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Delaminierung: Ursachen, Risiko und Garantie am Solarmodul

Inhalt

Delaminierung heißt: Zwei Schichten, die verbunden sein sollten, lösen sich voneinander. Der Begriff taucht in der Werkstoffkunde auf, im Holzbau, an Fassaden und an Abdichtungen. Am häufigsten begegnet er Hausbesitzern aber bei einem Bauteil: dem Solarmodul.

Dort zeigt sich Delaminierung als milchige Blase oder als silbrig schimmernde Fläche unter dem Glas. Wie gefährlich das ist, hängt vor allem davon ab, wo sie sitzt. Genau dieser Punkt fehlt in fast allen Ratgebern. Wir behandeln ihn hier ausführlich und gehen danach kurz auf die anderen Bauteile ein.

Clever Kompakt
Delaminierung – das Wichtigste im Überblick
  • Delaminierung ist das Ablösen fest verbundener Schichten voneinander.
  • Am Solarmodul löst sich die Einbettungsfolie vom Glas oder von der Zelle.
  • Der Leistungsverlust liegt laut IEA-PVPS bei bis zu vier Prozent.
  • Entscheidend ist der Ort: mittig harmlos, am Rand und an der Anschlussdose kritisch.
  • Die Beweislastumkehr gilt nur in den ersten zwölf Monaten nach Kauf.
  • Delaminierung ist ein Materialfehler und fällt unter die Produktgarantie.

Module prüfen lassen Zur Photovoltaik

4 %
maximaler Leistungsverlust laut IEA-PVPS
1.000 h
Damp-Heat-Prüfung bei 85 °C und 85 % Feuchte
12
Monate Beweislastumkehr nach § 477 BGB
~ 20 %
Anteil Folie und Einbettung an Rücksendungen

Was Delaminierung bedeutet

Ein Verbundbauteil besteht aus mehreren Lagen, die miteinander verklebt, verschweißt oder laminiert sind. Delaminierung bezeichnet den Verlust dieser Verbindung. Die Schichten bleiben äußerlich an Ort und Stelle, tragen aber nicht mehr gemeinsam.

Der Begriff ist bewusst neutral. Er sagt nichts darüber aus, warum sich die Schichten gelöst haben. Ursachen können Feuchtigkeit, Temperaturwechsel, chemischer Abbau oder ein Verarbeitungsfehler sein.

Im Bauwesen taucht Delaminierung an vier Stellen regelmäßig auf: an Photovoltaikmodulen, an Wärmedämmverbundsystemen, an Abdichtungsbahnen und an verleimten Holzbauteilen. Der weitaus häufigste Anlass für eine Suche ist das Solarmodul.

Delaminierung am Solarmodul

Ein kristallines Modul ist ein Sandwich. Von oben nach unten: Frontglas, Einbettungsfolie, Solarzellen mit Zellverbindern, wieder Einbettungsfolie, dann Rückseitenfolie oder ein zweites Glas. Alles wird unter Hitze und Druck zu einem Verbund laminiert.

Die Einbettungsfolie besteht meist aus Ethylen-Vinylacetat, kurz EVA. Sie hat zwei Aufgaben: Sie hält den Verbund zusammen und sie koppelt das Licht optisch an die Zelle an. Löst sie sich, entsteht ein Luftspalt. Licht wird dort reflektiert statt in die Zelle geleitet.

Optisch erkennt man das an milchig-weißen oder silbrig glänzenden Bereichen. Sie treten am Zellrand auf, entlang der Zellverbinder oder großflächig unter dem Glas.

Wie viel Leistung wirklich verloren geht

Hier kursieren im Netz Zahlen bis 15 Prozent. Belegt ist das nicht. Die belastbare Quelle ist ein Bericht des Photovoltaic Power Systems Programme der Internationalen Energieagentur aus dem Jahr 2014.

Dort wird der Leistungsverlust durch Delaminierung mit bis zu vier Prozent angegeben. Er entsteht durch die optische Entkopplung. Zum Vergleich nennt derselbe Bericht andere Effekte.

Effekttypischer Leistungsverlust
Delaminierungbis 4 %
Lichtinduzierte Degradation2 bis 4 %
Glaskorrosionmax. 3 %
Zellrisse und Lötkorrosionnach oben offen

Die Botschaft dahinter ist wichtig: Der reine Ertragsverlust durch Delaminierung ist überschaubar. Das eigentliche Problem liegt woanders.

Der Ort entscheidet über das Risiko

Delaminierung stellt laut IEA-PVPS nicht automatisch ein Sicherheitsproblem dar. Ob sie harmlos oder kritisch ist, hängt davon ab, wo sie sitzt.

Praktisch heißt das: Eine Blase in der Modulmitte ist ärgerlich, aber selten dringend. Eine Ablösung, die bis an die Kante läuft oder die Anschlussdose erreicht, sollte ein Fachbetrieb messen.

Warum sich der Verbund löst

Die Ursachen sind gut untersucht. Drei Mechanismen dominieren.

  • Abbau des Haftvermittlers: Er ist der instabilste Additivbestandteil der Einbettungsfolie und altert unter UV und Wärme zuerst.
  • Feuchteeintrag über die Rückseite: Rückseitenfolien aus PET werden durch Hydrolyse spröde und lassen Wasserdampf durch.
  • Chemischer Angriff von innen: EVA spaltet unter Feuchte Essigsäure ab. Diese greift die Metallisierung der Zelle und die Zellverbinder an.

Die Essigsäure ist der schleichende Teil. Sie beschleunigt Korrosion und damit genau die Schäden, die im IEA-Bericht als nach oben offen gelten. Delaminierung ist deshalb oft nicht der eigentliche Schaden, sondern sein Wegbereiter.

Alternative Einbettungsmaterialien auf Polyolefin-Basis sind hydrolysestabiler und setzen keine Essigsäure frei. Glas-Glas-Module haben dafür zusätzliche Randspannungen, weil beide Scheiben unterschiedlich arbeiten.

Wie häufig ist das?

Belastbare Häufigkeitsangaben sind selten. Eine große Feldauswertung über mehr als drei Millionen Module ergab eine Rücksendequote von 0,44 Prozent nach durchschnittlich fünf Betriebsjahren.

Von diesen Rücksendungen entfielen rund zwei Drittel auf Verbindungsprobleme und etwa ein Fünftel auf Rückseitenfolie und Einbettung. Delaminierung ist also ein relevanter, aber kein dominierender Fehlerfall.

Datenstand

Zahlen aus einer Feldauswertung von 2013 und dem IEA-PVPS-Bericht T13-01 von 2014. Neuere belastbare Statistiken speziell zur Delaminierungshäufigkeit liegen uns nicht vor. Prozentangaben zur Verbreitung, die im Netz kursieren, sind meist nicht belegt.

Zur Einordnung: Die mittlere Degradationsrate kristalliner Module liegt bei etwa 0,8 Prozent im Jahr. Wer einen Ertragsrückgang bemerkt, sollte zuerst prüfen, ob er überhaupt über dieser normalen Alterung liegt.

So wird Delaminierung erkannt

Der erste Schritt ist immer die Sichtprüfung. Milchige oder silbrige Bereiche unter dem Glas sind bei Tageslicht und flachem Blickwinkel gut sichtbar.

Weiterführend arbeiten Fachbetriebe mit Thermografie. Puls- und Lock-in-Verfahren machen Bereiche sichtbar, in denen die Wärme nicht mehr gleichmäßig abfließt. Im Labor kommen Ultraschall und Röntgentomografie hinzu.

Elektrisch entscheidend ist die Isolationsmessung. Sie zeigt, ob der Verbund noch dicht ist. Diese Messung gehört in jede technische Prüfung der Anlage und nicht nur die Sichtkontrolle.

Was die Normen verlangen

Module werden gegen Alterung geprüft. Maßgeblich sind die IEC 61215 für Bauartqualifikation und Leistung sowie die IEC 61730 für die Sicherheit.

NormFassungInhalt
IEC 61215-1 und -22021, Ed. 2.0Bauartqualifikation und Prüfverfahren
DIN EN IEC 61215-12022deutsche Übernahme, VDE 0126-31-1
IEC 61730-12023, Ed. 3.0Sicherheitsqualifikation

Die zentrale Prüfung heißt Damp Heat. Das Modul steht 1.000 Stunden bei 85 Grad Celsius und 85 Prozent relativer Luftfeuchte. Manche Hersteller und Prüfinstitute verschärfen auf 2.000 oder 3.000 Stunden.

Eine Einschränkung sollte man kennen: Die Hydrolyse von PET-Rückseitenfolien lässt sich in diesem Test nur begrenzt abbilden. Ein bestandener Damp-Heat-Test schließt einen späteren Folienschaden also nicht aus.

Gewährleistung, Garantie und Beweislast

Hier liegt für Betreiber der entscheidende Hebel. Gewährleistung und Garantie sind zwei verschiedene Dinge.

Die Gewährleistung ist gesetzlich geregelt und richtet sich gegen Verkäufer oder Installateur. Beim reinen Kaufvertrag gilt sie zwei Jahre. Wurde die Anlage fest mit dem Gebäude verbunden und liegt ein Werkvertrag mit Bauwerksbezug vor, sind es fünf Jahre.

Nach zwölf Monaten kehrt sich die Beweislast um

In den ersten zwölf Monaten wird vermutet, dass ein Mangel bereits bei Übergabe vorlag. Danach müssen Sie das nachweisen. Weil Delaminierung meist erst nach Jahren sichtbar wird, fällt sie fast immer in die schwierige Phase. Dokumentieren Sie deshalb jeden Befund mit Datum und Foto.

Die Garantie ist dagegen freiwillig. Hersteller geben üblicherweise eine Produktgarantie auf Material und Verarbeitung und getrennt davon eine Leistungsgarantie auf einen Mindestertrag. Delaminierung ist ein Material- oder Verarbeitungsfehler. Sie fällt also unter die Produktgarantie, nicht unter die Leistungsgarantie.

Die Laufzeiten unterscheiden sich stark zwischen den Herstellern. Prüfen Sie die Garantiebedingungen im Einzelfall, statt sich auf Marktüblichkeiten zu verlassen.

Was Sie konkret tun sollten

Wenn Sie eine Ablösung entdecken, hilft diese Reihenfolge.

  • Fotografieren Sie den Befund mit Datum und notieren Sie die Modulnummer.
  • Bestimmen Sie den Ort: Fläche, Rand oder Anschlussdose.
  • Vergleichen Sie die Strangerträge im Monitoring über mehrere Wochen.
  • Lassen Sie den Isolationswiderstand messen, wenn die Ablösung die Kante erreicht.
  • Melden Sie den Schaden schriftlich bei Installateur und Hersteller.
  • Klären Sie vor dem Austausch, ob Produktgarantie oder Gewährleistung greift.

Ein Tausch einzelner Module ist nicht immer trivial. Ältere Typen sind oft nicht mehr lieferbar, und abweichende Kennwerte können den gesamten String beeinflussen.

Delaminierung an anderen Bauteilen

Der Begriff gilt nicht nur für Module. Drei weitere Fälle begegnen uns in der Praxis regelmäßig.

Am Wärmedämmverbundsystem lösen sich Dämmplatten vom Untergrund. Ursache ist meist eine fehlerhafte Punkt-Wulst-Verklebung mit zu geringer Klebefläche. Sichtbar wird es als Hohllage, Putzblase oder Riss im Plattenstoß. Mehr dazu steht in unserem Beitrag zum Wärmedämmverbundsystem.

An Abdichtungsbahnen entstehen Blasen und Pocken, wenn Feuchte oder Luft beim Verlegen eingeschlossen wurde. Der Effekt verstärkt sich in der Sonne, weil der Einschluss sich ausdehnt. Details dazu finden Sie unter Dach abdichten.

Bei verleimten Holzbauteilen ist die Delaminierungsprüfung sogar genormt. Brettschichtholz wird nach DIN EN 14080 im Anhang C geprüft. Die zugehörige Klebstoffnorm lässt höchstens fünf Prozent delaminierte Fugenlänge zu.

Wer die Prüfung übernimmt

Eine Modulprüfung verbindet Elektrotechnik mit Bauwerksdiagnostik. Beides muss zusammenkommen, sonst wird nur der Ertrag betrachtet und die Sicherheitsfrage bleibt offen.

In der GREENOX Gruppe übernimmt die elektrotechnische Messung und Instandsetzung GREENOX Dürr Elektrotechnik. Für Anlagen mit Gebäudeautomation und Sicherheitstechnik ist Elektro Zepf zuständig. Tragwerks- und Befestigungsfragen am Dach klärt parallelum.

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Häufige Fragen zur Delaminierung

Erkennen, Ursachen und Technik

Was bedeutet Delaminierung genau?
Delaminierung ist das Ablösen von Schichten, die fest miteinander verbunden sein sollten. Beim Solarmodul löst sich die Einbettungsfolie vom Glas, von der Zelle oder von der Rückseite.
Woran erkenne ich sie am Modul?
An milchig-weißen oder silbrig glänzenden Bereichen unter dem Glas. Sie treten bevorzugt am Zellrand und entlang der Zellverbinder auf und sind bei flachem Blickwinkel gut sichtbar.
Wie viel Leistung geht verloren?
Der IEA-PVPS-Bericht nennt bis zu vier Prozent durch die optische Entkopplung. Höhere Zahlen aus dem Netz sind nicht belegt. Gefährlicher ist die Folgekorrosion, deren Verlust nach oben offen ist.
Warum spielt Essigsäure eine Rolle?
Die verbreitete EVA-Folie spaltet unter Feuchteeinfluss Essigsäure ab. Diese greift Metallisierung und Zellverbinder an. So wird aus einem optischen Problem schleichend ein elektrisches.
Ist ein delaminiertes Modul gefährlich?
Nicht automatisch. Mittig auf der Fläche ist das Risiko gering. Am Modulrand entsteht ein Wasserpfad mit Erdschlussgefahr, nahe der Anschlussdose kommen mechanische Last und Lichtbogenrisiko hinzu.

Recht, Garantie und Vorgehen

Greift die Garantie bei Delaminierung?
In der Regel ja, aber über die Produktgarantie. Delaminierung ist ein Material- oder Verarbeitungsfehler. Die Leistungsgarantie deckt nur das Unterschreiten eines zugesagten Mindestertrags ab.
Wie lange habe ich Gewährleistung?
Beim Kaufvertrag zwei Jahre, beim Werkvertrag mit Bauwerksbezug fünf Jahre. Welche Variante vorliegt, ergibt sich aus Vertragsgestaltung und Art der Montage.
Was bedeutet die Beweislastumkehr?
In den ersten zwölf Monaten wird vermutet, dass der Mangel schon bei Übergabe bestand. Danach müssen Sie das beweisen. Genau deshalb sind frühe Fotos und Messprotokolle so wertvoll.
Muss ich das Modul sofort tauschen?
Nicht zwingend. Bei mittiger Ablösung ohne Isolationsfehler reicht oft die Beobachtung. Erreicht die Ablösung den Rand oder die Anschlussdose, sollte gemessen und dann entschieden werden.
Betrifft Delaminierung nur Photovoltaik?
Nein. Der Begriff gilt für jedes Verbundbauteil. Am Bau betrifft er vor allem Wärmedämmverbundsysteme, Abdichtungsbahnen und verleimte Holzbauteile wie Brettschichtholz.
Anlage prüfen lassen
Erst messen, dann tauschen

Ob eine sichtbare Ablösung nur Ertrag kostet oder ein Sicherheitsthema ist, zeigt erst die Messung. Wir prüfen Sichtbefund, Strangerträge und Isolationswiderstand und sagen Ihnen, ob beobachten reicht oder ob gehandelt werden muss.

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