Ein Windrad für zuhause wird mit einer Zahl beworben, die fast nie eintritt. Steht auf dem Datenblatt „5 kW”, meint das die Leistung bei etwa 12 Metern je Sekunde Wind. Bei 4 m/s liefert dieselbe Anlage noch rund 185 Watt.
Der Grund ist die Physik: Die Leistung wächst mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Ein Drittel Wind bedeutet ein Siebenundzwanzigstel Leistung. Dieser Beitrag rechnet ehrlich durch, wann sich ein Windrad für zuhause lohnt und wann nicht.
- Die Leistung steigt mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit.
- Unter 4 m/s im Jahresmittel rechnet sich keine Anlage.
- In Baden-Württemberg sind Anlagen bis 10 Meter Höhe verfahrensfrei.
- Eine feste Einspeisevergütung in Cent gibt es bei Wind nicht.
- Der Wert wird anlagenindividuell über den Gütefaktor ermittelt.
- Montage auf dem Dach ist fast immer die schlechteste Lösung.
Standort einschätzen lassen Zur Photovoltaik
Die eine Formel, die alles entscheidet
Die Leistung eines Rotors hängt von zwei Größen ab: von der Fläche, die er überstreicht, und von der Windgeschwindigkeit. Die Fläche geht quadratisch ein, die Geschwindigkeit in der dritten Potenz.
| Wind | Anteil der Nennleistung | bei 5 kW Nennleistung |
|---|---|---|
| 3 m/s | 1,6 % | 78 W |
| 4 m/s | 3,7 % | 185 W |
| 5 m/s | 7,2 % | 362 W |
| 7 m/s | 19,8 % | 992 W |
| 12 m/s | 100 % | 5.000 W |
Die Tabelle rechnet rein mit der dritten Potenz, bezogen auf 12 m/s als Nennwind. Reale Kennlinien weichen ab, das Muster bleibt aber.
Daraus folgt alles Weitere. Zwei Meter je Sekunde mehr Wind bringen mehr als eine doppelt so große Anlage. Deshalb ist der Standort wichtiger als das Gerät, und deshalb ist die Höhe wichtiger als der Preis.
Was Ihr Standort hergibt
In bebauten Wohngebieten liegt die mittlere Windgeschwindigkeit in zehn Metern Höhe häufig bei zwei bis drei Metern je Sekunde. Das reicht nicht.
Der Grund ist die Rauigkeit der Umgebung. Häuser, Bäume und Hecken bremsen die Luft und erzeugen Verwirbelungen. Eine Anlage in turbulenter Strömung liefert nicht nur weniger, sie verschleißt auch schneller, weil die Lasten ständig wechseln.
Der Rotor sollte mindestens zehn Meter über jedem Hindernis stehen, das sich im Umkreis von etwa hundert Metern befindet. Steht Ihr Haus zwischen anderen Häusern mit neun Metern Firsthöhe, brauchen Sie eine Nabenhöhe von rund zwanzig Metern. Genau dann endet die Verfahrensfreiheit, und genau dann wird das Vorhaben teuer.
Verlassen Sie sich nicht auf Herstellerangaben und nicht auf das Gefühl, dass es bei Ihnen „immer zieht”. Grundlage ist eine Einschätzung aus einem Windatlas und, bei größeren Vorhaben, eine Messung über mehrere Monate.
Genehmigung in Baden-Württemberg
Der Anhang zur Landesbauordnung nennt Windenergieanlagen bis zehn Meter Höhe als verfahrensfrei.
Darüber ist ein Verfahren nach Landesrecht nötig. Erst ab 50 Metern Gesamthöhe greift das Bundesrecht mit einem Verfahren nach dem Immissionsschutzrecht. Für ein Windrad für zuhause ist also fast immer die Landesbauordnung einschlägig.
Wie beim Wintergarten gilt auch hier: Verfahrensfrei heißt nicht regelfrei. Abstandsflächen, Festsetzungen des Bebauungsplans und das Nachbarrecht gelten weiter. Eine Bauvoranfrage ist der sicherste Weg, bevor Sie bestellen.
- Jahresmittel in Nabenhöhe
- Windatlas oder Messung
- unter 4 m/s zwecklos
- Hindernisse im Umkreis 100 m
- ab 10 m Genehmigung nötig
- Mast statt Dach
- Richtwert am Nachbarfenster
- Körperschall über den Mast
- niemals direkt auf das Dach
- Wert wird je Anlage ermittelt
- Grundlage ist der Gütefaktor
- Eigenverbrauch zählt mehr
Die Vergütung, die keine feste Zahl hat
Hier liegt der größte Unterschied zur Photovoltaik, und er wird fast nirgends erklärt.
Bei Solaranlagen steht der Satz je Kilowattstunde im Gesetz. Bei Windenergie an Land ist der anzulegende Wert dagegen anlagenindividuell. Er wird über den Gütefaktor ermittelt, also über das Verhältnis des Ertrags am konkreten Standort zum Ertrag an einem genormten Referenzstandort.
Anlagen bis ein Megawatt sind von der Ausschreibung ausgenommen. Für Anlagen bis 100 Kilowatt sieht das Gesetz eine Vergütung vor, deren Höhe aber ebenfalls je Anlage bestimmt wird. Eine Tabelle mit Cent-Beträgen, wie Sie sie von der Solaranlage kennen, gibt es für Wind nicht.
Praktisch heißt das: Rechnen Sie ein Windrad für zuhause allein über den Eigenverbrauch. Alles, was Sie selbst nutzen, ersetzt Strom zum Bezugspreis. Alles, was Sie einspeisen, ist eine Position mit offenem Wert.
Warum die Dachmontage selten funktioniert
Das Bild vom Windrad auf dem Hausdach ist verbreitet und technisch fast immer falsch. Drei Gründe sprechen dagegen.
- Turbulenz. Über einem Dach ist die Strömung verwirbelt. Die Anlage findet keinen gleichmäßigen Wind und verschleißt schneller.
- Körperschall. Die Schwingungen laufen über die Befestigung in die Konstruktion und werden im Haus als Brummen hörbar, besonders nachts.
- Höhe. Auf dem First steht der Rotor kaum höher als das Hindernis, das er überwinden müsste.
Die technisch saubere Lösung ist ein freistehender Mast abseits des Gebäudes. Damit verschwindet der Körperschall, und die Höhe lässt sich wählen. Dafür braucht es ein Fundament, eine Zuleitung und in der Regel eine Genehmigung.
Waagerechte oder senkrechte Achse
| Punkt | Waagerechte Achse | Senkrechte Achse |
|---|---|---|
| Wirkungsgrad | ✓ höher | ✗ deutlich niedriger |
| Windrichtung | ✗ muss nachgeführt werden | ✓ unabhängig |
| Verhalten bei Böen | ✗ empfindlich | ✓ robuster |
| Geräusch | ~ je nach Bauart | ✓ meist leiser |
| Platzbedarf in der Höhe | ✗ hoher Mast nötig | ~ etwas geringer |
Anlagen mit senkrechter Achse werden gern für Siedlungen angeboten, weil sie leiser laufen und mit wechselnden Richtungen zurechtkommen. Dafür liefern sie bei gleicher Fläche spürbar weniger. Sie lösen das Problem der Turbulenz, nicht das Problem des fehlenden Windes.
Kosten und was dabei herauskommt
Für 2026 ist mit 3.000 bis 10.000 Euro je Kilowatt Nennleistung zu rechnen, einschließlich Mast, Fundament und Anschluss.
An guten Standorten mit rund 5,5 Metern je Sekunde im Jahresmittel liegen die Stromgestehungskosten über zwanzig Jahre bei etwa 15 bis 25 Cent je Kilowattstunde. Wirtschaftlich wird das erst bei einem Eigenverbrauch von deutlich über 60 Prozent.
Eine Dachanlage mit Photovoltaik liefert in Süddeutschland Strom zu deutlich geringeren Kosten je Kilowattstunde, ohne Genehmigung, ohne Schall und ohne bewegte Teile. Für die allermeisten Grundstücke in und um Stuttgart ist sie die bessere Investition. Ein Windrad für zuhause ist dort sinnvoll, wo der Standort frei liegt, der Wind gemessen wurde und im Winter viel Strom gebraucht wird, etwa für eine Wärmepumpe.
Eine Beispielrechnung
Ein freistehendes Grundstück am Ortsrand, gemessenes Jahresmittel 4,5 Meter je Sekunde in Nabenhöhe, Anlage mit 5 Kilowatt Nennleistung auf einem Mast von 18 Metern.
| Posten | Wert |
|---|---|
| Anlage, Mast, Fundament, Anschluss | 30.000 € |
| Realistischer Jahresertrag | 4.000 – 6.000 kWh |
| Davon selbst genutzt bei 70 Prozent | 2.800 – 4.200 kWh |
| Ersparnis bei 32 Cent Bezugspreis | 900 – 1.350 € im Jahr |
| Einfache Amortisation ohne Wartung | 22 – 33 Jahre |
Die Rechnung ist bewusst grob und berücksichtigt weder Wartung noch Zinsen. Sie zeigt aber die Größenordnung. Zum Vergleich: Eine Solaranlage mit 10 Kilowattpeak kostet in dieser Größenordnung etwa die Hälfte und liefert in Süddeutschland rund das Doppelte an Kilowattstunden.
Betrieb und Wartung
Ein Windrad hat bewegte Teile, eine Solaranlage nicht. Das ist der zweite stille Kostenblock.
Üblich ist eine jährliche Sichtprüfung und alle paar Jahre eine Wartung mit Prüfung von Lagern, Verschraubungen und Bremse. Rechnen Sie je nach Zugänglichkeit mit einigen hundert Euro im Jahr. Dazu kommt, dass der Mast erreichbar sein muss, was auf einem engen Grundstück eine Hebebühne bedeutet.
Prüfen Sie außerdem vor dem Kauf, ob der Hersteller Ersatzteile liefert und wie lange es ihn gibt. Im Markt für kleine Anlagen verschwinden Anbieter regelmäßig, und ohne Wechselrichter oder Rotorblatt steht die Anlage still.
Wind und Sonne zusammen
Darin liegt das eigentliche Argument. Die Erträge verhalten sich gegenläufig: Die Sonne liefert im Sommer, der Wind vor allem im Winterhalbjahr.
Wer eine Wärmepumpe betreibt, braucht genau dann Strom, wenn die Solaranlage wenig gibt. Ein gut stehendes Windrad kann diese Lücke teilweise füllen. Mit einem Speicher dazwischen steigt der Anteil, den Sie selbst nutzen. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Stromspeicher.
Technisch laufen beide Quellen über einen gemeinsamen Zählerpunkt. Die Anmeldung beim Netzbetreiber und die Eintragung im Marktstammdatenregister sind in jedem Fall nötig, auch bei kleiner Leistung.
Schall, Schatten und Nachbarn
Im allgemeinen Wohngebiet gilt am Fenster des Nachbarn nachts ein Richtwert von 40 Dezibel, im reinen Wohngebiet von 35. Das ist leise, und es wird draußen gemessen, nicht am Gerät.
Dazu kommen zwei Punkte, die seltener bedacht werden: der wandernde Schatten der Rotorblätter bei tief stehender Sonne und, bei Frost, abfallendes Eis. Beides spielt bei kleinen Anlagen eine geringere Rolle als bei großen, verschwindet aber nicht.
Sprechen Sie mit den Nachbarn, bevor Sie bestellen. Ein Windrad für zuhause ist sichtbar und hörbar, und ein Streit kostet mehr Nerven als die Anlage je an Strom liefert.
Wer dabei unterstützt
Die Entscheidung fällt nicht am Gerät, sondern am Standort. Alles andere ist nachgelagert.
Wir ordnen die Windverhältnisse ein, rechnen den Ertrag gegen eine Solaranlage und klären die Anmeldung. Für Netzanschluss, Zähler und Elektrotechnik arbeiten wir mit Elektro Zepf und GREENOX Dürr Elektrotechnik zusammen.
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Häufige Fragen
Technik und Standort
Recht, Vergütung und Kosten
Wir schätzen die Windverhältnisse an Ihrem Standort ein, rechnen den Ertrag gegen eine Solaranlage mit Speicher und sagen Ihnen offen, ob sich ein Windrad für zuhause bei Ihnen trägt. Diese Antwort ist in den meisten Fällen in einem Termin zu haben.

