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Fogging an der Wand: Ursachen erkennen und richtig beheben

Inhalt

Die Wand war im Sommer frisch gestrichen. Im November sitzen graue Schlieren in den Ecken, über den Heizkörpern und rund um die Steckdosen. Der erste Verdacht lautet fast immer Schimmel. Meist ist es Fogging.

Der Unterschied ist wichtig, weil beide Erscheinungen gegensätzliche Maßnahmen verlangen. Gegen Schimmel hilft weniger Feuchte. Gegen Fogging hilft das nichts. Dieser Beitrag zeigt, woran Sie beides unterscheiden, was wirklich dahintersteckt und wer im Mietverhältnis zahlt.

Clever Kompakt
Fogging an der Wand – das Wichtigste im Überblick
  • Graue bis schwarze, fettig schmierende Beläge, oft binnen Tagen.
  • Fast ausschließlich in der Heizperiode, meist nach einer Renovierung.
  • Ursache sind schwerflüchtige Stoffe aus Farben, Klebern und Belägen.
  • Vom Umweltbundesamt wird keine Gesundheitsgefahr durch die Beläge gesehen.
  • Überstreichen ohne Ursache zu beheben bringt das Problem zurück.
  • Im Mietverhältnis gilt es als Mangel, wenn die Wohnung normal genutzt wurde.

Raumluft prüfen lassen Zur Energieberatung

Tage
bis sich die Beläge zeigen
Winter
fast nur in der Heizperiode
SVOC
die auslösende Stoffgruppe
2006
BGH-Urteil zur Beweislast

Was Fogging ist

Das Umweltbundesamt beschreibt graue bis schwarze, fettige Ablagerungen, die sich innerhalb von Tagen oder Wochen bilden und meist mehrere Räume betreffen. Sie treten überwiegend während der Heizperiode auf.

Der Name stammt aus der Autoindustrie. Dort beschreibt er den Beschlag, den Kunststoffe aus dem Armaturenbrett an der Innenseite der Scheibe hinterlassen. Im Wohnbereich läuft derselbe Vorgang ab, nur langsamer und über größere Flächen.

Woher der Staub kommt

Verantwortlich sind schwerflüchtige organische Verbindungen, kurz SVOC. Das Umweltbundesamt nennt ausdrücklich Weichmacher, langkettige Alkane, Alkohole sowie Fettsäuren und ihre Ester.

Diese Stoffe stecken in Farben und Lacken, in Klebern für Bodenbeläge, in Belägen aus PVC, in Tapeten mit Kunststoffschaum und in Dekorplatten. Sie gasen nicht so heftig aus wie Lösemittel, dafür über viel längere Zeit.

In der Luft lagern sie sich an Staubteilchen an. Diese Teilchen setzen sich dort ab, wo die Oberfläche kühler oder elektrisch geladen ist. Dann entsteht der typische Film, der sich mit dem Finger verschmieren lässt.

Warum Fogging erst im Winter auftritt

Dieser Punkt erklärt den häufigsten Irrtum bei der Ursachensuche.

Wird im Sommer renoviert, bleiben die Fenster offen. Die Stoffe gasen aus, werden aber laufend verdünnt. Erst wenn die Fenster zugehen, steigt die Konzentration. Gleichzeitig entstehen kalte Flächen an Außenecken und Laibungen, und warme Luft über dem Heizkörper transportiert Staub an die Wand.

Deshalb liegt zwischen der Renovierung und dem sichtbaren Schaden oft ein halbes Jahr. Wer nur die letzten Wochen betrachtet, sucht an der falschen Stelle.

Fragen Sie nach allem, was im letzten Jahr neu kam

Nicht nur Farbe und Boden. Auch neue Möbel, Lampen, Vorhänge, Duftkerzen, eine Fußbodenheizung oder ein neuer Teppich kommen als Quelle infrage. Legen Sie eine einfache Liste mit Datum an, bevor Sie messen lassen. Sie spart meist die halbe Suche.

Fogging oder Schimmel: der schnelle Test

Die Unterscheidung gelingt in den meisten Fällen ohne Labor.

MerkmalFoggingSchimmel
Oberfläche✓ fettig, schmierend✗ pelzig oder punktförmig
Geruch✓ meist keiner✗ muffig, erdig
Ausbreitung✓ mehrere Räume gleichzeitig✗ örtlich begrenzt
Zeitverlauf✓ Tage bis Wochen✗ Wochen bis Monate
Auf Kunststoff und Glas✓ ja✗ selten
Feuchte als Voraussetzung✗ nein✓ ja

Ein weiteres Zeichen: Fogging sitzt gern an Lichtschaltern, auf Lampenschirmen und an Vorhängen. Schimmel tut das nicht. Umgekehrt braucht Schimmel immer eine Feuchtequelle, sei es eine Wärmebrücke, ein Rohrschaden oder zu wenig Lüftung.

Ist Fogging gefährlich?

Das Umweltbundesamt ist hier ungewöhnlich deutlich: Von den Ablagerungen geht keine Gesundheitsgefahr aus.

Das heißt nicht, dass die Raumluft unbedenklich wäre. Die Stoffe, die den Belag erzeugen, sind ja weiterhin in der Luft. Beurteilt wird aber der Belag selbst, und der ist nach heutigem Stand harmlos. Das nimmt dem Thema den Schrecken und erlaubt es, in Ruhe nach der Ursache zu suchen.

Der Unterschied zu Ruß

Ruß aus Kerzen, Teelichtern oder einem offenen Kamin sieht ähnlich aus, fühlt sich aber trocken und pulvrig an und lässt sich abstauben. Fogging schmiert. Wer viele Kerzen abbrennt, sollte das zuerst ausschließen, bevor Farbe oder Boden verdächtigt werden.

Wie man die Quelle findet

Ohne Messung bleibt es Raten. Mit Messung wird es schnell teuer. Deshalb lohnt sich eine Reihenfolge.

  • Zeitliste anlegen: Was wurde im letzten Jahr erneuert, und wann?
  • Muster prüfen: Sitzt der Belag an kühlen Flächen und an Kunststoff?
  • Wärmebrücken sichtbar machen, etwa durch eine Thermografie in der kalten Jahreszeit.
  • Erst danach die Raumluft auf schwerflüchtige Stoffe untersuchen lassen.
  • Bei Verdacht auf ein bestimmtes Material zusätzlich eine Materialprobe nehmen.

Eine Untersuchung der Raumluft ordnet die Werte ein, benennt aber selten eindeutig ein Produkt. Sie wird deshalb vor allem dann gebraucht, wenn über Kosten gestritten wird. Wie so eine Untersuchung abläuft, zeigt unser Beitrag zur Raumluftanalyse.

Was wirklich hilft

Die unangenehme Nachricht zuerst: Überstreichen allein löst nichts. Die Quelle gast weiter aus, und nach einer Heizperiode steht derselbe Belag wieder an der Wand.

SchrittWirkung
Quelle entfernen, meist Boden oder Kleberdauerhaft
Flächen fettlösend reinigennötig vor jedem Anstrich
Wärmebrücken beseitigennimmt die kalten Flächen weg
Konsequent lüften nach Arbeitensenkt die Konzentration
Nur überstreichenkehrt in der nächsten Heizperiode zurück

Beim Reinigen gilt: fettlösendes Mittel, warmes Wasser, mehrfach. Die Beläge binden sich gut an Dispersionsfarbe. Bei Rauhfaser bleibt oft nur das Entfernen der Tapete.

So beugen Sie vor

Der günstigste Zeitpunkt ist der Einkauf. Achten Sie auf emissionsarme Produkte.

Bei Wandfarben und bei Klebern für Bodenbeläge gibt es Kennzeichen, die genau diese Stoffgruppe begrenzen. Fragen Sie im Fachhandel nach den entsprechenden Zeichen und lassen Sie sich das Datenblatt zeigen. Der Aufpreis liegt meist im einstelligen Prozentbereich.

Dazu kommt die Bauphysik. Je gleichmäßiger die Oberflächen temperiert sind, desto weniger Angriffsflächen gibt es. Eine gedämmte Außenwand hat keine kalten Ecken mehr. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Wärmebrücke.

Fogging im Mietverhältnis

Hier wird es für viele erst interessant, und die Rechtslage ist klarer als gedacht.

Der Bundesgerichtshof hat sich mehrfach mit dem Thema befasst. Im Urteil vom 25. Januar 2006 ging es um die Beweislast. Grundsätzlich muss der Mieter darlegen und beweisen, dass der Vermieter einen Mangel zu vertreten hat. Steht aber fest, dass die Ursache aus dem Bereich stammt, den der Vermieter beherrscht, muss sich dieser entlasten.

In einer weiteren Entscheidung aus dem Jahr 2008 sprach der Bundesgerichtshof einer Mieterin einen Vorschuss für die Beseitigung zu. Schwarzstaub gilt danach als Mangel der Mietsache.

Entscheidend ist die vertragsgemäße Nutzung

Wer handelsübliche Farben und Beläge verwendet und die Wohnung normal bewohnt, hat sich vertragsgemäß verhalten. Dann trägt der Vermieter die Beseitigung. Anders kann es liegen, wenn ungewöhnliche Materialien eingebracht wurden. Dokumentieren Sie deshalb, was Sie verwendet haben, mit Foto und Beleg.

Fogging im Neubau und nach dem Einzug

Auffällig häufig trifft es frisch bezogene Wohnungen. Dort kommen mehrere Quellen gleichzeitig zusammen: neue Beläge, frische Anstriche, neue Möbel und eine Bauphase, in der noch Restfeuchte steckt.

Kommt eine Fußbodenheizung dazu, wird der Boden dauerhaft erwärmt. Das beschleunigt das Ausgasen aus Kleber und Belag deutlich. Das Umweltbundesamt nennt den Einbau einer Fußbodenheizung ausdrücklich als auslösenden Umstand.

Praktischer Rat für den Einzug: In den ersten Monaten mehr lüften als gewohnt, auch wenn es Wärme kostet. Diese Wochen entscheiden darüber, wie viel sich später an der Wand absetzt.

Was die Beseitigung kostet

Die Spanne ist groß, weil sie fast nur vom Umfang der Quelle abhängt.

LeistungSpanne
Untersuchung der Raumluft400 – 900 €
Materialprobe im Labor120 – 250 € je Probe
Reinigen und neu streichen, ein Raum400 – 900 €
Rauhfaser entfernen und neu tapezieren900 – 1.800 € je Raum
Bodenbelag samt Kleber ausbauen40 – 90 € je m²

Rechnen Sie bei einer Wohnung mit mehreren betroffenen Räumen mit einem vierstelligen Betrag. Genau deshalb lohnt der Blick ins Mietrecht, bevor man selbst zum Pinsel greift.

Was Sie sofort tun können

Bis die Ursache feststeht, lassen sich die Folgen begrenzen.

  • Mehrmals täglich kurz und kräftig lüften, auch bei Frost. Das senkt die Konzentration schneller als dauerhaft gekippte Fenster.
  • Kerzen, Teelichter und Duftlampen vorübergehend weglassen. So schließen Sie Ruß als zweite Quelle aus.
  • Möbel ein Stück von der Außenwand abrücken, damit Luft dahinter streichen kann.
  • Die Beläge fotografieren, mit Datum. Das hilft später bei der Einordnung und im Streitfall.
  • Nichts überstreichen, bevor die Quelle gefunden ist. Sonst sind die Spuren weg, die bei der Suche helfen.

Vermeiden Sie es, die Raumtemperatur stark abzusenken. Kühlere Wände verschärfen das Bild, weil sich die Teilchen dort noch leichter absetzen.

Wer dabei unterstützt

Fogging liegt zwischen den Gewerken. Der Maler sieht die Fläche, der Bodenleger das Material, der Energieberater die kalten Stellen. Niemand sieht allein das ganze Bild.

Wir gehen von der Bauphysik aus: Wo sind die kühlen Flächen, wie dicht ist das Gebäude, wie wird gelüftet und geheizt. Daraus ergibt sich meist schon, welche Quelle infrage kommt. Für Boden- und Fliesenarbeiten nach der Sanierung arbeiten wir mit GORA Fliesen zusammen.

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Häufige Fragen

Erkennen und Ursachen

Woran erkenne ich Fogging sicher?
Der Belag ist fettig und lässt sich verschmieren, riecht nicht, tritt in mehreren Räumen auf und sitzt auch auf Kunststoff und Glas. Schimmel ist dagegen örtlich begrenzt, riecht muffig und braucht Feuchte.
Warum zeigt sich Fogging erst im Winter?
Weil im Winter weniger gelüftet wird und die Konzentration in der Luft steigt. Dazu kommen kühle Flächen an Ecken und Laibungen. Nach einer Renovierung im Sommer vergeht deshalb oft ein halbes Jahr.
Welche Materialien lösen es aus?
Farben und Lacke, Kleber für Bodenbeläge, Beläge aus PVC, Tapeten mit Kunststoffschaum und Dekorplatten. Auch neue Möbel und Textilien kommen infrage.
Kann eine Fußbodenheizung schuld sein?
Sie ist nicht die Quelle, aber ein Verstärker. Der dauerhaft warme Boden beschleunigt das Ausgasen aus Kleber und Belag. Das Umweltbundesamt nennt den Einbau ausdrücklich als auslösenden Umstand.
Ist der Belag gesundheitsschädlich?
Nach Einschätzung des Umweltbundesamtes geht von den Ablagerungen keine Gesundheitsgefahr aus. Das sagt nichts über die Raumluft insgesamt, nimmt dem Fund aber die Dringlichkeit.

Beheben und Kosten

Reicht Überstreichen?
Nein. Solange die Quelle im Raum bleibt, kommt der Belag in der nächsten Heizperiode zurück. Vor jedem Anstrich muss die Fläche außerdem fettlösend gereinigt werden.
Muss der Boden immer raus?
Nicht immer, aber häufig. Kleber und Belag sind die ergiebigsten Quellen, weil sie große Flächen haben und dauerhaft warm liegen. Eine Materialprobe klärt das vor dem Ausbau.
Lohnt eine Messung der Raumluft?
Vor allem dann, wenn über die Kosten gestritten wird. Sie ordnet die Werte ein, benennt aber selten ein einzelnes Produkt. Vorher helfen Zeitliste und Schadensmuster oft mehr.
Wer zahlt in einer Mietwohnung?
Hat der Mieter handelsübliche Materialien verwendet und normal gewohnt, gilt Fogging als Mangel der Mietsache und der Vermieter trägt die Beseitigung. Dazu gibt es mehrere Entscheidungen des Bundesgerichtshofs.
Wie beuge ich beim nächsten Streichen vor?
Emissionsarme Farben und Kleber wählen, das Datenblatt zeigen lassen und nach den Arbeiten wochenlang konsequent lüften. Zusätzlich lohnt es, kalte Ecken bauphysikalisch zu entschärfen.
Hilft ein Luftreiniger?
Er nimmt Teilchen aus der Luft und mildert das Bild. An der Quelle ändert er nichts. Als Überbrückung bis zur Sanierung ist er vertretbar, als Lösung nicht.
Ursachensuche
Erst die Quelle, dann der Pinsel

Wir sehen uns das Schadensmuster an, machen die kalten Flächen sichtbar und ordnen ein, welche Materialien als Quelle infrage kommen. Daraus wird ein Plan, der die Ursache trifft und nicht nur die Oberfläche.

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