Die Vorlauftemperatur senken ist die billigste Maßnahme an einer Heizung. Sie kostet nichts außer einer halben Stunde am Regler und ein paar Tagen Geduld. Bei einer Wärmepumpe spart jedes Grad weniger rund zweieinhalb Prozent Strom.
Bei einem Brennwertgerät geht es sogar um mehr: Fällt der Rücklauf nicht unter den Taupunkt des Abgases, kondensiert nichts, und das Gerät arbeitet wie ein gewöhnlicher Kessel. Dieser Beitrag zeigt, wie weit Sie gehen können, wie Sie es richtig machen und wo die Grenze liegt.
- Jedes Grad weniger spart bei der Wärmepumpe rund 2,5 Prozent Strom.
- Brennwert braucht einen Rücklauf unter dem Taupunkt des Abgases.
- Bei 55/45 liefert ein Heizkörper nur noch rund die Hälfte seiner Nennleistung.
- Die Steilheit wirkt bei Kälte, das Niveau immer.
- Warmwasser ist ein eigener Kreis und bleibt davon unberührt.
- Die Heizungsoptimierung wird mit 15 Prozent bezuschusst.
Heizkurve einstellen lassen Zur Energieberatung
Vorlauftemperatur senken: warum jedes Grad zählt
Eine Wärmepumpe muss Wärme von draußen auf die Vorlauftemperatur anheben. Je kleiner dieser Sprung, desto weniger Strom braucht sie dafür. Das ist keine Herstellerangabe, sondern folgt direkt aus der Thermodynamik.
Rechnerisch ergibt sich daraus die bekannte Faustregel: Ein Grad weniger Vorlauf bringt rund zweieinhalb Prozent weniger Stromverbrauch. Von 55 auf 45 Grad sind das etwa ein Viertel der Jahreskosten.
Beim Brennwertgerät funktioniert es anders, wirkt aber ähnlich stark. Dort muss der Rücklauf kalt genug sein, damit der Wasserdampf im Abgas kondensiert und seine Wärme abgibt. Geschieht das nicht, bleibt der Zusatznutzen der Brennwerttechnik ungenutzt. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Unterschied zwischen Brennwert und Heizwert.
| Brennstoff | Taupunkt im Abgas | Rücklauf sollte darunter liegen |
|---|---|---|
| Erdgas | rund 57 °C | ✓ ja |
| Heizöl EL | rund 47 °C | ✓ ja |
Steilheit und Niveau auseinanderhalten
Die Heizkurve verknüpft die Außentemperatur mit der Vorlauftemperatur. Sie hat zwei Stellschrauben, und sie tun Verschiedenes.
Die Steilheit bestimmt, wie stark der Vorlauf steigt, wenn es draußen kälter wird. Sie wirkt vor allem an kalten Tagen und kaum in der Übergangszeit. Das Niveau verschiebt die gesamte Kurve nach oben oder unten und wirkt bei jedem Wetter gleich.
Ist es nur bei strengem Frost zu kalt, fehlt Steilheit. Ist es immer gleichmäßig zu kalt, fehlt Niveau. Ist es in der Übergangszeit zu warm und bei Frost gerade richtig, ist die Steilheit zu niedrig und das Niveau zu hoch. Wer das verwechselt, dreht monatelang an der falschen Schraube.
Was Ihre Heizkörper wirklich leisten
Hier liegt der Grund, warum die Vorlauftemperatur nicht beliebig sinken kann. Heizkörper werden nach einer Norm bei 75 Grad Vorlauf und 65 Grad Rücklauf geprüft. Die Zahl auf dem Datenblatt gilt für diesen Fall.
| Vorlauf / Rücklauf | Anteil der Nennleistung |
|---|---|
| 75 / 65 °C | 100 % |
| 70 / 55 °C | 80 % |
| 60 / 50 °C | 63 % |
| 55 / 45 °C | 51 % |
| 50 / 40 °C | 40 % |
| 45 / 35 °C | 30 % |
| 40 / 30 °C | 20 % |
Gerechnet ist mit 20 Grad Raumtemperatur und einem Heizkörperexponenten von 1,3, wie er für Plattenheizkörper üblich ist. Für andere Bauarten liegt er zwischen 1,2 und 1,45, maßgeblich ist das Datenblatt des Herstellers.
Die Botschaft der Tabelle: Bei 55/45 brauchen Sie ungefähr doppelt so viel Heizfläche wie bei 75/65. Oft ist sie längst vorhanden, weil früher großzügig ausgelegt wurde und das Haus inzwischen Fenster und Dämmung bekommen hat.
- jeder Heizkörper bekommt seine Menge
- ohne ihn bleibt ein Raum kalt
- Fördervoraussetzung
- keine Verkleidung, kein Sofa
- Vorhänge nicht bis auf die Fläche
- jeder Zentimeter zählt jetzt mehr
- sonst drosseln sie gegen die Kurve
- erst danach messen
- entlüften nicht vergessen
- im Frost zeigt sich die Grenze
- im Herbst sagt der Test nichts
- je Schritt zwei bis drei Tage
Vorlauftemperatur senken: Schritt für Schritt
Wer die Vorlauftemperatur senken will, sollte in dieser Reihenfolge vorgehen. Sie ist wichtiger als das Tempo.
- Eine kalte Woche abwarten. Im Oktober sagt der Versuch nichts aus.
- Alle Thermostate vollständig öffnen, auch in Räumen, die sonst zu sind.
- Aktuelle Einstellung notieren oder fotografieren. Das ist Ihr Rückweg.
- Steilheit um 0,1 bis 0,2 senken, je nach Regler.
- Zwei bis drei Tage nichts tun und in allen Räumen fühlen.
- Bleibt es warm, den nächsten Schritt machen. Wird ein Raum kalt, einen Schritt zurück.
Am Ende steht die Einstellung, bei der es am kältesten Tag gerade noch reicht. Danach dürfen die Thermostate wieder ihre Arbeit tun und einzelne Räume kühler halten.
Ein Messwert hilft bei der Kontrolle: die Spreizung zwischen Vorlauf und Rücklauf. Ein einfaches Anlegethermometer reicht. Ist sie sehr groß, fließt zu wenig Wasser. Ist sie sehr klein, fließt zu viel. Beides deutet auf einen fehlenden hydraulischen Abgleich hin.
Warmwasser ist ein eigener Kreis
Diese Verwechslung sorgt regelmäßig für unnötige Sorge.
Die Vorlauftemperatur der Heizung und die Speichertemperatur für das Warmwasser sind zwei getrennte Einstellungen. Sie können die Heizkurve absenken, ohne dass sich an der Dusche etwas ändert. Legionellen sind beim Absenken des Heizkreises also kein Thema.
Anders sieht es aus, wenn Sie das Warmwasser absenken wollen. Dann kommt es auf die Größe der Anlage an. Als Großanlage gilt ein Speicher mit mehr als 400 Litern oder ein Rohrleitungsinhalt von mehr als drei Litern zwischen Erwärmer und Entnahmestelle, die Zirkulationsleitung nicht mitgerechnet.
Ein Einfamilienhaus mit einem Speicher von 300 Litern und kurzen Wegen fällt in aller Regel nicht darunter. Trotzdem ist ein Dauerbetrieb deutlich unter 50 Grad nicht zu empfehlen. Behandeln Sie Heizung und Warmwasser als zwei Aufgaben.
Wenn ein einzelner Raum nicht mitkommt
Das ist der Regelfall, und fast immer wird daraus die falsche Schlussfolgerung gezogen.
Meist liegt es nicht an der Kurve, sondern an einem einzigen zu klein geratenen Heizkörper, oft im Bad oder in einem nachträglich ausgebauten Raum. Die Kurve wieder hochzudrehen heißt, das ganze Haus für einen Raum zu beheizen. Wer die Vorlauftemperatur senken und trotzdem überall warm sitzen will, setzt deshalb am Heizkörper an.
Günstiger ist es, genau diesen einen Heizkörper zu tauschen. Dafür gibt es drei Wege, in steigender Wirkung und steigendem Preis.
| Lösung | Wirkung | Aufwand |
|---|---|---|
| Größerer Plattenheizkörper | mehr Fläche, gleiche Technik | gering |
| Niedertemperatur-Heizkörper | mehr Fläche bei gleichem Bauraum | mittel |
| Ventilatorkonvektor | Gebläse ersetzt Fläche | mittel, braucht Strom |
| Flächenheizung im Raum | sehr niedrige Temperaturen möglich | hoch |
Welcher Weg passt, ergibt sich aus der Heizlast des Raums. Schätzen führt hier regelmäßig zu einem zu großen und damit wieder zu teuren Gerät.
Besonderheit Fußbodenheizung
Eine Flächenheizung arbeitet ohnehin mit niedrigen Temperaturen, typisch 35 Grad Vorlauf und 28 Grad Rücklauf. Hier ist weniger zu holen, und es gibt eine Grenze nach unten.
Der Estrich wirkt träge. Wird der Vorlauf zu weit abgesenkt, reagiert das System auf Wetterwechsel kaum noch, und es wird am Morgen nicht rechtzeitig warm. Sinnvoll ist deshalb ein gleichmäßiger Betrieb mit kleinen Korrekturen statt großer Sprünge.
Mischbetrieb aus Heizkörpern und Fußbodenheizung verlangt zwei Kreise mit eigenen Temperaturen. Hängen beide an derselben Kurve, bestimmt immer der Heizkörper das Niveau, und der Vorteil der Flächenheizung ist dahin.
Was Pflicht ist und was nicht
Eine gesetzliche Pflicht, die Vorlauftemperatur senken zu müssen, gibt es nicht. Die Prüfung der Heizung und der hydraulische Abgleich sind erst ab sechs Wohnungen vorgeschrieben.
Im Einfamilienhaus besteht also keine Pflicht. Der Abgleich bleibt aber Voraussetzung für jede Förderung am Wärmeerzeuger, und ohne ihn funktioniert das Absenken ohnehin nicht zuverlässig.
Förderung für die Heizungsoptimierung
Die Maßnahme hat einen eigenen Fördertatbestand, und die Bedingungen sind überschaubar.
- Fördersatz 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben.
- Nur bei Gebäuden mit höchstens fünf Wohneinheiten.
- Der Wärmeerzeuger muss älter als zwei Jahre sein.
- Bei fossilen Erzeugern darf er höchstens zwanzig Jahre alt sein.
- Mindestinvestition 300 Euro brutto.
Gefördert wird dabei nicht nur das Einstellen der Kurve, sondern das Paket: Abgleich, Austausch der Pumpe, Dämmung der Rohrleitungen, Niedertemperatur-Heizkörper und Mess- und Regeltechnik. Zur Pumpe mehr in unserem Beitrag zur Energiesparpumpe.
Fünf Fehler, wenn Sie die Vorlauftemperatur senken
Sie machen aus einer guten Maßnahme eine, die wieder zurückgedreht wird.
Erstens: im Herbst testen. Zweitens: Steilheit und Niveau gleichzeitig verändern, sodass niemand mehr weiß, was gewirkt hat. Drittens: Thermostate zugedreht lassen und sich dann über kalte Räume wundern. Viertens: wegen eines einzelnen Raums die ganze Kurve anheben. Fünftens: vergessen, den Ausgangswert zu notieren.
Der fünfte ist der ärgerlichste, weil er die Rückkehr zum alten Zustand unmöglich macht. Fotografieren Sie den Regler, bevor Sie etwas ändern.
Wer dabei unterstützt
Die Heizkurve ist nur die letzte Stellschraube. Davor stehen die Heizlast, der Abgleich und die Frage, ob die vorhandenen Flächen ausreichen.
Wir rechnen die Heizlast raumweise, prüfen die Heizflächen gegen die Zieltemperatur und begleiten die Förderung. Für Mess- und Regeltechnik sowie Gebäudeautomation arbeiten wir mit Elektro Zepf zusammen.
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Häufige Fragen
Grundlagen und Wirkung
Vorgehen und Förderung
Bevor über neue Technik gesprochen wird, lohnt der Blick auf die vorhandene. Die Vorlauftemperatur senken kostet nichts außer Sorgfalt. Wir rechnen die Heizlast raumweise, prüfen die Heizflächen gegen die Zieltemperatur und sagen Ihnen, wie weit Sie wirklich gehen können.

