Ein Handtuchhalter, ein Spiegelschrank oder ein Haltegriff im Bad – und schon steht die Frage im Raum: Wie kann ich Fliesen bohren, ohne dass sie springen? Die glatte, harte Oberfläche verzeiht Fehler kaum, ein falscher Bohrer oder zu viel Druck, und der Riss zieht sich quer durch die Fliese. Mit dem richtigen Werkzeug und etwas Ruhe gelingt das Bohren aber auch Heimwerkern zuverlässig. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, welcher Bohrer zu welcher Fliese passt, wie Sie sauber ein Loch setzen und was Sie tun, wenn doch einmal etwas schiefgeht.
- Für Steingut und Steinzeug reicht ein Hartmetall-Fliesenbohrer – für hartes Feinsteinzeug und Naturstein brauchen Sie einen Diamantbohrer.
- Immer mit niedriger Drehzahl und ohne Schlagfunktion bohren – erst im Mauerwerk dahinter darf der Schlag dazu.
- Kreppband auf die Bohrstelle kleben verhindert das Verrutschen und schützt die Glasur vor dem Absplittern.
- Kühlen mit Wasser hält den Bohrer scharf und die Fliese heil – besonders wichtig beim Diamantbohrer.
- Vor dem Bohren die Wand auf Strom- und Wasserleitungen prüfen, um teure Schäden zu vermeiden.
Kostenlose Beratung anfragen Ratgeber: Fliesenarten
Welcher Bohrer eignet sich zum Fliesen bohren?
Die Wahl des richtigen Bohrers entscheidet über Erfolg oder Bruch. Fliesen unterscheiden sich stark in ihrer Härte, und genau danach richtet sich das Werkzeug. Grob teilen sich die Fliesen in zwei Gruppen: die weicheren Steingut- und Steinzeugfliesen auf der einen Seite, das sehr harte Feinsteinzeug und Naturstein auf der anderen.
Hartmetall-Fliesenbohrer für Steingut und Steinzeug
Für klassische Wandfliesen aus Steingut sowie für viele Steinzeugfliesen genügt ein Hartmetall-Fliesenbohrer, oft auch Lanzenbohrer genannt. Seine speerförmige Spitze durchdringt die harte Glasur, ohne sie zu stark zu belasten. Diese Bohrer sind günstig und in jedem Baumarkt erhältlich. Alternativ funktioniert auch ein Glasbohrer, der ähnlich aufgebaut ist.
Diamantbohrer für Feinsteinzeug und Naturstein
Sobald es um Feinsteinzeug geht, stoßen Hartmetallbohrer an ihre Grenzen. Feinsteinzeug erreicht auf der Mohs-Härteskala – dem Maß für die Ritzhärte eines Materials – Werte von 6 bis 8 und ist damit fast so hart wie mancher Edelstein. Hier führt kein Weg an einem Diamantbohrer vorbei, dessen Schneide mit feinen Diamantpartikeln besetzt ist. Für runde, größere Löcher gibt es ihn auch als Bohrkrone. Welche Fliese Sie überhaupt vor sich haben, lesen Sie in unserem Ratgeber zu den verschiedenen Fliesenarten und ihren Eigenschaften nach.
Damit Sie den passenden Bohrer auf einen Blick finden, haben wir die gängigen Fliesenarten und das jeweils richtige Werkzeug gegenübergestellt:
| Fliesenart | Härte | Empfohlener Bohrer | Kühlung nötig? |
|---|---|---|---|
| Steingut (glasierte Wandfliese) | gering | Hartmetall-Fliesenbohrer | ~ empfohlen |
| Steinzeug | mittel | Hartmetall-Fliesenbohrer | ✓ ja |
| Feinsteinzeug | sehr hoch | Diamantbohrer | ✓ zwingend |
| Naturstein (Marmor, Granit) | hoch | Diamantbohrer | ✓ zwingend |
Wissen Sie nicht, ob es sich um Steinzeug oder Feinsteinzeug handelt? Feinsteinzeug ist an der Bruchkante durchgefärbt und nimmt kaum Wasser auf. Ein Tropfen Wasser auf der unglasierten Rückseite zieht bei Steinzeug schnell ein, bei Feinsteinzeug bleibt er stehen. Im Zweifel greifen Sie zum Diamantbohrer – er funktioniert auf beiden.
Werkzeug und Vorbereitung
Neben dem passenden Bohrer brauchen Sie nur wenig Ausrüstung. Eine normale Bohrmaschine oder ein Akkuschrauber genügt vollkommen – wichtig ist, dass sich die Schlagfunktion ausschalten lässt. Dazu kommen Kreppband, ein wasserlöslicher Stift zum Anzeichnen, etwas Wasser zum Kühlen und der passende Dübel für die spätere Befestigung.
Leitungen prüfen – der wichtigste Schritt vorab
Gerade im Bad und in der Küche verlaufen hinter den Fliesen häufig Strom- und Wasserleitungen. Bevor Sie ansetzen, sollten Sie deshalb mit einem Leitungssucher die Wand prüfen. Als Faustregel laufen Leitungen meist senkrecht über oder unter Steckdosen und waagerecht neben ihnen. Wer hier schludert, riskiert im schlimmsten Fall einen Stromschlag oder einen teuren Wasserschaden.
Bohrstelle anzeichnen und abkleben
Kleben Sie ein Stück Kreppband über die geplante Bohrstelle und markieren Sie den Punkt mit dem Stift darauf. Das Band gibt dem Bohrer Halt, sodass er nicht auf der glatten Glasur abrutscht, und es fängt kleine Absplitterungen ab. Zusätzlich können Sie die Stelle mit einer Anreißnadel leicht ankörnen, um dem Bohrer eine Führung zu geben.
- Hartmetall oder Diamant
- je nach Fliesenart
- Niedrige Drehzahl
- Schlagfunktion aus
- Verhindert Abrutschen
- Fängt Splitter ab
- Schützt Bohrer & Fliese
- Beim Diamant zwingend
Fliesen bohren ohne Bruch: Schritt für Schritt
Wenn Werkzeug und Bohrstelle vorbereitet sind, ist das eigentliche Bohren schnell erklärt. Entscheidend sind Geduld und eine niedrige Drehzahl – hektisches Bohren mit hohem Druck ist die häufigste Ursache für gesprungene Fliesen.
- Bohrer einspannen und die Maschine auf die niedrigste Drehzahl stellen. Die Schlagfunktion muss ausgeschaltet sein, sonst zerspringt die Fliese sofort.
- Den Bohrer gerade auf den markierten Punkt ansetzen und mit leichtem, gleichmäßigem Druck beginnen. Anfangs langsam anbohren, bis die Glasur durchbrochen ist und der Bohrer sicher greift.
- Bohrer und Bohrstelle laufend mit Wasser kühlen – etwa mit einer Sprühflasche oder einem nassen Schwamm. Das verhindert Überhitzung und hält die Diamant- oder Hartmetallschneide scharf.
- Mit gleichbleibendem Druck weiterbohren, bis Sie die Fliese vollständig durchbohrt haben. Ziehen Sie den Bohrer dabei immer wieder kurz zurück, damit Bohrstaub entweichen kann.
- Erst wenn die Fliese durch ist, auf einen Steinbohrer wechseln und das Loch im Mauerwerk fertigstellen. Bei Beton darf jetzt auch die Schlagfunktion dazu – aber niemals in der Fliese selbst.
Es klingt naheliegend, in die weichere Fuge zu bohren – doch der Dübel findet dort oft keinen sicheren Halt, und die Fuge kann ausbrechen. Bohren Sie stattdessen mittig in die Fliese, mindestens zwei Zentimeter von der Fugenkante entfernt. So sitzt der Dübel fest im Mauerwerk dahinter.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Die meisten Fliesenbrüche entstehen aus wenigen, immer gleichen Fehlern. Wer sie kennt, umgeht sie leicht. Der häufigste ist die eingeschaltete Schlagfunktion – sie schlägt die harte, spröde Fliese schlicht durch. Ebenso kritisch ist eine zu hohe Drehzahl, die den Bohrer und die Fliese überhitzt.
Auch zu viel Anpressdruck rächt sich: Die Fliese gibt nicht nach, sondern reißt. Lassen Sie stattdessen den Bohrer die Arbeit machen und üben Sie nur leichten, gleichmäßigen Druck aus. Und wer die Kühlung vergisst, macht selbst mit dem besten Diamantbohrer bald schlapp – die Schneide stumpft ab und die Reibungshitze bringt die Glasur zum Abplatzen.
In unseren Sanierungsprojekten in Stuttgart und ganz Deutschland sehen wir immer wieder: Wer sich beim Anbohren zwei, drei Sekunden Zeit nimmt und den Bohrer sauber führt, spart sich den Ärger einer gesprungenen Fliese. Gerade bei großformatigen Platten lohnt sich diese Ruhe – mehr dazu in unserem Ratgeber zu XXL-Fliesen.
Die Fliese ist gesprungen – was tun?
Trotz aller Vorsicht kann eine Fliese reißen. Ein kleiner Haarriss am Bohrloch lässt sich mit einem passenden Fliesenfüllstoff oder farblich abgestimmter Spachtelmasse kaschieren. Für unauffällige Ausbesserungen gibt es außerdem Reparatursets mit einlackierbaren Farben, die den Riss optisch schließen.
Ist die Fliese dagegen komplett gebrochen, hilft nur der Austausch. Die schadhafte Fliese wird vorsichtig herausgestemmt, der alte Kleber entfernt und eine Ersatzfliese eingesetzt. Wie das Verlegen im Detail funktioniert und wie Sie das Muster treffen, zeigen wir Ihnen in unserem Ratgeber zu Fliesen-Verlegemustern. Wer ohnehin mit dem Fliesenbild unzufrieden ist, kann statt einer Neuverlegung auch über das Streichen der Fliesen nachdenken.
Befestigen ohne Bohren – die Alternativen
Nicht jede Befestigung muss durch die Fliese gehen. Für leichte Gegenstände wie Seifenspender, Haken oder kleine Ablagen gibt es gute Alternativen, die die Fliese unversehrt lassen. Spezielle Montagepads und Fliesenkleber halten erstaunlich viel, moderne Klebe-Systeme tragen im Bad je nach Produkt mehrere Kilogramm.
Auch Saugnäpfe und Klemmstangen sind praktisch, etwa für Duschkörbe oder Handtuchstangen. Ihr Vorteil: Sie lassen sich rückstandslos entfernen, was gerade in Mietwohnungen wichtig ist. Für schwere Lasten wie Hängeschränke oder Haltegriffe kommen Sie ums Bohren allerdings nicht herum – hier muss der Dübel fest im Mauerwerk sitzen.
Gerade beim altersgerechten Umbau müssen Haltegriffe im Bad das volle Körpergewicht tragen – hier ist fachgerechtes Bohren und Dübeln Pflicht. Worauf es dabei ankommt, lesen Sie in unserem Ratgeber zum barrierefreien Bad nach DIN 18040.
Fazit
Fliesen bohren ist keine Zauberei, wenn Sie die wichtigsten Regeln beachten: den passenden Bohrer je nach Fliesenart wählen, mit niedriger Drehzahl und ohne Schlagfunktion arbeiten, gut kühlen und ruhig bleiben. Der Diamantbohrer ist beim harten Feinsteinzeug Pflicht, für Steingut und Steinzeug genügt der Hartmetallbohrer. Wer vorher die Leitungen prüft und die Stelle abklebt, bohrt sicher und ohne Bruch.
Und wenn doch einmal etwas reißt, lässt sich das meist unauffällig reparieren. Weiterführende Ratgeber: XXL-Fliesen: Verlegung & Tipps, Fliesen verlegen: Muster & Tipps und Fliesen streichen statt neu verlegen.
Häufige Fragen zum Fliesen bohren
Für weichere Steingut- und Steinzeugfliesen genügt ein Hartmetall-Fliesenbohrer (Lanzenbohrer) oder ein Glasbohrer. Für hartes Feinsteinzeug und Natursteinfliesen brauchen Sie einen Diamantbohrer, da Hartmetall an der hohen Materialhärte scheitert. Im Zweifel ist der Diamantbohrer die sichere Wahl, weil er auf allen Fliesenarten funktioniert.
Ein normaler Metall- oder Universalbohrer ist ungeeignet – er rutscht auf der Glasur ab und bringt die Fliese zum Splittern. Ein Steinbohrer funktioniert allenfalls bei sehr weichem Steingut, riskiert aber ebenfalls Ausbrüche. Verwenden Sie deshalb immer einen speziellen Fliesen- oder Diamantbohrer. Die Bohrmaschine selbst kann eine normale sein, solange die Schlagfunktion abschaltbar ist.
Die häufigsten Ursachen sind die eingeschaltete Schlagfunktion, eine zu hohe Drehzahl und zu viel Anpressdruck. Die harte, spröde Fliese gibt dem Schlag nicht nach und reißt. Auch fehlende Kühlung führt zu Überhitzung und Abplatzungen. Wer langsam, ohne Schlag und mit leichtem Druck bohrt und dabei kühlt, vermeidet Sprünge zuverlässig.
Bei Diamantbohrern ist die Wasserkühlung zwingend – ohne sie überhitzt die Schneide und verliert schnell ihre Wirkung. Beim Hartmetallbohrer in weichem Steingut ist Kühlung nicht immer nötig, aber empfehlenswert, weil sie die Fliese schont und den Bohrer länger scharf hält. Am einfachsten kühlen Sie mit einer Sprühflasche oder einem feuchten Schwamm.
Bohren Sie mittig in die Fliese, nicht in die Fuge. Zwar ist die Fuge weicher und leichter zu bohren, doch der Dübel findet dort selten sicheren Halt, und die Fuge kann ausbrechen. Halten Sie mindestens zwei Zentimeter Abstand zur Fugenkante, damit der Dübel fest im Mauerwerk sitzt und die Fliese am Rand nicht reißt.
Für leichte Gegenstände eignen sich Montagepads, spezielle Klebe-Systeme, Saugnäpfe oder Klemmstangen – viele halten mehrere Kilogramm und lassen sich rückstandslos entfernen. Das ist ideal für Mietwohnungen. Für schwere Lasten wie Hängeschränke oder Haltegriffe reicht Kleben nicht aus; hier muss gebohrt und gedübelt werden, damit die Befestigung sicher trägt.

