Beim Umkehrdach liegt die Dämmung über der Abdichtung, nicht darunter. Das klingt nach einem Detail, dreht aber die gesamte Bauphysik um. Eine Dampfsperre entfällt. Dafür kommt ein Zuschlag auf den U-Wert dazu, und genau dieser Zuschlag fehlt in den meisten Berechnungen.
Er beträgt je nach Aufbau bis zu 0,05 W/(m²·K). Bei einem Zielwert von 0,14 sind das mehr als ein Drittel. Wer ihn vergisst, verfehlt die Förderung. Dieser Beitrag erklärt die Konstruktion, die Zahlen dahinter und die Punkte, an denen sie in der Praxis scheitert.
- Die Dämmung liegt über der Abdichtung und schützt sie.
- Zulässig ist allein Polystyrol-Extruderschaum, kurz XPS.
- Eine Dampfsperre wird nicht gebraucht.
- Auf den U-Wert kommt ein Zuschlag von bis zu 0,05 W/(m²·K).
- Als Auflast sind mindestens 5 cm Kies der Körnung 16/32 nötig.
- Für die Förderung muss das Dach 0,14 W/(m²·K) erreichen.
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Der Aufbau von unten nach oben
Die Reihenfolge ist die eigentliche Besonderheit. Beim klassischen Warmdach liegt die Dämmung zwischen Dampfsperre und Abdichtung. Beim Umkehrdach liegt sie darüber.
| Schicht | Aufgabe |
|---|---|
| Tragende Decke | Statik, meist Beton |
| Voranstrich und Abdichtung | hält Wasser draußen |
| XPS-Dämmplatten | Wärmeschutz, schützt die Abdichtung |
| Trennlage | hält Feinteile fern, leitet Wasser ab |
| Kies, Platten oder Begrünung | Auflast gegen Windsog |
Die Abdichtung liegt damit geschützt. Sie sieht keine UV-Strahlung, keine Hagelkörner und nur noch gedämpfte Temperaturen. Statt Schwankungen zwischen minus 20 und plus 80 Grad bleibt sie nahe der Raumtemperatur. Das verlängert ihre Lebensdauer erheblich.
Warum die Dampfsperre entfällt
Beim Warmdach sitzt die Dämmung in der Falle: Wasserdampf aus dem Raum wandert nach oben und trifft auf die dichte Abdichtung. Deshalb braucht es darunter eine Dampfsperre.
Beim Umkehrdach liegt die Abdichtung auf der warmen Seite. Dampf kann sie gar nicht erst erreichen, ohne vorher abgefangen zu werden. Eine zusätzliche Sperrschicht ist deshalb nicht nötig. Das spart eine komplette Lage und eine ganze Gruppe möglicher Ausführungsfehler. Den Unterschied beider Bauweisen vertieft unser Beitrag zum Warmdach.
Nur ein einziger Dämmstoff ist zulässig
Hier gibt es keine Wahlfreiheit. Die Dämmung liegt dauerhaft im Nassen, wird von Regenwasser umspült und muss Frost und Tau überstehen.
Dafür kommt allein Polystyrol-Extruderschaum infrage, nach der Produktnorm DIN EN 13164. Die Anforderungen für diese Anwendung sind in DIN 4108-10 unter dem Kurzzeichen DUK zusammengefasst, also Außendämmung des Daches, der Bewitterung ausgesetzt.
Dahinter stehen konkrete Prüfungen: Wasseraufnahme durch Diffusion über lange Zeit, Frost-Tau-Wechsel nach dieser Prüfung, Druckfestigkeit und Verhalten unter Dauerlast. Mineralwolle, Holzfaser oder Hartschaum aus Polyurethan erfüllen das nicht.
Der Zuschlag auf den U-Wert
Das ist der Punkt, an dem die meisten Berechnungen auseinanderfallen.
Regenwasser läuft zwischen Dämmung und Abdichtung ab. Dieses Wasser führt Wärme mit. Deshalb verlangt DIN 4108-2, den gerechneten U-Wert um einen Betrag zu erhöhen. Wie groß er ist, hängt davon ab, welchen Anteil die Schichten unterhalb der Abdichtung am gesamten Wärmedurchlasswiderstand haben.
| Anteil raumseitig der Abdichtung | Zuschlag auf U |
|---|---|
| unter 10 Prozent | 0,05 W/(m²·K) |
| 10 bis 50 Prozent | 0,03 W/(m²·K) |
| über 50 Prozent | kein Zuschlag |
Sieht die Bauartgenehmigung des Systems eine wasserableitende Trennlage vor und wird diese eingebaut, kann der Zuschlag entfallen. Die Bahn führt das Niederschlagswasser oberhalb der Dämmung ab, sodass darunter kaum noch etwas fließt. Das ist der entscheidende Unterschied zur einfachen Trennlage, die nur Feinteile zurückhält. Fragen Sie im Angebot ausdrücklich nach dieser Lage.
Der zweite Weg ist ein nennenswerter Dämmanteil unterhalb der Abdichtung. Dann liegt der Anteil über 50 Prozent, und der Zuschlag entfällt ebenfalls. Diese Bauweise nennt man Duo- oder Plusdach.
- Kies 16/32, vollflächig
- günstigste Variante
- nur zur Wartung betretbar
- Platten im Kiesbett oder auf Lagern
- Fugen entwässern die Fläche
- XPS mit hoher Druckfestigkeit
- Abdichtung muss wurzelfest sein
- Dränschicht ab 5 cm
- Abläufe zweistufig planen
- Parkdeck oder Zufahrt
- XPS mit sehr hoher Festigkeit
- Gefälle in der Unterkonstruktion
Schwere und leichte Unterkonstruktion
Die Norm unterscheidet an einer klaren Schwelle: 250 Kilogramm je Quadratmeter Flächengewicht.
Eine Betondecke liegt darüber und gilt als schwer. Sie wirkt als träge Masse und verhindert, dass die Fläche unter der Abdichtung schnell auskühlt. Eine Decke aus Holz oder Stahl liegt darunter.
In diesem Fall verlangt die Norm, dass der Wärmedurchlasswiderstand unterhalb der Abdichtung mindestens 0,15 m²K/W beträgt. Praktisch heißt das: Auf einer leichten Konstruktion gehört eine dünne Dämmlage unter die Abdichtung. Ohne sie ist das Umkehrdach dort nicht normgerecht.
Auflast und Windsog
XPS schwimmt. Ohne Auflast heben die Platten beim ersten Sturm ab und schwimmen beim ersten Starkregen auf. Die Auflast ist deshalb kein Gestaltungselement, sondern ein tragendes Bauteil.
Die kleinste zulässige Ausführung ist eine vollflächige Kiesschüttung von fünf Zentimetern, Körnung 16/32, mit einer Schüttdichte von mindestens 1.600 kg/m³. Der Nachweis gegen Windsog erfolgt rechnerisch oder über die Tabellen der Bauartgenehmigung.
| erforderliche Auflast | Ausführung |
|---|---|
| 0,75 kN/m² | 5 cm Kies 16/32 |
| 1,50 kN/m² | 10 cm Kies 16/32 |
| 2,50 kN/m² | 16 cm Kies oder Platten 80 mm auf 6 cm Kies |
| 4,00 kN/m² | 25 cm Kies oder Platten 100 mm auf 13 cm Kies |
Beachten Sie die Größenordnung: 25 Zentimeter Kies wiegen rund 400 Kilogramm je Quadratmeter. Ob die Decke das trägt, klärt die Statik, bevor über Dämmdicken gesprochen wird. An Rändern und Ecken ist die Last höher als in der Mitte.
Entwässerung ist der kritische Punkt
Beim Umkehrdach fließt Wasser auf zwei Ebenen: oben auf der Trennlage und unten auf der Abdichtung. Beide müssen abgeführt werden.
Deshalb sind zweistufige Abläufe üblich, die auf beiden Höhen Wasser aufnehmen. Grundsätzlich gilt: Jede Ebene im Aufbau ist zu entwässern. Ein dauerhaftes Einstauen der Platten muss ausgeschlossen sein, ein kurzes Überstauen bei starkem Regen ist dagegen unbedenklich.
Wenn der untere Ablauf zusetzt, steht das Wasser dauerhaft an der Dämmung. XPS nimmt dann über Jahre Feuchte auf, der Dämmwert sinkt, und im Winter sprengt Frost die Zellstruktur. Sichtbar wird das erst, wenn das Dach bereits Schaden genommen hat. Abläufe gehören deshalb zweimal jährlich kontrolliert.
Gefälle: was die Regeln sagen
Die Fachregeln für Abdichtungen empfehlen zwei Prozent, lassen aber auch flachere Konstruktionen zu. Bei weniger als zwei Prozent verlangen sie besondere Maßnahmen, etwa zwei Lagen Polymerbitumenbahnen.
Bei genutzten Flächen kommt es auf den Belag an. Ein Pflaster im Verbund braucht mindestens zweieinhalb Prozent Gefälle in der Unterkonstruktion. Platten auf Stelzlagern entwässern über die Fugen so schnell, dass auf Gefälle verzichtet werden kann.
Das Umkehrdach als Sanierungslösung
Hier spielt die Bauweise ihre größte Stärke aus.
Ist eine bestehende Abdichtung noch dicht, aber das Dach schlecht gedämmt, lässt sich die Dämmung einfach darauflegen. Die alte Abdichtung bleibt liegen und übernimmt ihre Aufgabe weiter. Kein Rückbau, keine offene Decke, kein Wetterrisiko während der Arbeiten.
Zu prüfen sind drei Dinge: Trägt die Decke die zusätzliche Last? Reicht die Höhe an Türschwellen und Attika? Und ist die alte Abdichtung wirklich dicht? Für diese Fragen lohnt eine Thermografie und eine Begutachtung vor Ort.
Förderung und Anforderungen
Flachdächer mit Abdichtung müssen für eine Förderung höchstens 0,14 W/(m²·K) erreichen. Dieser Wert gilt für das fertige Bauteil, also nach dem Zuschlag.
Der Zuschuss beträgt 15 Prozent der förderfähigen Ausgaben, mit einem geförderten Sanierungsfahrplan 20 Prozent. Die Höchstgrenze liegt bei 30.000 Euro für die erste Wohneinheit, je Gebäude und Kalenderjahr.
Rechnen Sie den Zuschlag von Anfang an mit. Ein Aufbau, der ohne ihn bei 0,14 landet, verfehlt die Anforderung mit ihm deutlich. Genau an dieser Stelle scheitern Anträge.
Die Bauartgenehmigung ist das entscheidende Papier
DIN 4108-2 normt nur eine eingeschränkte Variante: Platten einlagig, auf ausreichend ebenem Untergrund, abgedeckt mit Kies oder mit Betonplatten in Kiesbettung oder auf Abstandhaltern.
Alles darüber hinaus läuft über eine allgemeine Bauartgenehmigung. Dazu gehören die zweilagige Verlegung, die wasserableitende Trennlage und die anwendungsbezogenen Rechenwerte für die Wärmeleitfähigkeit. Diese Werte können von den Tabellenwerten der Norm abweichen.
Lassen Sie sich dieses Dokument vorlegen, bevor Sie ein Angebot annehmen. Darin steht, welcher Rechenwert gilt, wie viele Lagen zulässig sind und welche Auflast nachzuweisen ist. Ohne diese Angaben ist eine Berechnung nicht prüffähig.
Vier Fehler, die immer wieder auftauchen
Sie wiederholen sich in Gutachten und Schadensfällen.
- Der Zuschlag fehlt in der Berechnung. Das Dach erreicht rechnerisch 0,14 und tatsächlich 0,19.
- Die Auflast wird verringert, weil die Statik knapp ist. Dann fehlt die Sicherheit gegen Windsog, besonders an Rand und Ecke.
- Platten werden auf einem unebenen Untergrund verlegt. Sie liegen hohl, kippen unter Last und die Fugen öffnen sich.
- Nur die obere Ebene wird entwässert. Das Wasser unter der Dämmung steht dann dauerhaft.
Alle vier Punkte fallen bei der Abnahme nicht auf. Sie zeigen sich erst nach dem ersten Sturm oder nach dem dritten Winter. Deshalb lohnt sich eine Begleitung während der Ausführung mehr als jede Prüfung danach.
Vor- und Nachteile im Vergleich
| Punkt | Umkehrdach | Warmdach |
|---|---|---|
| Dampfsperre nötig | ✓ nein | ✗ ja |
| Abdichtung geschützt | ✓ ja | ✗ nein |
| Dämmstoff frei wählbar | ✗ nur XPS | ✓ ja |
| Zuschlag auf den U-Wert | ✗ ja | ✓ nein |
| Auflast erforderlich | ✗ ja | ~ je nach Befestigung |
| Nachträglich aufdoppeln | ✓ einfach | ✗ aufwendig |
Wer dabei unterstützt
Ein Umkehrdach berührt Statik, Abdichtung und Wärmeschutz zugleich. Die Last entscheidet über den Aufbau, der Aufbau über den U-Wert und der U-Wert über die Förderung. Diese Kette muss jemand in einer Hand halten.
Wir rechnen den Aufbau samt Zuschlag, klären die Anforderungen und bereiten den Antrag vor. Für Statik und Ausführungsplanung am Dach arbeiten wir mit Garnisch + Werndle zusammen.
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