Im Herbst liegt plötzlich Laub im Lüftungsgitter, und im Netz steht sofort, das koste bis zu dreißig Prozent Leistung. Diese Zahl stammt aus einer Studie über Kälteanlagen mit 210 Kilowatt Verdampferleistung. Mit einer Wärmepumpe im Einfamilienhaus hat sie nichts zu tun.
Das heißt nicht, dass die Wärmepumpe im Herbst keine Aufmerksamkeit bräuchte. Es heißt nur, dass niemand die Wirkung sauber erklärt. Dieser Beitrag tut genau das: mit Zahlen aus Herstellerunterlagen, mit der Grenze zwischen Eigenleistung und Fachbetrieb, und mit dem Punkt, den alle übersehen – dem Kondensatablauf.
- Der Luftdurchsatz am Verdampfer ist eine ausgelegte Größe, kein Nebenaspekt.
- Weniger Luft bedeutet tiefere Verdampfungstemperatur und damit häufigeres Abtauen.
- Jeder Abtauvorgang entzieht dem Heizsystem Wärme, bei Viessmann 2.000 bis 3.000 Kilojoule.
- Das größere Herbstrisiko ist der verstopfte Kondensatablauf, nicht das Laub im Gitter.
- Mindestabstände sind reine Herstellersache und schwanken zwischen 250 und 1.000 Millimetern.
- Am Kältekreis darf nur zertifiziertes Personal arbeiten, auch bei Propan.
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Was im Außengerät eigentlich passiert
Der Verdampfer ist das kälteste Bauteil der Anlage. In seinen Rohren verdampft das Kältemittel bei einer Temperatur unterhalb der Außenluft. Die Wärme dafür holt sich der Ventilator aus der angesaugten Luft.
Dieser Luftstrom ist keine Nebensache, sondern eine ausgelegte Betriebsgröße. Viessmann nennt für die Vitocal 200-A einen Mindestvolumenstrom von 810 Kubikmetern je Stunde bei den kleineren Baugrößen. Nach oben sind über 3.000 Kubikmeter vorgesehen.
Alles, was diesen Weg verengt, greift also direkt in die Auslegung ein. Laub im Gitter, Bewuchs vor dem Luftaustritt oder eine zu enge Nische wirken dabei in dieselbe Richtung.
Wärmepumpe im Herbst: warum Laub die Effizienz kostet
Die Kette ist kurz und lässt sich physikalisch sauber nachvollziehen.
Weniger Luft am Verdampfer bedeutet weniger Wärmeangebot. Das Kältemittel muss bei einer tieferen Temperatur verdampfen, damit überhaupt noch Wärme übergeht. Dadurch wächst der Abstand zwischen Verdampfung und Verflüssigung, und genau dieser Abstand bestimmt die Leistungszahl.
Ein Zahlenbeispiel als Idealwert: Bei 35 Grad Verflüssigung und 0 Grad Verdampfung liegt der theoretische Höchstwert bei 8,8. Sinkt die Verdampfungstemperatur auf minus 5 Grad, sind es noch 7,7. Reale Geräte liegen deutlich darunter, die Richtung stimmt aber.
Dazu kommt ein Rückkopplungseffekt. Je tiefer die Verdampfungstemperatur fällt, desto mehr Luftfeuchte schlägt sich als Reif nieder. Der Reif verengt den Luftweg weiter, und die Temperatur sinkt noch etwas.
Für den Effizienzverlust durch Laub auf einer Luft-Wasser-Wärmepumpe gibt es keine veröffentlichte Messung. Die kursierenden 15, 30 oder 45 Prozent gehen auf eine Untersuchung an Kälteanlagen mit 210 Kilowatt Verdampferleistung zurück. Die zitierende Stelle schreibt selbst, Wärmepumpen dürften langsamer verschmutzen, weil jeder Abtauvorgang den Verdampfer leicht mitreinigt.
Der Abtaubetrieb und was er kostet
Hier liegt der eigentliche Hebel, und im gesamten Themenfeld erklärt ihn niemand.
Setzt sich Reif an, kehrt die Anlage den Kältekreis um. Ein Vierwegeventil schickt heißes Gas rückwärts durch den Verdampfer und taut ihn frei. Nach Angaben des schweizerischen Bundesamts für Energie arbeiten rund 80 Prozent der Anlagen so. Bosch beschreibt es für seine Geräte ebenso: über etwa fünf Grad Außentemperatur wird im laufenden Heizbetrieb abgetaut, darunter über die Kreislaufumkehr.
Entscheidend ist der Auslöser. Bosch formuliert ihn wörtlich so, dass die Abtauung einsetzt, wenn die Eisschicht den Luftstrom durch den Verdampfer behindert. Es geht also nicht um die Eisdicke an sich, sondern um den Luftweg.
Und damit schließt sich der Kreis: Laub verengt denselben Luftweg. Die Regelung erreicht ihr Abtaukriterium früher, auch wenn gar nicht mehr Eis da ist.
Viessmann gibt für die Vitocal 200-A eine erforderliche Abtauenergie von 2.000 Kilojoule an, bei größeren Baugrößen 3.000. Das sind rund 0,56 beziehungsweise 0,83 Kilowattstunden je Vorgang, und zwar thermisch aus Ihrem Heizsystem. Genau deshalb schreibt der Hersteller ein Mindestanlagenvolumen vor und empfiehlt einen Pufferspeicher mit mindestens 50 Litern.
Wie stark sich Abtauvorgänge über die Saison summieren, hängt stark vom Klima ab. Eine Auswertung im Auftrag des US-Energieministeriums nennt für italienische Klimazonen eine Bandbreite von 1,5 bis 12,7 Prozent Rückgang der Jahresarbeitszahl. Übertragen Sie das nicht eins zu eins auf Deutschland, aber es zeigt die Größenordnung.
Der Kondensatablauf ist das eigentliche Herbstrisiko
Beim Abtauen fällt Schmelzwasser an. Es muss weg, und zwar zuverlässig. Dieser Punkt wird in Ratgebern meist mit einem Halbsatz abgehandelt.
Fachgerecht ist ein wasserdurchlässiger Untergrund unter dem Gerät, also ein Kiesbett oder eine Sickerschicht. Wird das Wasser über ein Rohr abgeführt, verlangt Viessmann mindestens DN 40 und einen Siphon im frostfreien Bereich. In der Einbauzeichnung steht dafür eine Tiefe von mindestens 900 Millimetern. Für kalte Lagen gibt es eine Begleitheizung als Zubehör.
Viessmann weist ausdrücklich darauf hin, dass die Aufstellung auf wasserundurchlässigen Oberflächen zu Glatteisbildung und damit zu Sturzgefahr führen kann. Auch mit Begleitheizung soll unter dem Gerät ein durchlässiger Untergrund liegen, etwa Drainagekies oder Rasen. Wer sein Gerät auf Terrassenplatten gestellt hat, sollte vor dem Winter darüber nachdenken.
Das Herbstproblem ist nun nicht der Ablauf selbst, sondern das, was hineinfällt. Laub setzt den Ablaufstutzen oder das Kiesbett zu. Staut sich das Schmelzwasser und friert, wächst ein Eisblock von unten in die Kondensatwanne. Dann steht das Gerät buchstäblich fest.
Prüfen Sie den Ablauf deshalb genauso gewissenhaft wie das Lüftungsgitter. Er ist der Punkt, an dem aus einem kosmetischen Problem ein mechanisches wird.
Mindestabstände: reine Herstellersache
Im Netz stehen 30 Zentimeter, 50 Zentimeter oder drei Meter. Keine dieser Zahlen hat eine allgemeine Grundlage, denn es gibt dafür keine Norm.
Wie groß die Spreizung ist, zeigt ein Vergleich zweier Markengeräte.
| Freiraum | Viessmann Vitocal 200-A | Daikin Altherma 3 R |
|---|---|---|
| vor dem Luftaustritt | ≥ 1.000 mm | > 350 mm |
| am Lufteintritt | ≥ 300 mm | > 250 mm |
| seitlich | ≥ 750 mm | > 250 mm |
| nach oben | ≥ 200 mm | umgebende Wand ≤ 1.200 mm |
Beim Luftaustritt liegt fast der Faktor drei dazwischen. Eine pauschale Angabe ist damit wertlos. Maßgeblich ist allein die Montageanleitung Ihres Geräts, und die dort genannten Werte sind Funktions- und Gewährleistungsbedingung.
Ein Hinweis aus derselben Unterlage lohnt sich im Herbst besonders: Eine Aufstellung in einer Nische mit drei angrenzenden Wänden erhöht die Schallreflexion spürbar. Wer aus Sorge vor Laub eine Einhausung baut, verschlechtert unter Umständen gleich zwei Dinge auf einmal.
Was Sie selbst reinigen dürfen
Die Herstelleranleitungen sind hier deutlicher, als man denkt. Erlaubt ist einiges, aber unter klaren Bedingungen.
- Vor jeder Arbeit die Anlage abschalten und spannungsfrei machen.
- Laub und groben Schmutz mit einer weichen Bürste entfernen.
- Das Gehäuse außen mit einem feuchten Tuch abwischen.
- Nur Seife oder neutrale Haushaltsreiniger mit pH-Wert 7 verwenden.
- Kein Wasser über 40 Grad einsetzen.
- Schutzhandschuhe tragen, die Aluminiumlamellen sind scharfkantig.
- Schnee vorsichtig abkehren, Eis darf mit warmem Wasser abgespült werden.
Zwei Verbote sind besonders wichtig. Die Lamellen dürfen Sie niemals direkt mit einem Tuch abwischen, weil sie sich dabei umlegen. Und harte Gegenstände haben am Lamellenpaket nichts zu suchen.
Ebenfalls tabu sind säure-, chlor- und lösungsmittelhaltige Mittel, Scheuermittel, Stahlwolle und Dampfreiniger. Ein Hinweis, den sonst niemand gibt: Mündet Ihr Kondensatrohr in ein Kiesbett, darf Reinigungsmittel dort in manchen Regionen nicht hineingespült werden. Dann nehmen Sie das Rohr vorher ab und fangen die Flüssigkeit auf.
Warum der Hochdruckreiniger ausscheidet
Das Verbot steht überall, die Begründung nirgends. Sie ist aber der überzeugendere Teil.
Trifft der Strahl schräg auf die Lamellen, legt er sie um. Eine verformte Lamelle blockiert den Luftweg dauerhaft genau dort, wo die Reinigung ihn freimachen sollte. Das Ergebnis ist also schlechter als vorher. Hinzu kommt, dass Wasser unter Druck in elektronische Bauteile gedrückt werden kann.
Im Servicebereich ist Hochdruck nicht grundsätzlich verboten, sondern streng reglementiert: senkrecht zum Rohrregister, mit einer zulässigen Abweichung von etwa fünf Grad und einem Mindestabstand von rund 200 Millimetern. Genau das ist freihändig nicht einzuhalten. Deshalb gilt für Betreiber schlicht: Finger weg.
Sind bereits viele Lamellen verbogen, richtet ein Fachbetrieb sie mit einem Lamellenkamm wieder aus. Ab etwa einem Viertel verformter Fläche lohnt das.
Wo Ihre Zuständigkeit endet
Die Grenze verläuft nicht beim Gehäuse, sondern beim Kältekreis. Und sie ist europarechtlich gezogen.
- Laub und Schnee entfernen
- Gehäuse außen reinigen
- Kondensatablauf freihalten
- Bewuchs zurückschneiden
- Heizkurve und Parameter
- Anlagendruck, Ausdehnungsgefäß
- Lamellen fachgerecht reinigen
- Jahresarbeitszahl auswerten
- jeder Eingriff am Kältekreis
- Dichtheitskontrollen
- Außerbetriebnahme
- auch bei Propan als Kältemittel
Bei Geräten mit Propan kommt ein Sicherheitsaspekt hinzu. Hersteller definieren rund um das Gerät einen Schutzbereich, in dem keine Zündquellen sein dürfen. Dazu zählen offenes Feuer, heiße Oberflächen und Sprays. Das ist beim Herbstputz relevant, wenn jemand nebenan Laub verbrennen will.
Braucht Ihre Anlage eine Dichtheitsprüfung?
Diese Frage wird fast überall falsch beantwortet. Weder gilt die Pflicht für alle, noch gilt sie nie. Es kommt auf vier Dinge an: Kältemittel, Füllmenge, Bauart und Kennzeichnung.
| Gerätetyp | Dichtheitskontrolle |
|---|---|
| Monoblock mit Propan | ✗ Verordnung nicht anwendbar |
| Hermetisch geschlossen, unter 3 kg, im Wohngebäude | ✗ ausdrücklich ausgenommen |
| Splitgerät mit modernem Kältemittel, typische Füllmenge | ~ meist unter der Schwelle |
| Älteres Splitgerät mit R-410A ab etwa 2,4 kg | ✓ jährlich, durch zertifiziertes Personal |
Die Schwelle liegt bei fünf Tonnen CO₂-Äquivalent, bei hermetisch geschlossenen Geräten bei zehn Tonnen. Für Wohngebäude gibt es zusätzlich die Ausnahme unterhalb von drei Kilogramm Füllmenge.
Prüfen lässt sich das am Typenschild. Dort müssen Füllmenge und CO₂-Äquivalent stehen. Das ist zuverlässiger als jede Faustregel. Die vielfach zitierte Schwelle „ab drei Kilogramm Kältemittel” stammt übrigens aus einer Verordnung, die seit Jahren nicht mehr gilt.
Mehr zum Kältemittel selbst steht in unserem Beitrag zu R290 als Kältemittel.
Laub, Eis und die Nachbarn
Ein Punkt, der in Herbstratgebern komplett fehlt, obwohl er regelmäßig zu Streit führt.
Maßgeblich ist die Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm. Im allgemeinen Wohngebiet liegt der Immissionsrichtwert außerhalb von Gebäuden bei 55 dB(A) tags und 40 dB(A) nachts. Nacht bedeutet 22 bis 6 Uhr, und beurteilt wird die lauteste volle Nachtstunde.
Wird eine vereiste Anlage lauter? Ja. Eine Messreihe von Fraunhofer IBP und ISE ergab zwischen nicht vereist und vollständig vereist einen Unterschied von rund drei Dezibel im A-bewerteten Summenschallleistungspegel. Das entspricht einer Verdopplung der Schallleistung. Die Messung betraf ein Gerät, lässt sich also nicht verallgemeinern.
Der Mechanismus ist aber derselbe wie beim Laub: Der Verdampfer erhöht den Widerstand, der Ventilator muss mehr Druck aufbauen, und das verändert sein Geräusch. Für Verschmutzung allein liegt dazu keine Messung vor.
Praktisch relevant ist außerdem die Pegelspitze beim Umschalten des Vierwegeventils. Dieselbe Untersuchung beschreibt sie als besonders störend wahrgenommen. Wer sein Gerät nachts häufiger abtauen lässt, als nötig wäre, verschärft genau dieses Problem.
Ist eine jährliche Wartung Pflicht?
Für das Einfamilienhaus: nein. Die Betriebsprüfung für Wärmepumpen nach § 60a GModG gilt erst ab sechs Wohnungen oder sonstigen selbständigen Nutzungseinheiten. Die allgemeine Heizungsprüfung nach § 60b nimmt Wärmepumpen ausdrücklich aus.
Das jährliche Intervall stammt aus Herstellerempfehlungen und aus Garantiebedingungen. Vertraglich kann es also sehr wohl bindend sein, gesetzlich ist es das nicht.
Zur Reinigung selbst gibt es eine brauchbare Orientierung vom schweizerischen Bundesamt für Energie: Verdampfer etwa alle zwei Jahre reinigen, standortabhängig häufiger oder seltener. Und ausdrücklich im Herbst, wenn das Laub gefallen ist. Im Frühjahr besser erst nach dem Pollenflug.
Die Checkliste für die Wärmepumpe im Herbst
Diese Punkte sollten Sie an der Wärmepumpe im Herbst vor dem ersten Dauerfrost abarbeiten.
- Anlage abschalten und spannungsfrei machen.
- Laub, Pollenreste und Äste aus Lüftungsgitter und Lamellenpaket entfernen.
- Kondensatablauf und Kiesbett freiräumen, Wasserabfluss prüfen.
- Freiräume nach Montageanleitung kontrollieren, Bewuchs zurückschneiden.
- Prüfen, ob unter dem Gerät Wasser auf versiegelter Fläche stehen bleibt.
- Heizkurve bei milden Temperaturen anpassen, nicht in der Frostnacht.
- Jahresarbeitszahl des Vorjahres notieren und als Vergleichswert behalten.
- Bei Sole-Wasser-Geräten den Soledruck ablesen.
Rechnen Sie für die Reinigung des Verdampfers etwa zwei Stunden. Wer sich das nicht zutraut, legt sie mit der ohnehin anstehenden Inspektion zusammen.
Wer die Anlage prüft
Eine sinnvolle Prüfung schaut auf drei Ebenen: den Luftweg am Außengerät, die Hydraulik im Haus und die Regelung dazwischen. Wer nur das Gitter saubermacht, findet eine falsch eingestellte Heizkurve nie.
In der GREENOX Gruppe kommen Anlagentechnik und energetische Bewertung aus einer Hand. Für die elektrische Seite, also Zählerplatz, Steuerung und Anbindung an ein Energiemanagement, arbeiten wir mit GREENOX Dürr Elektrotechnik zusammen.
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