft das Luftvolumen des Gebäudes pro Stunde ausgetauscht wird – der n50-Wert.
Die Anforderungen: Ohne Lüftungsanlage darf der n50-Wert 3,0 pro Stunde nicht überschreiten, mit Lüftungsanlage 1,5 pro Stunde. Effizienzhaus-Standards liegen darunter, das Passivhaus bei 0,6. Der Test kostet 200 bis 700 € und ist bei Effizienzhaus-Förderungen Teil des Nachweises. Wie eine Messung abläuft und was sie im Detail zeigt, beschreiben wir in unserem Beitrag zur Blower-Door-Messung.
Führen Sie die Messung durch, solange die Dampfbremse noch sichtbar ist. Dann lassen sich Leckagen mit Nebelgerät oder Thermoanemometer punktgenau finden und in Minuten abkleben. Nach der Gipskartonbeplankung kostet dieselbe Leckage einen aufgeschnittenen Deckenstreifen. Ein passendes Luftdichtheitskonzept legt schon in der Planung fest, welche Schicht wo die dichtende Ebene bildet.
Kosten für Dampfbremse und Dampfsperre
Das Material ist der kleinste Posten. Teuer ist die sorgfältige Verarbeitung – und genau daran wird beim Sparen am häufigsten das Falsche gekürzt.
| Position | Preis | Bei 120 m² Dachfläche |
|---|---|---|
| Feuchtevariable Dampfbremse | 3,00–5,50 €/m² | 360–660 € |
| Systemklebeband | 0,50–1,00 €/lfm | 150–350 € |
| Anschlusskleber, Manschetten, Dichtband | – | 150–400 € |
| Verlegung und Verklebung | 10–20 €/m² | 1.200–2.400 € |
| Installationsebene (Lattung) | 6–12 €/m² | 720–1.440 € |
| Blower-Door-Test | 200–700 € pauschal | 200–700 € |
| Gesamt | – | 2.780–5.950 € |
Gemessen an einer kompletten Zwischensparrendämmung für 60 bis 120 € pro Quadratmeter macht die luftdichte Ebene also rund ein Viertel der Gesamtkosten aus. An dieser Position zu sparen, gefährdet die anderen drei Viertel.
Die Spannen beruhen auf aktuellen Händlerpreisen und typischen Handwerkerkalkulationen in Deutschland. Bei vielen Gauben, Kehlen und Dachfenstern steigt der Verlegeaufwand deutlich, weil der Anteil an Anschlussdetails wächst. Für eine belastbare Zahl brauchen Sie eine Aufnahme vor Ort.
Normen und Regelwerke im Überblick
Wer sich auf einen Handwerker verlässt, sollte die Regelwerke wenigstens benennen können – das erleichtert Diskussionen erheblich.
- DIN 4108-3 – klimabedingter Feuchteschutz, definiert die Diffusionsklassen und die Nachweisverfahren
- DIN 4108-7 – Luftdichtheit von Gebäuden, Planungs- und Ausführungsempfehlungen für die dichtende Ebene
- DIN EN ISO 13788 – Berechnung von Kondensat im Bauteil, Nachfolger des klassischen Glaser-Verfahrens
- DIN EN ISO 9972 – Luftdurchlässigkeit von Gebäuden, das Messverfahren für den Blower-Door-Test
- DIN EN 13984 – Produktnorm für Kunststoff- und Elastomer-Dampfsperrbahnen
- GModG – seit dem 29. Juli 2026 Nachfolger des Gebäudeenergiegesetzes, fordert die dauerhaft luftdichte Ausführung der wärmeübertragenden Umfassungsfläche
Nachrüsten im Altbau: was möglich ist
Viele Dächer aus den 1970er- und 1980er-Jahren haben eine Dämmung, aber keine funktionierende luftdichte Ebene – oder eine PE-Folie, die längst spröde ist. Von innen nachrüsten geht, ist aber ein Eingriff: Die Innenbekleidung muss runter, dann wird die alte Folie entfernt und eine feuchtevariable Bahn neu verlegt.
Wichtig ist die Bestandsaufnahme vorher. Ist die Dämmung feucht, muss sie raus. Steht außen eine dichte Schicht, etwa eine bituminöse Schalungsbahn, ist die feuchtevariable Bahn oft die einzige Variante, die rechnerisch aufgeht. Und wenn das Dachgeschoss ohnehin ausgebaut werden soll, verbinden Sie beides – wie das zusammenspielt, zeigen wir im Beitrag Dachgeschoss ausbauen. Zeigen sich beim Öffnen bereits Stockflecken, gehört zusätzlich eine Schimmelsanierung in die Planung.
Fazit: Die Bahn ist billig, die Ausführung entscheidet
Die Wahl zwischen Dampfbremse und Dampfsperre ist in den meisten Fällen schnell getroffen: Im Steildach, in der Holzbauwand und bei jeder Innendämmung nehmen Sie eine Dampfbremse, am besten eine feuchtevariable. Eine echte Dampfsperre brauchen Sie nur bei dauerhaft hoher Raumluftfeuchte oder beim nicht hinterlüfteten Flachdach.
Viel wichtiger als die Produktwahl ist alles, was danach kommt: die richtige Seite, verklebte Stöße, saubere Randanschlüsse, Manschetten an jeder Durchdringung, eine Installationsebene und eine Messung, bevor der Gipskarton kommt. Wer diese sechs Punkte einhält, hat für Jahrzehnte Ruhe – und wer einen davon auslässt, riskiert die gesamte Dämminvestition.
Weiterführende Artikel: Feuchteschutz nach DIN 4108-3, Unterspannbahn beim Dach und Beste Wärmedämmung innen.
Häufige Fragen zu Dampfbremse und Dampfsperre
Der Unterschied liegt allein im sd-Wert. Eine Dampfbremse liegt zwischen 0,5 und 1.500 m und lässt eine geringe Menge Wasserdampf durch, sodass Feuchte wieder austrocknen kann. Eine Dampfsperre liegt bei 1.500 m und darüber und blockiert den Wasserdampf praktisch vollständig. Im Steildach und im Holzbau ist die Dampfbremse Standard, weil sie fehlertoleranter ist.
Immer auf die warme Raumseite, also zwischen Dämmstoff und Innenbekleidung. Der Merksatz lautet: innen dicht, außen offen. Sitzt die Bahn auf der kalten Außenseite, kann die Feuchte aus der Raumluft ungehindert in die Dämmung wandern und findet keinen Weg nach draußen – der Aufbau wird zur Feuchtefalle.
Der sd-Wert ist die wasserdampfdiffusionsäquivalente Luftschichtdicke in Metern. Er gibt an, wie dick eine ruhende Luftschicht sein müsste, um den Wasserdampf genauso stark zu bremsen wie das Material. Berechnet wird er als sd = µ × d, also Diffusionswiderstandszahl mal Materialdicke. Eine Bahn mit sd = 10 m bremst so stark wie zehn Meter stehende Luft.
Eine einfache PE-Folie kostet 0,50 bis 1,50 € pro Quadratmeter, eine feste Dampfbremse 1,50 bis 3 € und eine feuchtevariable Bahn 3 bis 5,50 €. Die fachgerechte Verlegung mit Systemklebeband, Manschetten und Randanschlüssen schlägt mit 10 bis 20 € pro Quadratmeter zu Buche – das Material ist also der kleinste Posten.
Nur bei durchgehend diffusionsoffenen Aufbauten, die rechnerisch nachgewiesen sind – etwa bei bestimmten Holzfaser-Konstruktionen. Im Regelfall braucht jede Zwischensparren- und Untersparrendämmung eine dampfbremsende und luftdichte Ebene. Ohne sie strömt feuchte Raumluft in die Dämmung, und Kondensat schädigt Dämmstoff und Dachstuhl.
Eine Bahn, deren sd-Wert sich an die Umgebungsfeuchte anpasst. Im Winter bei trockener Raumluft stellt sie sich auf 10 bis 25 m ein und schützt die Dämmung, im Sommer öffnet sie auf etwa 0,25 m und lässt Feuchte nach innen abtrocknen. Für Sanierungen mit unbekanntem Bestandsaufbau ist sie aus unserer Erfahrung immer die sichere Wahl.
OSB-Platten haben einen sd-Wert von etwa 2 bis 5 m und wirken damit dampfbremsend. Als luftdichte Ebene funktionieren sie aber nur, wenn alle Plattenstöße und Randanschlüsse konsequent verklebt sind. Weil der sd-Wert je nach Charge schwankt, planen viele Fachbetriebe zusätzlich eine Bahn ein – vor allem bei kritischen Aufbauten.
Ausschließlich Systemklebeband des Bahnenherstellers. Diese Bänder haben einen deutlich höheren Kleberauftrag als handelsübliches Klebeband und sind auf die Oberfläche der jeweiligen Bahn abgestimmt. Handelsübliches Paketband löst sich nach wenigen Jahren – und dann haben Sie eine offene Fuge, die 1.600-mal mehr Feuchte einträgt als die intakte Bahn.
Mit einem Blower-Door-Test nach DIN EN ISO 9972. Ein Ventilator erzeugt 50 Pascal Druckdifferenz, gemessen wird der n50-Wert – ohne Lüftungsanlage sind 3,0 pro Stunde zulässig, mit Anlage 1,5. Führen Sie die Messung durch, bevor der Gipskarton montiert wird: Dann lassen sich Leckagen mit Nebelgerät finden und in Minuten abkleben.

