Die Wand war im Sommer frisch gestrichen. Im November sitzen graue Schlieren in den Ecken, über den Heizkörpern und rund um die Steckdosen. Der erste Verdacht lautet fast immer Schimmel. Meist ist es Fogging.
Der Unterschied ist wichtig, weil beide Erscheinungen gegensätzliche Maßnahmen verlangen. Gegen Schimmel hilft weniger Feuchte. Gegen Fogging hilft das nichts. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie beides unterscheiden, was wirklich dahintersteckt und wer im Mietverhältnis zahlt.
- Graue bis schwarze, fettig schmierende Beläge, oft binnen Tagen.
- Fast ausschließlich in der Heizperiode, meist nach einer Renovierung.
- Ursache sind schwerflüchtige Stoffe aus Farben, Klebern und Belägen.
- Vom Umweltbundesamt wird keine Gesundheitsgefahr durch die Beläge gesehen.
- Überstreichen ohne Ursache zu beheben bringt das Problem zurück.
- Im Mietverhältnis gilt es als Mangel, wenn die Wohnung normal genutzt wurde.
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Was Fogging ist
Das Umweltbundesamt beschreibt graue bis schwarze, fettige Ablagerungen, die sich innerhalb von Tagen oder Wochen bilden und meist mehrere Räume betreffen. Sie treten überwiegend während der Heizperiode auf.
Der Name stammt aus der Autoindustrie. Dort beschreibt er den Beschlag, den Kunststoffe aus dem Armaturenbrett an der Innenseite der Scheibe hinterlassen. Im Wohnbereich läuft derselbe Vorgang ab, nur langsamer und über größere Flächen.
Woher der Staub kommt
Verantwortlich sind schwerflüchtige organische Verbindungen, kurz SVOC. Das Umweltbundesamt nennt ausdrücklich Weichmacher, langkettige Alkane, Alkohole sowie Fettsäuren und ihre Ester.
Diese Stoffe stecken in Farben und Lacken, in Klebern für Bodenbeläge, in Belägen aus PVC, in Tapeten mit Kunststoffschaum und in Dekorplatten. Sie gasen nicht so heftig aus wie Lösemittel, dafür über viel längere Zeit.
In der Luft lagern sie sich an Staubteilchen an. Diese Teilchen setzen sich dort ab, wo die Oberfläche kühler oder elektrisch geladen ist. Dann entsteht der typische Film, der sich mit dem Finger verschmieren lässt.
Warum Fogging erst im Winter auftritt
Dieser Punkt erklärt den häufigsten Irrtum bei der Ursachensuche.
Wird im Sommer renoviert, bleiben die Fenster offen. Die Stoffe gasen aus, werden aber laufend verdünnt. Erst wenn die Fenster zugehen, steigt die Konzentration. Gleichzeitig entstehen kalte Flächen an Außenecken und Laibungen, und warme Luft über dem Heizkörper transportiert Staub an die Wand.
Deshalb liegt zwischen der Renovierung und dem sichtbaren Schaden oft ein halbes Jahr. Wer nur die letzten Wochen betrachtet, sucht an der falschen Stelle.
Nicht nur Farbe und Boden. Auch neue Möbel, Lampen, Vorhänge, Duftkerzen, eine Fußbodenheizung oder ein neuer Teppich kommen als Quelle infrage. Legen Sie eine einfache Liste mit Datum an, bevor Sie messen lassen. Sie spart meist die halbe Suche.
Fogging oder Schimmel: der schnelle Test
Die Unterscheidung gelingt in den meisten Fällen ohne Labor.
| Merkmal | Fogging | Schimmel |
|---|---|---|
| Oberfläche | ✓ fettig, schmierend | ✗ pelzig oder punktförmig |
| Geruch | ✓ meist keiner | ✗ muffig, erdig |
| Ausbreitung | ✓ mehrere Räume gleichzeitig | ✗ örtlich begrenzt |
| Zeitverlauf | ✓ Tage bis Wochen | ✗ Wochen bis Monate |
| Auf Kunststoff und Glas | ✓ ja | ✗ selten |
| Feuchte als Voraussetzung | ✗ nein | ✓ ja |
Ein weiteres Zeichen: Fogging sitzt gern an Lichtschaltern, auf Lampenschirmen und an Vorhängen. Schimmel tut das nicht. Umgekehrt braucht Schimmel immer eine Feuchtequelle, sei es eine Wärmebrücke, ein Rohrschaden oder zu wenig Lüftung.
- Wand trifft Wand oder Decke
- dort ist es ein paar Grad kälter
- Staub bleibt leichter haften
- die Luft steigt an der Wand hoch
- nimmt Staub mit nach oben
- oft als schmaler Streifen
- Kunststoff lädt sich auf
- zieht feine Teilchen an
- deutlicher Rand ums Gehäuse
- Stoff wirkt wie ein Sieb
- Ränder werden grau
- lässt sich kaum auswaschen
Ist Fogging gefährlich?
Das Umweltbundesamt ist hier ungewöhnlich deutlich: Von den Ablagerungen geht keine Gesundheitsgefahr aus.
Das heißt nicht, dass die Raumluft unbedenklich wäre. Die Stoffe, die den Belag erzeugen, sind ja weiterhin in der Luft. Beurteilt wird aber der Belag selbst, und der ist nach heutigem Stand harmlos. Das nimmt dem Thema den Schrecken und erlaubt es, in Ruhe nach der Ursache zu suchen.
Ruß aus Kerzen, Teelichtern oder einem offenen Kamin sieht ähnlich aus, fühlt sich aber trocken und pulvrig an und lässt sich abstauben. Fogging schmiert. Wer viele Kerzen abbrennt, sollte das zuerst ausschließen, bevor Farbe oder Boden verdächtigt werden.
Wie man die Quelle findet
Ohne Messung bleibt es Raten. Mit Messung wird es schnell teuer. Deshalb lohnt sich eine Reihenfolge.
- Zeitliste anlegen: Was wurde im letzten Jahr erneuert, und wann?
- Muster prüfen: Sitzt der Belag an kühlen Flächen und an Kunststoff?
- Wärmebrücken sichtbar machen, etwa durch eine Thermografie in der kalten Jahreszeit.
- Erst danach die Raumluft auf schwerflüchtige Stoffe untersuchen lassen.
- Bei Verdacht auf ein bestimmtes Material zusätzlich eine Materialprobe nehmen.
Eine Untersuchung der Raumluft ordnet die Werte ein, benennt aber selten eindeutig ein Produkt. Sie wird deshalb vor allem dann gebraucht, wenn über Kosten gestritten wird. Wie so eine Untersuchung abläuft, zeigt unser Beitrag zur Raumluftanalyse.
Was wirklich hilft
Die unangenehme Nachricht zuerst: Überstreichen allein löst nichts. Die Quelle gast weiter aus, und nach einer Heizperiode steht derselbe Belag wieder an der Wand.
| Schritt | Wirkung |
|---|---|
| Quelle entfernen, meist Boden oder Kleber | dauerhaft |
| Flächen fettlösend reinigen | nötig vor jedem Anstrich |
| Wärmebrücken beseitigen | nimmt die kalten Flächen weg |
| Konsequent lüften nach Arbeiten | senkt die Konzentration |
| Nur überstreichen | kehrt in der nächsten Heizperiode zurück |
Beim Reinigen gilt: fettlösendes Mittel, warmes Wasser, mehrfach. Die Beläge binden sich gut an Dispersionsfarbe. Bei Rauhfaser bleibt oft nur das Entfernen der Tapete.
So beugen Sie vor
Der günstigste Zeitpunkt ist der Einkauf. Achten Sie auf emissionsarme Produkte.
Bei Wandfarben und bei Klebern für Bodenbeläge gibt es Kennzeichen, die genau diese Stoffgruppe begrenzen. Fragen Sie im Fachhandel nach den entsprechenden Zeichen und lassen Sie sich das Datenblatt zeigen. Der Aufpreis liegt meist im einstelligen Prozentbereich.
Dazu kommt die Bauphysik. Je gleichmäßiger die Oberflächen temperiert sind, desto weniger Angriffsflächen gibt es. Eine gedämmte Außenwand hat keine kalten Ecken mehr. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Wärmebrücke.
Fogging im Mietverhältnis
Hier wird es für viele erst interessant, und die Rechtslage ist klarer als gedacht.
Der Bundesgerichtshof hat sich mehrfach mit dem Thema befasst. Im Urteil vom 25. Januar 2006 ging es um die Beweislast. Grundsätzlich muss der Mieter darlegen und beweisen, dass der Vermieter einen Mangel zu vertreten hat. Steht aber fest, dass die Ursache aus dem Bereich stammt, den der Vermieter beherrscht, muss sich dieser entlasten.
In einer weiteren Entscheidung aus dem Jahr 2008 sprach der Bundesgerichtshof einer Mieterin einen Vorschuss für die Beseitigung zu. Schwarzstaub gilt danach als Mangel der Mietsache.
Wer handelsübliche Farben und Beläge verwendet und die Wohnung normal bewohnt, hat sich vertragsgemäß verhalten. Dann trägt der Vermieter die Beseitigung. Anders kann es liegen, wenn ungewöhnliche Materialien eingebracht wurden. Dokumentieren Sie deshalb, was Sie verwendet haben, mit Foto und Beleg.
Fogging im Neubau und nach dem Einzug
Auffällig häufig trifft es frisch bezogene Wohnungen. Dort kommen mehrere Quellen gleichzeitig zusammen: neue Beläge, frische Anstriche, neue Möbel und eine Bauphase, in der noch Restfeuchte steckt.
Kommt eine Fußbodenheizung dazu, wird der Boden dauerhaft erwärmt. Das beschleunigt das Ausgasen aus Kleber und Belag deutlich. Das Umweltbundesamt nennt den Einbau einer Fußbodenheizung ausdrücklich als auslösenden Umstand.
Praktischer Rat für den Einzug: In den ersten Monaten mehr lüften als gewohnt, auch wenn es Wärme kostet. Diese Wochen entscheiden darüber, wie viel sich später an der Wand absetzt.
Was die Beseitigung kostet
Die Spanne ist groß, weil sie fast nur vom Umfang der Quelle abhängt.
| Leistung | Spanne |
|---|---|
| Untersuchung der Raumluft | 400 – 900 € |
| Materialprobe im Labor | 120 – 250 € je Probe |
| Reinigen und neu streichen, ein Raum | 400 – 900 € |
| Rauhfaser entfernen und neu tapezieren | 900 – 1.800 € je Raum |
| Bodenbelag samt Kleber ausbauen | 40 – 90 € je m² |
Rechnen Sie bei einer Wohnung mit mehreren betroffenen Räumen mit einem vierstelligen Betrag. Genau deshalb lohnt der Blick ins Mietrecht, bevor man selbst zum Pinsel greift.
Was Sie sofort tun können
Bis die Ursache feststeht, lassen sich die Folgen begrenzen.
- Mehrmals täglich kurz und kräftig lüften, auch bei Frost. Das senkt die Konzentration schneller als dauerhaft gekippte Fenster.
- Kerzen, Teelichter und Duftlampen vorübergehend weglassen. So schließen Sie Ruß als zweite Quelle aus.
- Möbel ein Stück von der Außenwand abrücken, damit Luft dahinter streichen kann.
- Die Beläge fotografieren, mit Datum. Das hilft später bei der Einordnung und im Streitfall.
- Nichts überstreichen, bevor die Quelle gefunden ist. Sonst sind die Spuren weg, die bei der Suche helfen.
Vermeiden Sie es, die Raumtemperatur stark abzusenken. Kühlere Wände verschärfen das Bild, weil sich die Teilchen dort noch leichter absetzen.
Wer dabei unterstützt
Fogging liegt zwischen den Gewerken. Der Maler sieht die Fläche, der Bodenleger das Material, der Energieberater die kalten Stellen. Niemand sieht allein das ganze Bild.
Wir gehen von der Bauphysik aus: Wo sind die kühlen Flächen, wie dicht ist das Gebäude, wie wird gelüftet und geheizt. Daraus ergibt sich meist schon, welche Quelle infrage kommt. Für Boden- und Fliesenarbeiten nach der Sanierung arbeiten wir mit GORA Fliesen zusammen.
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Häufige Fragen
Erkennen und Ursachen
Beheben und Kosten
Wir sehen uns das Schadensmuster an, machen die kalten Flächen sichtbar und ordnen ein, welche Materialien als Quelle infrage kommen. Daraus wird ein Plan, der die Ursache trifft und nicht nur die Oberfläche.

