QNG Plus oder Premium

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QNG PLUS oder PREMIUM: Unterschied & Förderung erklärt

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Wer einen klimafreundlichen Neubau plant und die KfW-Förderung nutzen möchte, stößt früher oder später auf die Frage: QNG PLUS oder PREMIUM – welche Stufe ist die richtige? Beide Niveaus gehören zum Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG), einem staatlichen Gütesiegel für nachhaltiges Bauen. Der Unterschied zwischen QNG PLUS und PREMIUM liegt vor allem in der Strenge der ökologischen Anforderungen. Wir erklären Ihnen verständlich, worin sich die beiden Stufen unterscheiden, welche für die Förderung ausreicht und wann sich der höhere Aufwand für PREMIUM wirklich lohnt.

Clever Kompakt
Das Wichtigste im Überblick
  • QNG PLUS steht für überdurchschnittliche, QNG PREMIUM für deutlich überdurchschnittliche Nachhaltigkeitsqualität – beide sind anerkannte Stufen desselben Siegels.
  • Der wichtigste Unterschied: PREMIUM verlangt strengere Grenzwerte bei Treibhausgasemissionen, Primärenergie und beim Anteil nachhaltiger Materialien.
  • Für die KfW-Förderung „Klimafreundlicher Neubau” reicht QNG PLUS vollständig aus – die höhere Stufe bringt aktuell keinen zusätzlichen Förderbetrag.
  • In der Praxis entscheiden sich die meisten Bauherren für QNG PLUS, weil der Planungs- und Nachweisaufwand deutlich geringer ist.

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24 vs. 20
kg CO₂e/m²a – Grenzwert Treibhausgase (PLUS / PREMIUM)
96 vs. 64
kWh/m²a – Primärenergie nicht erneuerbar (PLUS / PREMIUM)
70 vs. 85 %
Anteil nachhaltiges Holz (PLUS / PREMIUM)
6.000–15.000 €
typische Kosten der QNG-Zertifizierung

Was bedeuten QNG PLUS und QNG PREMIUM?

Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) ist ein staatliches Gütesiegel des Bundes. Es bestätigt, dass ein Gebäude hohe ökologische, soziokulturelle und ökonomische Standards erfüllt. Vergeben wird das Siegel in zwei Anforderungsniveaus: QNG PLUS und QNG PREMIUM. Diese beiden Stufen zeigen auf einen Blick, wie hoch die Nachhaltigkeitsqualität eines Gebäudes ausfällt.

QNG PLUS bescheinigt eine überdurchschnittliche Qualität und ist die heute am häufigsten gewählte Stufe. QNG PREMIUM steht dagegen für eine deutlich überdurchschnittliche Qualität und verlangt in mehreren Bereichen strengere Nachweise. Wichtig zu verstehen: Es handelt sich nicht um zwei verschiedene Siegel, sondern um zwei Stufen desselben Siegels. Beide Niveaus gelten für die jeweiligen Siegelvarianten – etwa QNG-WG23 für Wohngebäude und QNG-NW23 für Nichtwohngebäude.

Warum es überhaupt zwei Stufen gibt

Der Gesetzgeber wollte mit den zwei Niveaus einen Anreiz schaffen, über das ohnehin schon hohe Mindestmaß hinauszugehen. PLUS markiert die Eintrittsschwelle für förderfähiges, nachhaltiges Bauen. PREMIUM richtet sich an Bauherren, die bewusst noch ambitionierter planen – beispielsweise mit einem hohen Holzanteil oder besonders niedrigem Energiebedarf. Folglich ist PREMIUM kein „besseres Siegel” im förderrechtlichen Sinne, sondern eine freiwillige Steigerung der ökologischen Latte.

QNG PLUS oder PREMIUM – die Unterschiede im Detail

Die Unterschiede zwischen den beiden Stufen lassen sich an drei Bereichen festmachen: an den Emissionen über den Lebenszyklus, an den eingesetzten Materialien und am Komfort. Damit Sie die Werte klar auseinanderhalten können, haben wir die wichtigsten Anforderungen gegenübergestellt.

Anforderung (Wohngebäude) QNG PLUS QNG PREMIUM
Treibhausgasemissionen (Lebenszyklus) max. 24 kg CO₂e/m²a max. 20 kg CO₂e/m²a
Primärenergiebedarf (nicht erneuerbar) max. 96 kWh/m²a max. 64 kWh/m²a
Anteil Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft mind. 70 % mind. 85 %
Recyclinganteil (Beton, Erdmaterial u. a.) mind. 30 % mind. 50 %
Schadstoffprüfung (Anhang 3) ✓ Ja ✓ Ja, oft mit Raumluftmessung
Reicht für KfW-Neubauförderung ✓ Ja ✓ Ja

Treibhausgasemissionen und Primärenergie

Der härteste Kern jeder QNG-Zertifizierung ist die Ökobilanz, also die Betrachtung der Emissionen über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes. Bei QNG PLUS dürfen die Treibhausgasemissionen 24 Kilogramm CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten, der Primärenergiebedarf für nicht erneuerbare Energien liegt bei maximal 96 kWh/m²a. PREMIUM verschärft beide Werte deutlich: höchstens 20 kg CO₂e/m²a und nur noch 64 kWh/m²a. Das bedeutet in der Praxis eine konsequent emissionsarme Bauweise und eine sehr effiziente Anlagentechnik. Die genauen Grenzwerte und Nachweispflichten legt der Bund in den offiziellen QNG-Siegeldokumenten fest.

Materialien: Holz und Recycling

Auch bei den Baustoffen zieht PREMIUM die Anforderungen an. Während für QNG PLUS mindestens 70 Prozent des verbauten Holzes nachweislich aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen müssen (etwa mit FSC- oder PEFC-Zertifikat), steigt diese Quote bei PREMIUM auf mindestens 85 Prozent. Ähnlich beim Recyclinganteil: Bei PLUS reichen oft rund 30 Prozent recyceltes Material bei Beton und Erdstoffen, bei PREMIUM werden eher 50 Prozent erwartet. Daher ist PREMIUM besonders für Bauherren interessant, die ohnehin mit viel Holz oder im Sinne der Kreislaufwirtschaft planen.

Komfort, Schallschutz und Barrierefreiheit

Nachhaltigkeit endet im QNG nicht bei Energie und Material. Beide Stufen verlangen eine strenge Schadstoffprüfung der Bauprodukte nach Anhang 3 der QNG-Anforderungen, um die Innenraumluft gesund zu halten. PREMIUM geht jedoch häufig weiter und fordert beispielsweise eine abschließende Raumluftmessung, erhöhten Schallschutz und – bei größeren Wohngebäuden – umfangreichere Anforderungen an die Barrierefreiheit. Für Sie als Bauherr heißt das: PREMIUM ist anspruchsvoller in Planung, Dokumentation und Nachweisführung.

Welche Stufe brauchen Sie für die Förderung?

Das ist die entscheidende Frage für die meisten Bauherren – und die Antwort ist erfreulich klar: Für die KfW-Förderung „Klimafreundlicher Neubau” (KfW 297/298) genügt QNG PLUS. Die erreichte Stufe hat bislang keinen Einfluss auf die Höhe der Fördersumme. Ob Sie PLUS oder PREMIUM erreichen, ändert also nichts am Förderbetrag, solange mindestens die PLUS-Anforderungen erfüllt sind.

Konkret schaltet das QNG die höhere Förderstufe frei: Die Basisvariante „Klimafreundliches Wohngebäude” kommt ohne Siegel aus und ist mit bis zu 100.000 Euro pro Wohneinheit förderfähig. Mit dem QNG-Siegel (Stufe PLUS oder PREMIUM) steigt der mögliche Förderkredit auf bis zu 150.000 Euro pro Wohneinheit. Wichtig zum Ablauf: Für den Förderantrag selbst brauchen Sie zunächst die „Bestätigung zum Antrag” (BzA) eines Experten für Energieeffizienz – das fertige QNG-Zertifikat reichen Sie erst nach der Fertigstellung nach, dafür haben Sie bis zu 36 Monate Zeit. Wer die Unterschiede zwischen den Förderwegen verstehen möchte, findet in unserem Beitrag BAFA oder KfW einen Überblick über die Zuständigkeiten.

Zertifizierung vor dem Förderantrag einplanen

Die QNG-Anforderungen müssen bereits in der Planung berücksichtigt werden – nachträglich lässt sich das Siegel nicht „aufsetzen”. Stimmen Sie die Zertifizierung deshalb frühzeitig mit Ihrem Energieberater und einem QNG-Auditor ab, bevor Sie Verträge unterschreiben.

QNG PLUS und die Sonder-AfA

Auch über die KfW hinaus spielt das Siegel eine Rolle. Für die Sonderabschreibung beim Mietwohnungsneubau (Sonder-AfA) ist die Einhaltung der QNG-Kriterien Voraussetzung. Kapitalanleger können damit zusätzliche Abschreibungen geltend machen – allerdings nur, wenn die Baukostenobergrenzen eingehalten werden und das Gebäude die Anforderungen erfüllt. Auch hier gilt PLUS als die maßgebliche Schwelle. Für die Details Ihrer persönlichen Steuersituation sollten Sie jedoch immer einen Steuerberater hinzuziehen.

QNG PLUS oder PREMIUM – was ist für Sie sinnvoll?

Die ehrliche Antwort hängt von Ihren Zielen ab. Wenn es Ihnen in erster Linie darum geht, die KfW-Förderung zu sichern und ein nachhaltiges, wertstabiles Haus zu bauen, ist QNG PLUS in den allermeisten Fällen die richtige Wahl. Der Aufwand ist überschaubarer, die Anforderungen sind sicher erreichbar und der Förderbetrag ist identisch.

QNG PREMIUM lohnt sich dann, wenn Sie ohnehin besonders ambitioniert planen – etwa mit einem hohen Holzanteil, sehr effizienter Anlagentechnik und konsequentem Einsatz recycelter Baustoffe. In solchen Projekten ist der Sprung auf PREMIUM oft kein großer Mehraufwand mehr, weil viele Anforderungen schon durch die Bauweise erfüllt werden. Zudem kann ein PREMIUM-Gebäude am Zweitmarkt als besonders zukunftssicher wahrgenommen werden.

In unseren Energieberatungs-Projekten in Stuttgart und ganz Deutschland erleben wir, dass sich rund neun von zehn Bauherren bewusst für PLUS entscheiden. PREMIUM bleibt die Ausnahme für klare Nachhaltigkeitsvorhaben. Wichtig ist: Mit beiden Stufen errichten Sie ein Gebäude, das nachweislich nachhaltig ist – die Wahl ist also kein „richtig oder falsch”, sondern eine Frage des Anspruchs.

Erst rechnen, dann entscheiden

Lassen Sie früh in der Planung eine Variantenbetrachtung erstellen. So sehen Sie, ob PREMIUM mit Ihrem geplanten Energiekonzept ohnehin in Reichweite liegt – oder ob PLUS die wirtschaftlich sinnvollere Stufe ist. Diese frühe Weichenstellung spart später Kosten und Nacharbeit.

Kosten und Ablauf der QNG-Zertifizierung

Unabhängig von der gewählten Stufe fallen für die Zertifizierung selbst Kosten an. Für ein Einfamilienhaus sollten Sie mit etwa 6.000 bis 15.000 Euro rechnen – je nachdem, ob ein Ein- oder Mehrfamilienhaus zertifiziert wird. Diese Summe umfasst sowohl die Zertifizierungsgebühr als auch das Honorar für den QNG-Auditor, der das Projekt begleitet. Welche Leistungen dahinterstehen, beschreiben wir ausführlich im Beitrag zum QNG-Auditor.

Der Weg zum Siegel folgt einem klaren Ablauf, der schon in der frühen Planungsphase beginnt.

  • Zieldefinition: Gemeinsam legen Sie fest, ob QNG PLUS oder PREMIUM angestrebt wird und welches Bewertungssystem (z. B. DGNB, NaWoh oder BiRN) genutzt wird.
  • Auditor auswählen: Ein zertifizierter QNG-Auditor begleitet das Projekt und prüft, ob alle Anforderungen während Planung und Bau eingehalten werden.
  • Planung und Nachweisführung: Materialwahl, Ökobilanz und Schadstoffprüfung werden dokumentiert – das ist das eigentliche Rückgrat der Zertifizierung.
  • Bauausführung mit Belegen: Jeder Lieferschein und jedes verbaute Material wird nachgewiesen, damit die theoretischen Werte auf der Baustelle bestätigt werden.
  • Prüfung und Zertifikat: Nach Fertigstellung prüft die Zertifizierungsstelle die Unterlagen, anschließend wird das QNG-Siegel ausgestellt.

Die Kosten für die Zertifizierung sollten Sie nicht isoliert betrachten, sondern im Verhältnis zur Förderung. Schließlich öffnet das Siegel den Zugang zu zinsgünstigen Krediten wie dem KfW-Wohneigentumsprogramm (KfW 124) und zur höheren Neubauförderung. Wer von Anfang an effizient plant, etwa als Niedrigenergiehaus, erfüllt viele QNG-Anforderungen ohnehin.

Angaben als Richtwerte (Stand 2026)

Die genannten Grenzwerte, Quoten und Kosten beziehen sich auf die Siegelvariante für Wohngebäude (QNG-WG23) und typische Projekte in Deutschland. Maßgeblich sind immer die aktuell gültigen QNG-Siegeldokumente sowie Ihr individuelles Bauvorhaben. Für eine belastbare Einschätzung empfehlen wir ein persönliches Beratungsgespräch.

Fazit

Beim Vergleich QNG PLUS oder PREMIUM gilt: PREMIUM erfüllt strengere ökologische Anforderungen, wird in der KfW-Förderung aber nicht höher vergütet. Für die meisten Bauherren ist QNG PLUS daher die praktische und wirtschaftlich sinnvolle Wahl, während PREMIUM dann punktet, wenn Sie bewusst besonders nachhaltig bauen. Entscheidend ist, die Zertifizierung früh in die Planung einzubinden und mit einem erfahrenen Energieberater sowie QNG-Auditor abzustimmen – so vermeiden Sie teure Nacharbeit und sichern sich die volle Förderung.

Weiterführende Artikel: QNG-Siegel: Wofür man es braucht und was es kostet, QNG-Auditor: Aufgaben, Kosten & Ablauf und BAFA oder KfW: Welche Förderung passt?

Häufige Fragen zu QNG PLUS und PREMIUM

Was ist der Unterschied zwischen QNG PLUS und QNG PREMIUM?

QNG PLUS bescheinigt eine überdurchschnittliche, QNG PREMIUM eine deutlich überdurchschnittliche Nachhaltigkeitsqualität. PREMIUM verlangt strengere Grenzwerte: maximal 20 statt 24 kg CO₂e/m²a bei den Treibhausgasen, 64 statt 96 kWh/m²a beim Primärenergiebedarf sowie höhere Anteile an nachhaltigem Holz (85 statt 70 Prozent) und recycelten Materialien.

Reicht QNG PLUS für die KfW-Förderung aus?

Ja. Für die Förderung „Klimafreundlicher Neubau” mit Nachhaltigkeitsklasse genügt QNG PLUS vollständig. Die erreichte Stufe hat keinen Einfluss auf die Höhe der Fördersumme – PREMIUM bringt also keinen zusätzlichen Förderbetrag. Voraussetzung ist, dass mindestens die PLUS-Anforderungen erfüllt und nachgewiesen werden.

Wann lohnt sich QNG PREMIUM?

PREMIUM lohnt sich vor allem, wenn Sie ohnehin sehr nachhaltig bauen – etwa mit hohem Holzanteil, sehr effizienter Anlagentechnik und recycelten Baustoffen. Dann ist der Sprung auf PREMIUM oft kein großer Mehraufwand. Geht es Ihnen primär um die Förderung, ist PLUS in der Regel die wirtschaftlichere Wahl.

Was kostet die QNG-Zertifizierung?

Für ein Einfamilienhaus liegen die Kosten typischerweise zwischen 6.000 und 15.000 Euro. Darin enthalten sind die Zertifizierungsgebühr und das Honorar für den QNG-Auditor. Die genaue Höhe hängt von Gebäudegröße, Komplexität und gewähltem Bewertungssystem ab. Im Verhältnis zur möglichen Förderung amortisieren sich diese Kosten meist schnell.

Kann ich nachträglich von QNG PLUS auf PREMIUM wechseln?

Das ist in der Regel nicht sinnvoll, weil die strengeren PREMIUM-Anforderungen bereits in der Planung und beim Materialeinsatz berücksichtigt werden müssen. Wer PREMIUM anstrebt, sollte das von Beginn an festlegen. Eine nachträgliche Höherstufung scheitert meist an Nachweisen, die während der Bauphase nicht erbracht wurden.

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