Vakuumdämmung ist der dünnste Dämmstoff, den der Markt hergibt. Zwei Zentimeter leisten so viel wie zehn Zentimeter Mineralwolle. Dafür verzeiht sie keinen einzigen Fehler: Ein Nagel, ein Schnitt, ein spitzer Stein – und die Platte ist nur noch ein mittelmäßiger Dämmstoff.
Genau deshalb muss man sie anders planen als jedes andere Material. Dieser Beitrag erklärt, wie sie funktioniert, wo sie sich wirklich lohnt, welche Zahlen gelten und welche Vorgabe fast immer übersehen wird.
- Der Bemessungswert liegt bei 0,007 W/(m·K), inklusive Alterung und Rand.
- Zwei Zentimeter ersetzen rund zehn Zentimeter Mineralwolle.
- Platten dürfen nie geschnitten, gebohrt oder genagelt werden.
- Nach einer Beschädigung bleiben etwa 0,020 W/(m·K) übrig.
- Das Bauteil muss auch in diesem Zustand den Mindestschutz einhalten.
- Sinnvoll vor allem dort, wo jeder Zentimeter Aufbauhöhe zählt.
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Wie Vakuumdämmung aufgebaut ist
Im Inneren steckt ein offenporiger Kern, meist aus pyrogener Kieselsäure. Das ist ein sehr feines Pulver, das zu einer Platte gepresst und in ein Vlies gehüllt wird.
Diese Platte wird evakuiert und in eine mehrlagige Verbundfolie aus Aluminium und Kunststoff eingeschweißt. Im Inneren herrscht dann ein Druck von weniger als fünf Millibar. Weil kaum noch Gasmoleküle vorhanden sind, fällt der größte Anteil der Wärmeleitung weg.
Die Zahlen richtig lesen
Rund um Vakuumdämmung kursieren drei verschiedene Werte, und sie meinen wirklich Verschiedenes.
| Wert | Zahl | Was er beschreibt |
|---|---|---|
| Frischwert in der Mitte | 0,004 | Messwert direkt nach der Fertigung |
| Bemessungswert | 0,007 | mit Alterung und Rand, damit wird gerechnet |
| Nach Belüftung | 0,020 | Folie beschädigt, nur noch der Kern wirkt |
Rechnen Sie immer mit 0,007. Dieser Wert enthält bereits zwei Zuschläge: den langsamen Gaseintritt durch die Folie über die Nutzungsdauer und die Wärmebrücke am geschweißten Rand jeder Platte.
Das Bauteil muss den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 auch dann noch einhalten, wenn die Platten belüftet sind, also mit 0,020 W/(m·K) gerechnet wird. Eine Konstruktion, die ihre Tauglichkeit allein aus dem Vakuum zieht, ist damit nicht zulässig. Diese Bedingung bestimmt in der Praxis die Mindestdicke.
Was zwei Zentimeter leisten
Der Vergleich macht die Größenordnung greifbar. Gegenübergestellt sind Dicken mit demselben Wärmedurchlasswiderstand.
| Material | Lambda | nötige Dicke |
|---|---|---|
| Vakuumdämmung | 0,007 | 2,0 cm |
| Aerogel-Matte | 0,015 | 4,3 cm |
| Hartschaum | 0,024 | 6,9 cm |
| Mineralwolle | 0,035 | 10,0 cm |
| Holzfaser | 0,040 | 11,4 cm |
Daraus ergibt sich der eigentliche Einsatzbereich. Wo Platz ist, gewinnt immer der günstigere Dämmstoff. Vakuumdämmung lohnt sich dort, wo acht fehlende Zentimeter ein Vorhaben kippen würden. Wie es die Mitte zwischen beidem hält, zeigt unser Beitrag zur Aerogel-Dämmung.
- kein Platz für Dämmplatten
- entschärft die Wärmebrücke
- typisch nach einem Fenstertausch
- Türschwelle gibt die Höhe vor
- Abdichtung braucht Anschlusshöhe
- jeder Zentimeter zählt
- außen darf nichts verändert werden
- innen geht kaum Wohnfläche verloren
- Nachweis auf Tauwasser nötig
- Wand oft nur halb so dick
- dahinter steht der Heizkörper
- schnelle Wirkung bei kleiner Fläche
Warum die Planung vor dem Einkauf steht
Dieser Punkt unterscheidet Vakuumdämmung von allem anderen auf der Baustelle.
Platten lassen sich nicht anpassen. Jede Platte wird im Werk auf Maß gefertigt und muss exakt an ihren vorgesehenen Platz. Dafür braucht es einen Verlegeplan mit Nummern, genau wie bei Fliesen in einem Großformat. Aufgemessen wird nach dem Rückbau, nicht nach Plan.
Für Reststreifen und schwierige Ecken arbeitet man mit Passstücken aus einem gewöhnlichen Dämmstoff. Diese Bereiche dämmen schlechter, lassen sich aber zuschneiden. Ein guter Plan hält ihren Anteil klein und legt sie dorthin, wo sie wenig schaden.
Beschädigte Platten erkennen
Eine intakte Platte erkennt man an der Folie. Der Unterdruck zieht sie fest auf den Kern, die Oberfläche zeichnet dessen Struktur nach, und an den Rändern liegen Falten an.
Liegt die Folie dagegen glatt und faltenfrei auf, ist Luft eingedrungen. Die Platte ist belüftet und damit als Hochleistungsdämmung unbrauchbar. Prüfen Sie jede Lieferung vor dem Einbau und dokumentieren Sie den Befund mit Foto.
Die häufigsten Schäden entstehen nicht beim Einbau, sondern davor und danach: Platten werden gestapelt und verkanten, ein Nagel aus der Unterlage drückt durch, ein Elektriker bohrt später für eine Dose. Legen Sie deshalb immer eine Schutzlage unter und über die Platten und halten Sie die Lage der Paneele in einem Plan fest, der im Haus bleibt.
Zulassung und Normen
Für die Platte selbst gilt die europäische Produktnorm für werkmäßig hergestellte Vakuumisolationspaneele. Sie regelt, wie die Eigenschaften geprüft und angegeben werden.
Für die Anwendung am Bau kommt es aber auf das Gesamtsystem an. Dafür gibt es Zulassungen beziehungsweise Bauartgenehmigungen, in denen der anzusetzende Bemessungswert, der zulässige Aufbau und die Befestigung geregelt sind. Fragen Sie beim Angebot nach diesem Dokument, nicht nach einem Prospektblatt.
Besonderheit Innendämmung
Vakuumdämmung kommt oft innen zum Einsatz, weil außen nichts verändert werden darf. Dann gelten die Regeln jeder Innendämmung zusätzlich.
Die Wand wird außen kälter, weil die Wärme von innen nicht mehr nachkommt. Damit verschiebt sich der Punkt, an dem Feuchte ausfällt, in die Konstruktion hinein. Es braucht deshalb einen Nachweis, dass im Jahresverlauf mehr Feuchte austrocknet als anfällt. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Taupunkt.
Ein zweiter Punkt betrifft die Anschlüsse. An jeder einbindenden Innenwand und an jeder Decke entsteht eine Wärmebrücke, weil die Dämmung dort unterbrochen ist. Üblich ist eine Flankendämmung, die ein Stück in den Raum hineinläuft.
Kosten im Überblick
Vakuumdämmung ist teuer, und zwar in zwei Stufen.
| Posten | Spanne |
|---|---|
| Standardformat, nur Material | 80 – 150 € je m² |
| Sonderformat nach Aufmaß | 200 – 400 € je m² |
| Aufmaß und Verlegeplan | pauschal 300 – 900 € |
| Einbau einschließlich Schutzlagen | 60 – 140 € je m² |
| Mineralwolle zum Vergleich, eingebaut | 25 – 60 € je m² |
Rechnen Sie bei kleinen Flächen immer gegen. Eine Laibung von zwei Quadratmetern lohnt sich fast immer, weil der Platz fehlt. Eine Außenwand von hundert Quadratmetern lohnt sich fast nie.
Förderung
Vakuumdämmung ist kein eigener Fördertatbestand, sondern eine Maßnahme an der Gebäudehülle. Entscheidend ist der erreichte U-Wert des Bauteils, nicht das Material.
| Bauteil | höchster U-Wert |
|---|---|
| Außenwand | 0,20 |
| Außenwand am Baudenkmal | 0,45 |
| Innendämmung bei Fachwerk mit Sichtseite | 0,65 |
| Flachdach und Dachfläche mit Abdichtung | 0,14 |
Der Zuschuss beträgt 15 Prozent, mit einem geförderten Sanierungsfahrplan 20 Prozent. Die angepassten Werte für Baudenkmale und für sonstige besonders erhaltenswerte Bausubstanz sind der Grund, warum Vakuumdämmung gerade dort oft aufgeht.
Wann eine Alternative besser ist
Drei Fälle sprechen klar gegen Vakuumdämmung.
- Die Fläche wird später bearbeitet. Wer Regale, Küchen oder Leitungen anbringen will, zerstört die Platten.
- Der Untergrund ist uneben oder arbeitet. Starre Platten in exakten Maßen brauchen eine ebene, stabile Unterlage.
- Es ist genug Platz. Dann liefert jeder gewöhnliche Dämmstoff dasselbe Ergebnis zu einem Bruchteil der Kosten.
In vielen Fällen ist eine Kombination der sauberste Weg: Vakuumdämmung nur an der Engstelle, konventioneller Dämmstoff auf der freien Fläche. Das hält die Kosten im Rahmen und löst trotzdem das Problem.
Vakuumdämmung im Boden und auf der Terrasse
Auf Balkonen und Dachterrassen ist die Schwelle der Tür das Maß aller Dinge. Die Abdichtung braucht eine Anschlusshöhe, der Belag braucht Gefälle, und darunter soll noch Dämmung liegen. Hier entscheiden Zentimeter.
Der Aufbau folgt einer festen Reihenfolge: Untergrund eben abziehen, Schutzlage, Paneele dicht gestoßen im Verband, zweite Schutzlage, dann erst die Abdichtung oder der Belag. Beide Schutzlagen sind Pflicht, nicht Empfehlung. Ein einzelnes Korn unter einer Platte reicht aus.
Dübel haben in dieser Ebene nichts zu suchen. Geländerpfosten, Rinnen und Stützen müssen deshalb vorher geplant und mit Einlagen aus Hartschaum oder Beton vorbereitet werden. Nachträglich lässt sich das nicht lösen.
Rückbau und Entsorgung
Ein Punkt, nach dem selten gefragt wird und der bei einem Umbau wichtig wird.
Die Platten lassen sich nicht wiederverwenden, sobald sie ausgebaut sind, weil sie beim Lösen fast immer beschädigt werden. Der Kern aus Kieselsäure ist mineralisch und unproblematisch, die Hülle ist ein Verbund aus Kunststoff und Aluminium. Entsorgt wird üblicherweise als Baustellenabfall.
Genau deshalb gehört der Verlegeplan nach dem Einbau in die Unterlagen des Hauses. Wer in zehn Jahren eine Leitung verlegen will, muss wissen, wo die Paneele liegen.
Fünf Fragen an jedes Angebot
Mit diesen Fragen trennen Sie belastbare Angebote von Prospektversprechen.
- Welcher Bemessungswert wird angesetzt, und steht er in der Zulassung des Systems?
- Hält das Bauteil den Mindestschutz auch mit 0,020 W/(m·K) ein?
- Wer macht das Aufmaß, und wann im Bauablauf?
- Welche Schutzlagen sind eingerechnet, oben wie unten?
- Wo sind Bereiche für spätere Befestigungen vorgesehen?
Wenn die ersten beiden Fragen nicht sauber beantwortet werden, fehlt dem Angebot die rechnerische Grundlage. Dann hilft auch der beste Preis nichts.
Wer dabei unterstützt
Vakuumdämmung scheitert selten am Material und fast immer an der Abstimmung. Aufmaß, Verlegeplan, Reihenfolge der Gewerke und der Schutz auf der Baustelle müssen zusammenpassen.
Wir rechnen den Aufbau samt Nachweis, legen die Engstellen fest und prüfen, ob der Mehrpreis gegenüber einem gewöhnlichen Dämmstoff gerechtfertigt ist. Bei Laibungen im Zuge eines Fenstertauschs arbeiten wir mit FENSTERHERO zusammen.
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Häufige Fragen
Technik und Zahlen
Einsatz, Kosten und Förderung
Wir prüfen, ob an Ihrer Engstelle wirklich Vakuumdämmung nötig ist oder ob ein günstigerer Aufbau dieselbe Anforderung erfüllt. Dazu gehören der Nachweis, der Verlegeplan und die Abstimmung der Gewerke.

