Delaminierung heißt: Zwei Schichten, die verbunden sein sollten, lösen sich voneinander. Der Begriff taucht in der Werkstoffkunde auf, im Holzbau, an Fassaden und an Abdichtungen. Am häufigsten begegnet er Hausbesitzern aber bei einem Bauteil: dem Solarmodul.
Dort zeigt sich Delaminierung als milchige Blase oder als silbrig schimmernde Fläche unter dem Glas. Wie gefährlich das ist, hängt vor allem davon ab, wo sie sitzt. Genau dieser Punkt fehlt in fast allen Ratgebern. Wir behandeln ihn hier ausführlich und gehen danach kurz auf die anderen Bauteile ein.
- Delaminierung ist das Ablösen fest verbundener Schichten voneinander.
- Am Solarmodul löst sich die Einbettungsfolie vom Glas oder von der Zelle.
- Der Leistungsverlust liegt laut IEA-PVPS bei bis zu vier Prozent.
- Entscheidend ist der Ort: mittig harmlos, am Rand und an der Anschlussdose kritisch.
- Die Beweislastumkehr gilt nur in den ersten zwölf Monaten nach Kauf.
- Delaminierung ist ein Materialfehler und fällt unter die Produktgarantie.
Module prüfen lassen Zur Photovoltaik
Was Delaminierung bedeutet
Ein Verbundbauteil besteht aus mehreren Lagen, die miteinander verklebt, verschweißt oder laminiert sind. Delaminierung bezeichnet den Verlust dieser Verbindung. Die Schichten bleiben äußerlich an Ort und Stelle, tragen aber nicht mehr gemeinsam.
Der Begriff ist bewusst neutral. Er sagt nichts darüber aus, warum sich die Schichten gelöst haben. Ursachen können Feuchtigkeit, Temperaturwechsel, chemischer Abbau oder ein Verarbeitungsfehler sein.
Im Bauwesen taucht Delaminierung an vier Stellen regelmäßig auf: an Photovoltaikmodulen, an Wärmedämmverbundsystemen, an Abdichtungsbahnen und an verleimten Holzbauteilen. Der weitaus häufigste Anlass für eine Suche ist das Solarmodul.
Delaminierung am Solarmodul
Ein kristallines Modul ist ein Sandwich. Von oben nach unten: Frontglas, Einbettungsfolie, Solarzellen mit Zellverbindern, wieder Einbettungsfolie, dann Rückseitenfolie oder ein zweites Glas. Alles wird unter Hitze und Druck zu einem Verbund laminiert.
Die Einbettungsfolie besteht meist aus Ethylen-Vinylacetat, kurz EVA. Sie hat zwei Aufgaben: Sie hält den Verbund zusammen und sie koppelt das Licht optisch an die Zelle an. Löst sie sich, entsteht ein Luftspalt. Licht wird dort reflektiert statt in die Zelle geleitet.
Optisch erkennt man das an milchig-weißen oder silbrig glänzenden Bereichen. Sie treten am Zellrand auf, entlang der Zellverbinder oder großflächig unter dem Glas.
Wie viel Leistung wirklich verloren geht
Hier kursieren im Netz Zahlen bis 15 Prozent. Belegt ist das nicht. Die belastbare Quelle ist ein Bericht des Photovoltaic Power Systems Programme der Internationalen Energieagentur aus dem Jahr 2014.
Dort wird der Leistungsverlust durch Delaminierung mit bis zu vier Prozent angegeben. Er entsteht durch die optische Entkopplung. Zum Vergleich nennt derselbe Bericht andere Effekte.
| Effekt | typischer Leistungsverlust |
|---|---|
| Delaminierung | bis 4 % |
| Lichtinduzierte Degradation | 2 bis 4 % |
| Glaskorrosion | max. 3 % |
| Zellrisse und Lötkorrosion | nach oben offen |
Die Botschaft dahinter ist wichtig: Der reine Ertragsverlust durch Delaminierung ist überschaubar. Das eigentliche Problem liegt woanders.
Der Ort entscheidet über das Risiko
Delaminierung stellt laut IEA-PVPS nicht automatisch ein Sicherheitsproblem dar. Ob sie harmlos oder kritisch ist, hängt davon ab, wo sie sitzt.
- kein Wasserpfad nach außen
- vor allem Ertragsthema
- Beobachtung genügt meist
- Wasser dringt in den Verbund
- Isolationswiderstand sinkt
- Erdschluss möglich
- Last auf stromführenden Teilen
- Bypass-Dioden können brechen
- Lichtbogen nicht ausgeschlossen
Praktisch heißt das: Eine Blase in der Modulmitte ist ärgerlich, aber selten dringend. Eine Ablösung, die bis an die Kante läuft oder die Anschlussdose erreicht, sollte ein Fachbetrieb messen.
Warum sich der Verbund löst
Die Ursachen sind gut untersucht. Drei Mechanismen dominieren.
- Abbau des Haftvermittlers: Er ist der instabilste Additivbestandteil der Einbettungsfolie und altert unter UV und Wärme zuerst.
- Feuchteeintrag über die Rückseite: Rückseitenfolien aus PET werden durch Hydrolyse spröde und lassen Wasserdampf durch.
- Chemischer Angriff von innen: EVA spaltet unter Feuchte Essigsäure ab. Diese greift die Metallisierung der Zelle und die Zellverbinder an.
Die Essigsäure ist der schleichende Teil. Sie beschleunigt Korrosion und damit genau die Schäden, die im IEA-Bericht als nach oben offen gelten. Delaminierung ist deshalb oft nicht der eigentliche Schaden, sondern sein Wegbereiter.
Alternative Einbettungsmaterialien auf Polyolefin-Basis sind hydrolysestabiler und setzen keine Essigsäure frei. Glas-Glas-Module haben dafür zusätzliche Randspannungen, weil beide Scheiben unterschiedlich arbeiten.
Wie häufig ist das?
Belastbare Häufigkeitsangaben sind selten. Eine große Feldauswertung über mehr als drei Millionen Module ergab eine Rücksendequote von 0,44 Prozent nach durchschnittlich fünf Betriebsjahren.
Von diesen Rücksendungen entfielen rund zwei Drittel auf Verbindungsprobleme und etwa ein Fünftel auf Rückseitenfolie und Einbettung. Delaminierung ist also ein relevanter, aber kein dominierender Fehlerfall.
Zahlen aus einer Feldauswertung von 2013 und dem IEA-PVPS-Bericht T13-01 von 2014. Neuere belastbare Statistiken speziell zur Delaminierungshäufigkeit liegen uns nicht vor. Prozentangaben zur Verbreitung, die im Netz kursieren, sind meist nicht belegt.
Zur Einordnung: Die mittlere Degradationsrate kristalliner Module liegt bei etwa 0,8 Prozent im Jahr. Wer einen Ertragsrückgang bemerkt, sollte zuerst prüfen, ob er überhaupt über dieser normalen Alterung liegt.
So wird Delaminierung erkannt
Der erste Schritt ist immer die Sichtprüfung. Milchige oder silbrige Bereiche unter dem Glas sind bei Tageslicht und flachem Blickwinkel gut sichtbar.
Weiterführend arbeiten Fachbetriebe mit Thermografie. Puls- und Lock-in-Verfahren machen Bereiche sichtbar, in denen die Wärme nicht mehr gleichmäßig abfließt. Im Labor kommen Ultraschall und Röntgentomografie hinzu.
Elektrisch entscheidend ist die Isolationsmessung. Sie zeigt, ob der Verbund noch dicht ist. Diese Messung gehört in jede technische Prüfung der Anlage und nicht nur die Sichtkontrolle.
Was die Normen verlangen
Module werden gegen Alterung geprüft. Maßgeblich sind die IEC 61215 für Bauartqualifikation und Leistung sowie die IEC 61730 für die Sicherheit.
| Norm | Fassung | Inhalt |
|---|---|---|
| IEC 61215-1 und -2 | 2021, Ed. 2.0 | Bauartqualifikation und Prüfverfahren |
| DIN EN IEC 61215-1 | 2022 | deutsche Übernahme, VDE 0126-31-1 |
| IEC 61730-1 | 2023, Ed. 3.0 | Sicherheitsqualifikation |
Die zentrale Prüfung heißt Damp Heat. Das Modul steht 1.000 Stunden bei 85 Grad Celsius und 85 Prozent relativer Luftfeuchte. Manche Hersteller und Prüfinstitute verschärfen auf 2.000 oder 3.000 Stunden.
Eine Einschränkung sollte man kennen: Die Hydrolyse von PET-Rückseitenfolien lässt sich in diesem Test nur begrenzt abbilden. Ein bestandener Damp-Heat-Test schließt einen späteren Folienschaden also nicht aus.
Gewährleistung, Garantie und Beweislast
Hier liegt für Betreiber der entscheidende Hebel. Gewährleistung und Garantie sind zwei verschiedene Dinge.
Die Gewährleistung ist gesetzlich geregelt und richtet sich gegen Verkäufer oder Installateur. Beim reinen Kaufvertrag gilt sie zwei Jahre. Wurde die Anlage fest mit dem Gebäude verbunden und liegt ein Werkvertrag mit Bauwerksbezug vor, sind es fünf Jahre.
In den ersten zwölf Monaten wird vermutet, dass ein Mangel bereits bei Übergabe vorlag. Danach müssen Sie das nachweisen. Weil Delaminierung meist erst nach Jahren sichtbar wird, fällt sie fast immer in die schwierige Phase. Dokumentieren Sie deshalb jeden Befund mit Datum und Foto.
Die Garantie ist dagegen freiwillig. Hersteller geben üblicherweise eine Produktgarantie auf Material und Verarbeitung und getrennt davon eine Leistungsgarantie auf einen Mindestertrag. Delaminierung ist ein Material- oder Verarbeitungsfehler. Sie fällt also unter die Produktgarantie, nicht unter die Leistungsgarantie.
Die Laufzeiten unterscheiden sich stark zwischen den Herstellern. Prüfen Sie die Garantiebedingungen im Einzelfall, statt sich auf Marktüblichkeiten zu verlassen.
Was Sie konkret tun sollten
Wenn Sie eine Ablösung entdecken, hilft diese Reihenfolge.
- Fotografieren Sie den Befund mit Datum und notieren Sie die Modulnummer.
- Bestimmen Sie den Ort: Fläche, Rand oder Anschlussdose.
- Vergleichen Sie die Strangerträge im Monitoring über mehrere Wochen.
- Lassen Sie den Isolationswiderstand messen, wenn die Ablösung die Kante erreicht.
- Melden Sie den Schaden schriftlich bei Installateur und Hersteller.
- Klären Sie vor dem Austausch, ob Produktgarantie oder Gewährleistung greift.
Ein Tausch einzelner Module ist nicht immer trivial. Ältere Typen sind oft nicht mehr lieferbar, und abweichende Kennwerte können den gesamten String beeinflussen.
Delaminierung an anderen Bauteilen
Der Begriff gilt nicht nur für Module. Drei weitere Fälle begegnen uns in der Praxis regelmäßig.
Am Wärmedämmverbundsystem lösen sich Dämmplatten vom Untergrund. Ursache ist meist eine fehlerhafte Punkt-Wulst-Verklebung mit zu geringer Klebefläche. Sichtbar wird es als Hohllage, Putzblase oder Riss im Plattenstoß. Mehr dazu steht in unserem Beitrag zum Wärmedämmverbundsystem.
An Abdichtungsbahnen entstehen Blasen und Pocken, wenn Feuchte oder Luft beim Verlegen eingeschlossen wurde. Der Effekt verstärkt sich in der Sonne, weil der Einschluss sich ausdehnt. Details dazu finden Sie unter Dach abdichten.
Bei verleimten Holzbauteilen ist die Delaminierungsprüfung sogar genormt. Brettschichtholz wird nach DIN EN 14080 im Anhang C geprüft. Die zugehörige Klebstoffnorm lässt höchstens fünf Prozent delaminierte Fugenlänge zu.
Wer die Prüfung übernimmt
Eine Modulprüfung verbindet Elektrotechnik mit Bauwerksdiagnostik. Beides muss zusammenkommen, sonst wird nur der Ertrag betrachtet und die Sicherheitsfrage bleibt offen.
In der GREENOX Gruppe übernimmt die elektrotechnische Messung und Instandsetzung GREENOX Dürr Elektrotechnik. Für Anlagen mit Gebäudeautomation und Sicherheitstechnik ist Elektro Zepf zuständig. Tragwerks- und Befestigungsfragen am Dach klärt parallelum.
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